Oberpfälzer ist Chef im Kehrbezirk „SHK 003“

Bürgel  Matthias Schupfner löste zum 1. Oktober 2016 Frank Schwabe als Bezirksschornsteinfegermeister für die Stadt Bürgel und ihre Ortsteile ab.

Matthias Schupfner ist der neue Bezirksschornsteinfegermeister von Bürgel– oder besser gesagt, „der Essenkehrer“, wie man in der Region auch sagt. Foto: Ute Flamich

Matthias Schupfner ist der neue Bezirksschornsteinfegermeister von Bürgel– oder besser gesagt, „der Essenkehrer“, wie man in der Region auch sagt. Foto: Ute Flamich

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Nicht in unhöflichem Ton, dafür mit viel Interesse, ist Matthias Schupfner in den vergangenen Wochen eine Frage sehr oft gestellt worden: „Was willst denn du bei uns?“ Seine Antwort darauf habe stets ungefähr so gelautet: „Ich wollte unbedingt einen eigenen Kehr­bezirk. Tja, und die Verkehrsan­bindung nach Bürgel ist super!“

Eigentlich wollte er Bauzeichner werden

Matthias Schupfner ist Oberpfälzer. Das kleine Örtchen Pilmersreuth am Wald – ein Ortsteil der Kreisstadt Tirschenreuth im gleichnamigen Landkreis – ist seine Heimat. Die hat der Bayer nun vorerst und zeitweise ver­lassen. Denn seit dem 1. Ok­tober vergangenen Jahres ist der 40-Jährige vom Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfegermeister für die Stadt Bürgel und ihre Ortsteile sowie für Graitschen, Poxdorf und Nausnitz bestellt worden. Schupfner löst damit seinen Vorgänger Frank Schwabe ab und ist jetzt „Chef“ im Kehr­bezirk „SHK 003“.

Seine Bestellung gilt vorerst für sieben Jahre. In 40 Ortschaften der Region und circa 2700 Haushalten ist er nun unter anderem zuständig für die Feuerstättenschau, die Abnahme von Feuerstätten und für Fragen rund ums Thema Energieein­sparungsverordnung. Ihm zur Seite steht Maik Reisenweber, der seit Oktober 2016 im Kehrbezirk arbeitet.

Schornsteinfeger – oder Kaminkehrer, wie man in der Oberpfalz sagt – wollte er eigentlich gar nicht werden. Bauzeichner sei sein Berufswunsch gewesen. Allerdings habe er sich nach der Schule recht spät um eine Ausbildung in diesem Bereich beworben. „Und ich habe nur Absagen bekommen. Dann habe ich mit meinem Papa vereinbart, dass, wenn ich bis Mai, das war im Jahr 1992, noch keine Zusage für eine Ausbildung als Bauzeichner habe, ich eine Lehre als Schornsteinfeger anfange.“ Einige Zeit später saßen Matthias Schupfner und sein Vater beim Kaminkehrer. „Mein Vater und mein zukünftiger Ausbilder kannten sich. Sie redeten vielleicht zwei Stunden miteinander. Schließlich wurde ein einziger Satz an mich ge­richtet: ‚Also, am 1. August, da kummst!“

So kam er am 1. August 1992 und begann seine dreijährige Ausbildung zum Schornstein­feger. Einige Zeit habe es gedauert, bis er sich an die Tätigkeiten gewöhnt habe. „Ich war zwar sportlich, aber das ganze Rauf- und Runterrennen war echt anstrengend. Wenn ich nach Hause kam, war ich immer total platt und habe mich erst einmal hingelegt. Mit der Zeit ist es besser geworden, und mir hat die Ausbildung mehr Spaß gemacht.“

Nachdem Matthias Schupfner seine Lehre beendet hatte, war er 13 Monate lang Zivildienstleistender in einem Altersheim. Als Hausmeister half er dort vielerorts aus. Danach sei er in seinen erlernten Beruf zurückgegangen, sei in verschiedenen Kehrbezirken tätig gewesen. Im Jahr 2002 begann er seine Weiterbildung zum Meister. 2006 hatte er den Titel in der Tasche. Weitere Fort- und Ausbildungen folgten, so dass er unter anderem als Energieberater auftreten kann und sachkundig im Umgang mit Asbest ist.

