Mahnwache vor Schlachtzentrum Altenburg: Tiere sollen vor Schlachtung noch Liebe und Respekt erfahren

Altenburg  Das Save Movement übt friedliche Protestaktion vor dem Schlachtzentrum in Altenburg aus.

Chemnitzer Tierrechtsorganisation hält friedliche Protestaktion vor Altenburger Schlachtbetrieb ab. Es geht den Aktivisten darum, dass die Tiere wenigstens kurz vor der Schlachtung einmal einen positiven Kontakt zu Menschen haben.

Chemnitzer Tierrechtsorganisation hält friedliche Protestaktion vor Altenburger Schlachtbetrieb ab. Es geht den Aktivisten darum, dass die Tiere wenigstens kurz vor der Schlachtung einmal einen positiven Kontakt zu Menschen haben.

Foto: Andreas Bayer

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„Unser Protest richtet sich gegen das System, nicht gegen Individuen. Wir sind für einen respektvollen Umgang mit allen Lebewesen“, sagt Marlene Buhk. Die Studentin aus Leipzig hat vor kurzem mit ihren Freunden Diana H. und Manuel Fischer eine Ortsgruppe des „Save Movement“ in Chemnitz gegründet. Die jüngste von inzwischen 24 Gruppen in Deutschland. Als erste öffentliche Aktion hielt das Trio nun eine Mahnwache vor dem Schlachtzentrum Altenburg ab.

Rund ein Dutzend Unterstützer sind gekommen, gemeinsam winken sie den Fahrern der Tiertransporte zu. Hält einer an, nähern sie sich vorsichtig den eingepferchten Tieren, streicheln und filmen sich dabei. Diese Filmschnipsel teilen sie über soziale Medien. Damit wollen sie anderen Menschen helfen, eine Verbindung zwischen den lebenden Tieren und dem Fleisch auf ihrem Teller herzustellen.

Die Tiere sollen „wenigstens kurz vor der Schlachtung noch Liebe und Respekt erfahren, der ihnen lebenslang versagt blieb“, sagt Lena Ella. Die Wienerin ist seit einem Jahr Vollzeitaktivistin und im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs, um neue Ortsgruppen des Save Movement mit ihrer Erfahrung zu unterstützen. „Mir ist wichtig, auch ein gutes Verhältnis zu den Fahrern aufzubauen“, betont Ella. Sie bietet den Fahrern Erfrischungsgetränke und Kaffee oder selbst gebackenen Kuchen an. Am Nachmittag fährt sie bereits weiter nach Ulm, um der dortigen Ortsgruppe zu helfen. Heute hat sie auch James Hoot als Begleiter mitgebracht.

Hoot stammt aus der Nähe der US-amerikanischen Hauptstadt Washington, D.C. und filmt alles mit. Er arbeitet an einer Dokumentation über die positiven Aspekte eines Lebens, das auf Tierprodukte verzichtet. Seine Dreharbeiten haben ihn in den letzten neun Monaten schon in 14 Länder geführt. Ermöglicht wurde ihm das durch Spenden, die er mit einer Crowd­fundingkampagne gesammelt hat. Im Frühling, so sein Plan, soll die Dokumentation bei Netflix veröffentlicht werden. Die Aufnahmen aus ­Altenburg könnten es auch in seinen Film schaffen.

Manuel Fischer weist derweil neu angekommene Unterstützer ein: „Versucht, euch auf ein Tier zu konzentrieren, verwendet kein Blitzlicht und filmt nicht nur, sondern baut auch ein Verhältnis zu dem Tier auf.“ Er lobt die Kooperationsbereitschaft der Betriebsleitung, die ihnen keine Steine in den Weg gelegt hätten. Er zeigt auch ein Video auf seinem Handy, das Schweine zeigt, die mit den Touristen am Strand der Bahamas schwimmen. „Der Hirte hatte seinen Schweinen immerhin Namen gegeben und sie gestreichelt. Abends haben aber dieselben Touristen, die vorher die Schweine gestreichelt haben, wie selbstverständlich Schweinewürste gegessen“, sagt Manuel kopfschüttelnd.

Im Altenburger Schlachtzentrum werden zu Spitzenzeiten bis zu 2000 Rinder und 18.000 Schweine wöchentlich getötet, zerlegt und weiterverarbeitet. Darum passieren auch nicht wenige Viehtransporter die kleine Mahnwache, doch die wenigsten halten an. Als doch mal ein Lkw-Zug mit Kühen hält, trauen sich viele Aktivisten nur zögerlich heran, die ­ demonstrative Fröhlichkeit ist schlagartig verflogen. Beklommenheit macht sich breit.

Für Julia und Aron ist es bereits die zweite Mahnwache. Julia sagt: „Vorletzte Woche war es wirklich schlimm, ich habe ganz viel geweint danach.“ Aron schildert: „Das hat runtergezogen, war aber auch ein intimer Moment, dem Schwein das Gesicht zu streicheln und ihm in die Augen zu sehen. Nach dem ersten Wagen habe ich Rotz und Wasser geheult. Tiere in ihrer Masse werden wie wertlose Ware behandelt, deswegen werde ich das auch wieder machen, obwohl ich eigentlich keine Lust habe, mir den Tag zu versauen.“

thesavemovement.org

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