Obergeißen: Heimatforscher Dr. Frank Reinhold ist tot

Der Obergeißendorfer, der im Juni einen schweren Autounfall auf der B92 an der Fortuna hatte, ist am Wochenende gestorben. Dr. Reinhold hat auch OTZ-Serien betreut

Obergeißendorf. "Fassungslos" war Undine Hohmuth, Chefin des inzwischen eingestellten "Heimatbote" , als sie vom Tod Reinholds hörte. "Er war 30 Jahre Autor des Heimatboten", erzählt die Greizerin, die den 60-Jährigen als "ganz bescheidenen, hochintelligenten, hilfsbereiten, lieben Mensch" erlebt hat.

"Das ist ein großer Verlust", sagt Jens Beger vom Thüringischen Staatsarchiv Greiz, in dem Reinhold häufig seine Forschungen betrieben hat. Beger weiß, dass sich der Obergeißendorfer u. a. als Namens- und Familienforscher, als Sprachwissenschaftler und Heimatforscher einen Namen gemacht hat. Der Archivar erinnert an die Umtriebigkeit von Reinhold, der in Vereinen etwa in Plauen, Hohenleuben und Greiz aktiv war, sein Wissen gern weitergegeben hat. Gearbeitet hat der Ostthüringer auch an der Uni Jena, beschäftigte sich mit dem Thüringischen Wörterbuch.

Ansprechpartner für viele Forscherkollegen

"Er hat für seine Forschungen gelebt", bescheinigt Christian Espig dem Verstorbenen. Espig arbeitet im Vogtland-Archiv Oelsnitz. Espig erinnert sich, dass Reinhold immer "zig Sachen gemacht hat - für sich und Zuarbeiten für andere. Er hat uns an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben lassen". Christian Espig weiß, dass Frank Reinhold sehr bekannt war, u. a. durch die OTZ, für die er in jüngster Vergangenheit Sagen- und Ortsnamenserie betreute. Auch die Mundartdichtung hat der Obergeißendorfer gepflegt. "Er ist unersetzbar", so der Archivar. Als "ganz großen menschlichen Verlust", bezeichnet Christian Sobeck den Tod von Frank Reinhold, den er als "sehr sympathischen Kollegen" kennengelernt hat. Der Zeulenrodaer Stadtarchivar schätzt die wissenschaftlichen Publikationen von Reinhold, besonders groß sei der Verlust für die Forschung auf den Gebieten der vogtländischen und reußischen Landesgeschichte sowie der Namenskunde.

Friedrich Wilhelm Trebge wusste zwar, dass es um seinen Freund nach dem Unfall schlecht stand. Dennoch hat ihn die Nachricht von Reinholds Tod sehr erschüttert. "Er war einer der profiliertesten Heimatforscher im Ostthüringer Raum", findet Trebge, der im Vogtländischen Altertumsforschenden Verein ist. An dessen Wiederbelebung nach der Wende war Reinhold maßgeblich beteiligt und er war lange im Vorstand. Reinhold sei für viele Forscher Ansprechpartner gewesen, "wenn es eine Frage gab, wandte man sich an ihn", so Trebge, der es sehr gut fand, dass sein Freund mundartliche Texte verfasst hat.

Wie vielfältig Reinholds Aktivitäten waren, macht Manfred Dreiss vom Verlag Degener und Co. in Insingen deutlich. "Herr Dr. Reinhold war seit Januar 2010 Schriftleiter der Zeitschrift ‚Familie und Geschichte. Hefte für Familienforschung im sächsisch-thüringischen Raum‘. Ihm oblag die Auswahl der Manuskripte, die redaktionelle Bearbeitung und Zusammenstellung für die vierteljährlich erscheinenden Hefte", so Dreiss.

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