Neuer Leiter der Brehm-Gedenkstätte: "Einmal frisch malern reicht nicht!"

Prof. Dr. Jochen Süß (65), der neue Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf, über seine Beweggründe, die noch vor kurzem von Schließung bedrohte Einrichtung in eine neue Zukunft zu führen.

Prof. Dr. Jochen Süß, seit 1. September 2012 Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf.

Prof. Dr. Jochen Süß, seit 1. September 2012 Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf.

Foto: zgt

Herr Professor Süß, Sie sind seit 1. September Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf. Was hat Sie als Pensionär bewogen, ein marodes Museum leiten?

Ich bin studierter Biologe und durch mein Amt als Bürgermeister von Lippersdorf-Erdmannsdorf auch ein Kommunalpolitiker, der gern etwas bewegen will für die Region. Parallel dazu habe ich eine denkmalpflegerische Ader entwickelt. All diese Erfahrungen kann ich hier einbringen.

Sie waren bis Ende Juni Leiter des Nationalen Referenzlabors für durch Zecken übertragende Krankheiten beim Loeffler-Institut in Jena...

...und musste die Anstellung als Wissenschaftler altersbedingt aufgeben. Als Bundesbeamter gibt es keine Möglichkeit, länger zu arbeiten, wenn man das Pensionsalter erreicht hat. Ich bin aber der Meinung, dass ich viele freie Kapazitäten habe. Deshalb habe ich mich um die Stelle beworben.

Mit einer Arbeitszeit von zehn Stunden die Woche ist diese ja passgenau auf Sie zugeschnitten...

Meines Wissens nach gab es mehrere Bewerber. An der Personalentscheidung war ich nicht beteiligt. Da müssen Sie schon den Chef des Zweckverbandes Brehm-Gedenkstätte, Volker Bauer, fragen, warum die Wahl auf mich fiel. Und: Mit zehn Stunden pro Woche wird es nicht getan sein.

Sie wollen unentgeltlich Zeit in die Neuausrichtung der Gedenkstätte investieren?

Das wird nicht anders gehen, wenn man das Projekt Brehm langfristig auf sichere Beine stellen will.

Als Sie das Brehm-Haus in Augenschein nahmen, was haben Sie da gedacht?

Ich bin am vergangenen Sonnabend leicht schockiert wieder nach Hause gefahren. Allein der bauliche Zustand des Hauses ist eine Herausforderung: Rissbildungen, der Zustand der alten Fenster und andere Mängel zum Beispiel an den elektrischen Leitungen müssen so rasch wie möglich behoben werden.

Woher wollen Sie das Geld nehmen? Mit dem mageren Etat, das der Zweckverband als Träger zur Verfügung hat, können Sie gerade einmal ein paar Nägel kaufen.

Wir müssen Schritt für Schritt vorangehen. Einmal frisch malern, das reicht nicht. Wer erwartet, dass es in ein oder zwei Jahren eine völlig andere Brehm-Gedenkstätte geben wird, der liegt falsch. Was ich jetzt erst einmal angehen werde, das sind Gespräche mit Institutionen, mit Verbänden und der Politik in Thüringen. Wir müssen Geldquellen erschließen, Sponsoren und Mitstreiter finden, sonst wird das alles nichts.

Die Ausstellung über die Brehms ist ja auch nicht mehr sonderlich aktuell...

Das stimmt, aber das hat derzeit nicht die oberste Priorität. Zuallererst brauchen wir im Haus eine technische Grundausstattung: Ohne moderne Kommunikation geht nichts. Der Internetauftritt muss überarbeitet werden, die Arbeit der Gedenkstätte von der des Förderkreises entflochten werden. Ich schätze die Zusammenarbeit mit dem Förderkreis sehr, aber es muss auf der Homepage klar ersichtlich werden, dass die Arbeit des Trägervereins und die des Förderkreises verschiedene Dinge sind. Dann sind die nächsten Schritte dran.

Die da wären?

Die Brehms in Renthendorf nur auf einen Memorialcenter zu beschränken, ist auf Dauer zu wenig. Als Wissenschaftler werde ich darum kämpfen, dass wissenschaftliche Arbeit hier Einzug hält. Der Schwerpunkt sollte im Bereich der modernen Ökologie und der Verbreitung der Arten liegen. Der Vogelpastor Brehm hat mit seiner Arbeit bereits eine breite Basis gelegt.

Was ist mit der Ausstellung, die über das Leben und Wirken der Brehms informiert?

Hier brauchen wir ebenfalls eine Konzeption, die in die Zukunft reicht. Ich hoffe, dass es uns in den nächsten ein oder zwei Jahren gelingt, über Museumspädagogen ein eigenständiges methodisch-didaktisches Konzept für das Brehm-Haus zu entwickeln.

Ein Teil der Brehm-Sammlung befindet sich im New York Museum. Sehen Sie Möglichkeiten einer Kooperation?

Die Brehms sind eine Perle, die man nur putzen muss, damit sie international wieder wahrgenommen wird. Wir fangen gerade damit an.

Gespräch: Frank Kalla

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