Mertendorfer putzen ihr Dorf heraus

Mertendorf  Neben der Tradition des Maibaumstellens gibt es in Mertendorf eine zweite, die nicht ganz so alt ist: der Großputz vor dem Stellen. Wenige Tage vor dem Dorffest packen dazu fast alle im Ort mit an.

Paula wird im Sommer zwei Jahre alt und hilft beim Frühjahrsarbeitseinsatz mit. Foto: Julia Schäfer

Paula wird im Sommer zwei Jahre alt und hilft beim Frühjahrsarbeitseinsatz mit. Foto: Julia Schäfer

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Fast das ganze Dorf packte diesmal wieder mit an: Die Helfer rupften Unkraut aus, harkten die Beete, verteilten Rindenmulch in den Rabatten. „Das ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass wir hier dabei sind“, erklärt Anke Schäfer. Gemeinsam mit anderen Frauen aus dem Dorf harkte sie die Beete auf dem Dorfanger.

Auch das Kriegerdenkmal, das vor wenigen Monaten neu hergerichtet wurde, bepflanzten die Frauen mit Frühjahrsblühern.

Es ist schon fast zu einer Tradition geworden, die sich mit dem Maibaumsetzen messen kann: Jedes Jahr, kurz bevor der alte Maibaum fällt, werden auch die Beete, Straßen und Plätze in Mertendorf hergerichtet. Diesmal ist der Aufwand etwas größer, weil auch neuer Rindenmulch verteilt wird. „Das mit dem Mulch machen wir alle zwei Jahre“, erläutert Bürgermeister Erhard Treffer. Auch der Sand auf dem Spielplatz in der Dorfmitte werde nicht jedes Jahr ausgewechselt. „Das haben wir letztes Jahr gemacht“, sagt Anke Schäfer. „Der sieht noch ganz gut aus.“

Die ersten Helfer waren schon nachmittags mit Harke, Schaufel und Eimer unterwegs. Nach und nach kamen immer mehr Einwohner des kleinen Ortes zusammen und beteiligten sich am Arbeitseinsatz. Die schweren Schubkarren mit dem Rindenmulch fuhren die Männer um Uwe Grünewald und Mario Liersch zu den entfernteren Beeten. „Es machen eigentlich immer fast alle mit“, erklärte Treffer. „Das ist auch gut so, denn es ist ja auch ziemlich viel zu tun.“

Dorf zeigt sich von seiner schönsten Seite

Schließlich soll sich zum Maibaumsetzen am Sonnabend, 15. Mai, das Dorf von seiner schönsten Seite zeigen. Das Maibaumsetzen hat zwar in Mertendorf eine lange Tradition, auf dem Anger steht der Baum aber erst seit der Jahrhundertwende. „Erst seitdem der Anger fertig ist, setzen wir den Maibaum hier“, sagte Treffer. Der Anger und die Straßen im Dorf wurden in den Jahren 1999 bis 2001 ausgebaut. „Vorher stand unser Maibaum immer am Sozialgebäude des ehemaligen Volkseignen Guts.“

Heute um 18 Uhr fällt der alte Maibaum. Am Donnerstag wird schon auf dem Anger Himmelfahrt gefeiert, der Bierwagen für das Maibaumstellen ist dann schon aufgebaut.

Am Freitag fahren ein paar Mitglieder der Maibaumgesellschaft in den Wald, um einen neuen Baum auszusuchen. „Das geht nicht ohne lange Diskussionen, weil dabei jeder einen anderen Baum im Blick hat, der für ihn der schönste ist“, sagt Erhard Treffer lachend. Das sei bisher in jedem Jahr so gewesen. Nach einem nicht ganz ernsthaften Streit wähle man dann als Kompromiss einen ganz anderen Baum aus, der bis dahin gar nicht zur Diskussion stand.

Vorsitzender der Mertendorfer Maibaumgesellschaft ist Erhard Treffers Sohn Frank. Er erklärt, dass die Ursprünge des Vereins im Jahr 1936 liegen. Damals fuhr Paul Schöppe mit dem Pferdefuhrwerk nach Mertendorf, um den Maibaum zu setzen, woraus sich eine mittlerweile fast 80-jährige Tradition im Ort entwickelte. Im Zweiten Weltkrieg und auch in den Jahren danach ruhte die Tradition.

In den 70er-Jahren habe die Feuerwehr das Maibaumsetzen wieder aktiviert, woraus später die heutige Maibaumgesellschaft hervorging. Heute zählt der Verein etwa 40 aktive Mitglieder – ein Viertel der Dorfbevölkerung. Das jüngste Mitglied ist eineinhalb, das älteste 85 Jahre alt. Die Maibaumgesellschaft setzt den Maibaum, richtet Straßen- und Lindenfest aus und organisiert einen Weihnachtsmarkt.

Immer schon ein großes Ereignis im Dorf

Gerhard Steinmark, mit 85 Jahren der älteste Einwohner Mertendorfs, wollte bei der Verschönerungsaktion auch helfen und kam auf den Dorfanger. „Die haben mich aber wieder weggeschickt“, sagte der gebürtige Mertendorfer. Beim Maibaumsetzen am Wochenende wird er aber wie in den Vorjahren wieder dabei sein. „Das war immer schon ein großes Ereignis im Dorf“, erinnert er sich.

Früher sei der Maibaum nicht mit dem Traktor, sondern mit Pferden ins Dorf gebracht worden. Er erinnert sich auch noch daran, dass früher – wann genau weiß er allerdings nicht mehr – Mertendorf nur alle drei Jahre einen eigenen Maibaum gestellt habe. Mit Rockau und Wetzdorf habe sich das Dorf damals abgewechselt.

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