OTZ-Serie „Wir sind Heimat“: Thränitzer erforscht nicht nur seine Familiengeschichte

Thränitz  Werner Roth ist seit 40 Jahren Hobby-Genealoge und stellt die Ergebnisse seiner Ahnenforschungen ins Internet.

Im Garten und beim Spaziergehen mit dem Hund findet Werner Roth Entspannung von seinen Recherchen.

Foto: Dietmar Opitz

Nein, in die Wiege gelegt hat ihm dieses Hobby keiner. Oder vielleicht doch? Er war freilich der Erste in seiner Familie, den die Ahnenforschung gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Beim Betrachten vergilbter alter Familienfotos hätte er so gern gewusst, wer da zu sehen ist. Ohne Notiz auf der Rückseite waren sie für ihn wertlos. Er wollte unbedingt etwas über seine Wurzeln in Erfahrung bringen. Doch Vater und Großeltern waren so früh verstorben, dass er sie nicht mehr fragen konnte, und die Mutter stammte aus Heydekrug in Ostpreußen und konnte ihm keine Auskunft geben.

Also begann er, selbst nachzuforschen – und hat damit an der Ingenieurschule in Jena auch seinen Freund Martin angesteckt...

Digitalisierung erleichtert seine Arbeit

Welche Ausmaße diese Suche annehmen würde, konnte Werner Roth damals nicht ahnen, auch nicht, welche Schwierigkeiten ihn herausfordern würden und wie viel Zeit das alles braucht.

Doch bereut hat er nichts: „Es ist mir gelungen, 400 Jahre Familiengeschichte aufzuspüren und zusammenzutragen. Das war anfangs sehr schwierig, weil meine Vorfahren nicht nur aus dem Vogtland, sondern auch aus Baden-Württemberg und Bayern stammten. Also brauchte ich Kontakte, die das für mich recherchierten, was mir nicht möglich war. Dafür habe mich mit Recherchen hier vor Ort revanchiert.“

Als er nach der Wende selbst in die Archive reisen konnte, wurde es leichter und seit der Digitalisierung der Quellen kann er seine Nachforschungen ganz bequem im heimischen Arbeitszimmer in Thränitz im Internet anstellen.

Trotz aller Erfahrung und Routine: Gelegentlich findet er es immer noch schwierig, Jahrhunderte alte Handschriften zu entziffern und Einträge zu interpretieren. Früher konnte ihm da Frank Reinhold weiterhelfen, der deutschlandweit anerkannte und geschätzte Geschichts- und Namensforscher aus Obergeißendorf, an den er sich voller Dankbarkeit erinnert. Der Experte hatte ihm oft mit Rat und Tat zur Seite gestanden. „Familienforschung ist eine komplizierte Sache. Unsicherheiten und Zweifel werden üblicherweise in den Ahnenlisten kenntlich gemacht. Doch selbst wenn bloße Vermutungen als solche gekennzeichnet sind, jede Vermutung ist möglicherweise ein Fehler mehr“ sagt Werner Roth nachdenklich.

Werner Roth haben die genealogischen Forschungen auch verlässliche Hinweise auf die Berufe seiner Ahnen gegeben. Viele von ihnen waren Müller, Bierbrauer und Gastwirte.

Die erste sichere Spur seiner Vorfahren findet sich 1594 in Satteldorf/Crailsheim, wo der Wirt und Gastgeber Georg Roth mit seiner Frau Catharina als Taufpate eingetragen ist. Die Eheleute waren offenbar gern gefragte Paten, denn sie standen bis 1602 regelmäßig am Taufstein der dortigen Nikolauskirche.

Auch wenn es durch die Digitalisierung leichter geworden ist, die Ahnenforschung bleibt ein zeitaufwändiges Hobby und entpuppt sich nicht selten als Lebensaufgabe. Werner Roth geht das nicht anders. Haus, Hof, Garten, Teich und der Hund bestimmen sein tägliches Pensum. Und wenn die Enkelkinder kommen, bleibt für die Arbeit am Computer ohnehin kaum Zeit. Doch in der dunkleren Jahreszeit kann er dessen Anziehungskraft nicht mehr widerstehen, zumal es von Angeboten zur Recherche dann nur so wimmelt. Auch er hat seine Ergebnisse ins Netz gestellt, unter der Adresse www.ahnen-roth.de , damit seine intensive Arbeit nicht umsonst war.