Großer Wunsch nach eigenem Kehrbezirk

Im Laufe der Zeit verspürte der Oberpfälzer immer mehr den Wunsch nach einem eigenen Kehrbezirk. „Ich wollte nicht mehr als Angestellter arbeiten und habe mich einige Male in Bayern als Bezirksschornsteinfegermeister beworben. Leider habe ich nie einen Zuschlag erhalten.“

So waren sich seine Lebensgefährtin und er einig, dass es Zeit ist, „über den Tellerrand“ hinauszuschauen. „Ich bin da ehrlich. Das hieß für mich zunächst, nach Kehrbezirken in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zu schauen. Weil ich dort nichts fand, ‚wagte‘ ich es, nach Sachsen zu schauen. Über das sächsische Vogtland, was tatsächlich ja gar nicht weit weg von mir ist, wo aber auch kein Kehrbezirk frei war, bin ich schließlich auf die Ausschreibung für den Kehr­bereich SHK 003 gestoßen.“

Bisher 500 Haushalte in der Region besucht

Am 18. September 2016 habe er die Bestellung für den Bezirk SHK 003 erhalten. Dann musste alles ganz schnell gehen und organisiert werden. Dabei habe er große Unterstützung von einem Existenzgründer gehabt. Eine kleine Wohnung in Bürgel habe er über das Internet gefunden und konnte diese zum 1. Oktober 2016 beziehen. Etwa 500 Haushalte habe er bisher in seinem Zuständigkeitsbereich besucht – nun als Chef und nicht mehr als Mitarbeiter, wie er betont.

„Ich muss wirklich sagen, dass die Eingewöhnungsphase gar nicht so tragisch war. Ich bin super gut und herzlich von den Leuten hier aufgenommen worden. Da sind wir Bayern weitaus verschlossener. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei Frank Schwabe für seine Einführung, bei Mario Serfling für seine Unterstützung, Hilfe und Geduld sowie bei den zuständigen Behörden wie dem Landratsamt des Saale-Holzland-Kreises, dem Landesverwaltungsamt Weimar und der Innung Thüringen bedanken.“

An den Wochenenden fährt Matthias Schupfner nach Hause zu seiner Lebensgefährtin und seinem 17 Monate alten Söhnchen. So, wie es jetzt aussieht, werde die Oberpfalz nicht nur seine Heimat, sondern lang­fristig auch sein Zuhause bleiben. „Meine Lebensgefährtin hat einen Bauernhof mit Feldern und Wiesen dazu, die verpachtet sind. Das gibt man natürlich nicht so leicht auf“, sagt er.

In seiner Freizeit treibt der Bayer gern Sport. Allerdings ­habe er derzeit nicht viel freie Zeit, weswegen es momentan beim Sportschauen im Fernsehen bleibe. „Ich bin fußballverrückt und der FC Bayern München ist mein Lieblingsverein“, sagt er, schmunzelt und ergänzt: „Mein Papa und mein Bruder sind FCB-Fans, da konnte ich ja auch nur einer werden.“

- ZUR SACHE: Zuständigkeitsbereich

Zum Kehrbezirk des Bezirksschornsteinfegermeisters für die Stadt Bürgel, ihre Ortsteile und Graitschen, Poxdorf und Nausnitz gehören folgende 40 Orte: Bürgel, Hohendorf, Göritzberg, Nischwitz, Rauschwitz, Schmörschwitz, Karsdorfberg, Pretschwitz, Mertendorf, Schkölen, Rockau, Wetzdorf, Poppendorf, Grabsdorf, Graitschen auf der Höhe, Rodigast, Lucka, Taupadel, Nausnitz, Graitschen bei Bürgel, Poxdorf, Kleinlöbichau, Jenalöbnitz, Löberschütz, Bobeck, Waldeck, Schöngleina, Scheiditz, Mennewitz, Gniebsdorf, Thalbürgel, Ilmsdorf, Beulbar, Gerega, Droschka, Hetzdorf, Trotz, Serba, Klengel und Hainspitz.

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