Neuanfang auf dem Rudolstädter Marienturm

Der neu gegründete Verein der marienturmfreunde erlebte am Wochenende großen Zuspruch beim Marienturmfest. Eine Gedenkmünze aus Porzellan erinnert an das 125-jährige Jubiläum des Bauwerkes oberhalb von Cumbach. Ein Teil des Verkaufserlöses fließt in die Kasse zum Wiederaufbau des Turmes.

Peter Weinert (rechts), Beisitzer im neu gegründeten Verein der Marienturmfreunde, zeigt Dieter Reinhard die originale Bronzemedaille anlässlich der Erbauung des Marienturmes im Jahr 1886.  Foto: Heike Enzian

Peter Weinert (rechts), Beisitzer im neu gegründeten Verein der Marienturmfreunde, zeigt Dieter Reinhard die originale Bronzemedaille anlässlich der Erbauung des Marienturmes im Jahr 1886. Foto: Heike Enzian

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Rudolstadt. Rund 5000 Rudolstädter versammelten sich am 15. August 1886, einem Samstag, an der Stadtbrücke. Angeführt von der städtischen Musikkapelle, setzte sich der Zug unter Führung von Bürgermeister Paul in Bewegung in Richtung neuer Marienturm, dessen Einweihung an diesem Tag gefeiert werden sollte. Oben angekommen, gab es zunächst viele feierliche Reden, Böllerschüsse aus Kanonen, Tanz und Spiel.

Am Wochenende feierten zwar nicht ganz so viele Rudolstädter und Gäste den 125. Jahrestag der Eröffnung des Turmes, feierlich ging es aber dennoch zu. Dabei konnte sich der neu gegründete Verein der Marienturmfreunde über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Am Sonntagvormittag waren etwa 80 Besucher gekommen, um Gottesdienst und Dixieland-Frühschoppen zu erleben.

Mehr als 200 Besucher hatten schon am frühen Nachmittag die 54 Stufen im Inneren des Turmes bestiegen, um dann die herrliche Aussicht zu genießen. Damit der Turm für Besucher geöffnet werden kann, hatten die Vereinsmitglieder im Vorfeld gewirkt und beispielsweise einen neuen Handlauf angebracht bzw. Ausbesserungsarbeiten ausgeführt. Fotos dokumentierten die Turm-Geschichte. "Schön, dass es wieder weiter geht hier oben", lobte Helmut Kercher das Engagement der Marienturmfreunde um Lutz Schmidt. Besonders begehrt war ein Blick auf die originale Bonzemedaille anlässlich der Erbauung des Turmes 1886. "Die haben meine Großeltern gerettet, die hier von 1934 bis in die 1940er Jahre den Turm bewirtschaftet haben", berichtet Peter Weinert, der Rudolstadt in den 1950er Jahren gen Bayern verlassen hatte, nun aber schon wieder mehrere Jahre hier lebt und als Beisitzer in dem jungen Verein mitwirkt.

Den ganzen Nachmittag über herrschte reger Betrieb auf dem Gelände um den Turm. Für Unterhaltung sorgten unter anderem das Mandolinenorchester sowie Chöre aus Schaala und Kamsdorf.

Bereits am Sonnabend wurde mit einer Festveranstaltung das Turmjubiläum gefeiert. Der Erste Beigeordnete Georg Eger erinnerte in seiner Festansprache an den Erbauer, den Brauereibesitzer Carl Konstantin Becker, der den Turm damals seiner Frau Maria widmete und der deshalb den Namen "Marienturm" erhielt. Eger berichtete über die wechselvolle Geschichte des Bauwerkes, das von 1961 bis 1990 den Umsetzer für den DDR-Fernsehkanal acht trug, der sein Programm ins Saaletal ausstrahlte. Gunther Linke präsentierte als Anton Sommer Mundartgedichte.

Nach der Wende leistete ein Verein Pionierarbeit bei der Restaurierung des alten Turms. Der Verein hatte leider keinen Bestand, nun haben sich Enthusiasten unter Führung des Vereinsvorsitzenden Lutz Schmidt und seines Vize Jörg Reinhardt daran gemacht, die alte Tradition neu zu beleben. Mit dem Fest am Wochenende gelang ein vielversprechender Anfang. "Wir sind glücklich, ein Anfang ist gemacht, wir werden alles dransetzen, die Tradition hoch zu halten und den Turm für die Rudolstädter wieder zu dem Anziehungspunkt zu machen, der er einst war", fasste Peter Weinert die herrschende Aufbruchsstimmung zusammen.

Zur Unterstützung des Vereins hat dieser eigens zum Jubiläum eine Gedenkmünze aus Porzellan herausgegeben, die nach dem Original aus Bronze, das 1886 zur Gründung erschien, in der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur abgeformt wurde. Die Münze ist in limitierter Auflage von 200 Stück erschienen und kostet 17 Euro, von denen drei Euro in die Kasse zum Wiederaufbau des Turmes fließen.

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