Mittelalterliche Brunnenanlage in Rudolstadt entdeckt

Es wurden interessante Grabungsfunde auf der künftigen Baufläche in der Töpfergasse gemacht. Fragmente von Vorratsgefäßen aus dem 14. und 15. Jahrhundert geben vermutlich Aufschluss über die Besiedelung im Mittelalter.

Christian Tannhäuser zeigt auf den Boden des mittelalterlichen Kellergewölbes.  Foto: Heike Enzian

Christian Tannhäuser zeigt auf den Boden des mittelalterlichen Kellergewölbes. Foto: Heike Enzian

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Rudolstadt. Erst sah es ganz danach aus, als würden die Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie und Denkmalschutz bei den Grabungen auf der Fläche des ehemaligen Parkplatzes in der Rudolstädter Töpfergasse auf genau das stoßen, was hier vermutet wird: Fragmente von Vorratsgefäßen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die auf eine Besiedlung des Areals im Mittelalter schließen lassen. Dann aber gab es doch zwei Überraschungen.

"Wir sind bei den Grabungen auf einen zunächst unklaren Befund gestoßen, einen großen gemauerten Ring mit Lehm- und Kiesschichten. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Brunnenanlage aus dem 14. Jahrhundert handelt", erklärt Grabungsleiter Christian Tannhäuser. Wir haben in zwei Meter Tiefe ein Brunnenrohr entdeckt. Um den Brunnen anzulegen, musste eine Grube von einem Durchmesser von rund fünf Metern angelegt werden, um dann einen Brunnen mit einem Durchmesser von etwa einem Meter zu bauen. Einen Brunnen in diesem Ausmaß baut man nicht für nur eine Familie", zieht er Schlussfolgerungen über eine mögliche Besiedlung. "So etwas findet man nicht alle Tage", macht er auf die Besonderheit aufmerksam.

Besonders ist auch ein zweiter Fund. "Wir sind außerdem auf die Reste einer engen gemauerten Kellergrube gestoßen, in der sich Keramikteile aus dem 14. Jahrhundert befanden", so der Grabungsleiter. In dieser etwa 1,5 mal 1,5 Meter großen Grube lag zudem Schutt mit Brandresten eines offenbar darüber befindlichen Fachwerkhauses. "Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass hier im Mittelalter ein Fachwerkhaus gestanden hat. Ob es sich um ein Wohnhaus oder ein Wirtschaftsgebäude handelt, wissen wir nicht", sagte er.

Heute soll entschieden werden, wie lange die Experten das Grundstück noch in Beschlag nehmen dürfen. Die Ruwo plant hier den Bau von 24 Wohnungen. Am Dienstag, dem 26. Juni, wird zu einer Führung eingeladen, bei der die Grabungsfläche und die Funde vorgestellt werden. Treffpunkt ist 17 Uhr in der Töpfergasse.

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