Weil Werner Roth seit 30 Jahren in Thränitz lebt und sich hier wohlfühlt, wollte auch er dem dörflichen Geraer Ortsteil etwas Gutes tun. Also hat er eine zusätzliche Website aufgebaut. Unter der Adresse „Thränitz ein Ortsteil von Gera in Thüringen“ stellt er höchst interessante Informationen zur Verfügung, die den Rahmen der offiziellen Seite sprengen würden. Geschichtsfreunde werden die Chronik zu schätzen wissen – und Naturfreunde die Wandervorschläge und die Erinnerung an die ehemaligen Mühlen am Gessenbach.

Rittergut genießt Aufmerksamkeit

Seine Leidenschaft für die Familienforschung beschränkt sich schon lange nicht mehr auf die eigene Familie. Akribisch hat er auch das Thema „Erbbegräbnisse im Vogtland“ ( www.erbbegraebnis.de ) erforscht. Dass er dabei dem Rittergut Endschütz besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat, ist der Familie von Wolffersdorff zu verdanken, die bis ins späte 19. Jahrhundert im Besitz des Gutes war und auch heute noch reges Interesse an der Entwicklung der Region zeigt.

Die Ergebnisse der Ahnenrecherche: www.ahnen-roth.de

Beschaulicher Ortsteil in malerischer Lage

• Thränitz, das zusammen mit Collis und Stern etwa 400 Einwohner hat, ist seit 1994 ein Ortsteil von Gera. Motor des gesellschaftlichen Lebens sind Kultur- und Freizeitverein sowie die freiwillige Feuerwehr.

• Der Ort war früher dem Rittergut Kaimberg lehnspflichtig. Um 1560 begannen einige Bauern, ihrem Lehnsherrn den Frondienst zu verweigern, doch der große Prozess mit 24 Klageschriften zwei Jahre später hat ihre Situation kaum verbessert.

• Thränitz war einer der ältesten Schulorte der Gegend. Die 1794 gebaute, mit Stroh gedeckte Schule war auf 500 Gulden versichert. Das Schulgebäude dient heute als Kindergarten.

• Die Wetterfahne auf dem Turm der schönen Dorfkirche weist auf die Weihe im Jahr 1238 hin. In der Urkunde findet sich auch die älteste Erwähnung des Ortes. Die Glocken stammen von 1462 und 1501. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden Kirchenschiff und Dach baulich verändert und das Kircheninnere erhielt 1952 sein heutiges Aussehen. Von 2000 bis 2004 wurde die Kirche grundlegend saniert.

• Die reizvolle Umgebung mit dem nahen Gessenbachtal lädt zum Wandern ein, etwa zum Hünengrab auf dem Collisberg, zur Naulitzer Schanze oder zum Ferberturm.

Mehr zu Thränitz unter: www. thraenitz.de

OTZ-Serie:Wir sind Heimat

In unserer Serie „Wir sind Heimat“ stellen wir Menschen und ihre Hobbys aus Dörfern und kleinen Ortsteilen der Städte in Ostthüringen vor.

Zugleich präsentieren wir wissenswerte Fakten aus den Dörfern, um die Vielfalt des ländlichen Raumes in Thüringen zu zeigen. Haben Sie ein spannendes Hobby, leben in einem Ostthüringer Dorf oder einem kleinen Ortsteil einer Stadt?

Dann melden Sie sich bei uns entweder per E-Mail an reporter@otz.de oder per Post an die OTZ-Redaktion, Bahnhofstraße 18, 07545 Gera.

Thomas Bösewetter aus Münchenbernsdorf kalligraphiert die vier Evangelien

OTZ-Serie „Wir sind Heimat“: Sechs Jahrzehnte Taubenzucht aus Leidenschaft

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.