Mertendorf in schweren Zeiten: "Sie müssten davon gehen"

Im 30-jährigen Krieg litten die Mertendorfer unter hohen Lasten und drohten damit, das Dorf zu verlassen.

Mertendorf - ein slawischer Rundling - gehört zur erfüllenden Gemeinde Eisenberg und liegt an der Straße von Frauenprießnitz in Richtung Trotz. Im 30-jährigen Krieg litten seine Einwohner unter hohen Lasten. Foto: Silvio Nimmler

Mertendorf - ein slawischer Rundling - gehört zur erfüllenden Gemeinde Eisenberg und liegt an der Straße von Frauenprießnitz in Richtung Trotz. Im 30-jährigen Krieg litten seine Einwohner unter hohen Lasten. Foto: Silvio Nimmler

Foto: zgt

Mertendorf. Wie auch die anderen Dörfer in der Gegend litt Mertendorf sehr unter den Übeln des Dreißigjährigen ­Krieges.

Auch wenn die Kriegswirren die Gegend des Tautenburger Amtsgebiets in den ersten Jahren weitgehend verschonten, werden bereits aus dem Steuerregister von 1628 die kriegs­bedingten wirtschaftlichen Schäden ersichtlich. In den Jahren 1625 und 1626 zogen Truppen durchs Land. Im Winter 1627/28 kamen Truppen des Reichsgrafen von Merode nach Mertendorf und lagerten wohl auch im Dorf. Sie plünderten und nahmen den Einwohnern auch ihr Vieh. Ihres Zugviehs beraubt, waren viele der Bauern nicht in der Lage, die Felder zu bestellen, so dass neben dem zunehmenden Nahrungsmangel auch der Samen für das nächste Jahr fehlte.

Im Sommer 1628 rückten die Krabaten (Kroaten) in die Gegend vor, die wiederum den Bauern die noch verbliebenen Nahrungsmittel und Tiere nahmen. Zudem mussten die Bauern trotz des eigenen Mangels Kriegskontributionen an Nahrung und Getreide liefern, welches sie sich borgen mussten und sich verschuldeten.

Hinzu kamen die Steuerforderungen des Schenken von Tautenburg, den sie um eine Herabsetzung der Steuern baten, was dieser in einem begrenzten Maß auch gewährte. So versuchte er, von den 290 Neuschock (60"Groschen) noch 250 Neuschock bezahlen zu lassen. Nach weiteren Jahren der Kriegswirren konnten 1640 allerdings nur noch zehn Neuschock eingenommen werden.

Bauern verweigerten Fronleistungen

Zusätzlich zu den eigenen Feldern mussten die Bauern jedoch auch weiterhin die herrschaft­lichen Flächen bestellen. Aufgrund der desolaten Situation der Bauern, verweigerten diese zunehmend die Fronleistungen, da sie eine Art Lebensbedrohung für die Mertendorfer und die Einwohner der Nachbar­dörfer bedeuteten.

So ist belegt, dass die Bauern von Mertendorf, Dothen, Poppendorf und Frauenprießnitz im März 1647 von Beamten der Herrschaft vorgeladen worden und diese klagten, die Spannfronen nicht erbringen zu können. So hätten "sie kein Futter, auch für sich undt die ihrigen nichts zu leben" und sie müssten ihre eigenen Felder bestellen, denn "wovon sollen sie dann leben undt das ihrige thun?" Sollte man sie dazu zwingen, "müßten sie davon gehen von den Hütten, wie wohl ungerne, weil sie alles dabey zugesetzt und viel Ungemachts ausgestanden".

Die Flucht der Bauern war für den Beamten als Herrschaftsverwalter jedoch die schlimmere Alternative, so dass er im Sinne der Bauern die Fronleistung deutlich reduzierte und sie diese nach der eigenen Arbeit ab­leisten ließ.

Ein Jahr später endete der ­30-jährige Krieg, er muss der Bevölkerung vorgekommen sein, als wolle er nie enden. Doch auch in den Folgejahren waren schwedische Soldaten in den tautenburgischen Dörfern eingelagert, so auch 1649 in Mertendorf. Dass die Wirtschaftsleistung der Bauern sich nur schleppend erholte, zeigt auch, dass noch im Jahr 1651 nur etwa ein Drittel der Landsteuer ein­genommen werden konnte.

Zu den Kommentaren