Petra Rottschalk wird in Erfurt geehrt

Rudolstadt  Petra Rottschalk ist nicht nur in Rudolstadt so etwas wie die Frau für alle Fälle. Am Dienstag, 28. Mai, wird sie in Erfurt geehrt.

Petra Rottschalk in einem der wenigen Momente der Ruhe. Die 58-Jährige ist in Rudolstadt für so ziemlich alles zuständig, das mit Kultur zu tun hat.

Petra Rottschalk in einem der wenigen Momente der Ruhe. Die 58-Jährige ist in Rudolstadt für so ziemlich alles zuständig, das mit Kultur zu tun hat.

Foto: Thomas Spanier

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„Du hättest wirklich mal einen Orden verdient!“, sagte ein Bekannter dieser Tage zu Petra Rottschalk. Die Angesprochene schmunzelte ein bisschen in sich hinein, denn sie wusste bereits, was bis gestern noch ziemlich geheim war. Am nächsten Dienstag erhält die 58-Jährige im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt tatsächlich einen Orden. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) wird Rudolstadts Fachdienstleiterin Kultur, Jugend, Tourismus und Sport im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit dem Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszeichnen.

Allein die – unvollständige – Aufzählung ihrer Ehrenämter kostet Petra Rottschalk fast zehn Minuten Zeit, die sie eigentlich nicht hat, weil vor und nach dem Interview mit dem Reporter schon wieder Beratungen sind. Sie selbst kommt auf ein Dutzend Nebenjobs, die meisten davon unbezahlt. Jugendschöffin am Amtsgericht, Awo-Vorsitzende in Rudolstadt, woran der Aufsichtsratsvorsitz der Awo-GmbH und der Ankerstein-Gesellschaft hängen. Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, Vize-Präsidentin des Thüringer Kulturrates, Kuratorin im Fonds Soziokultur in Bonn, Mitglied in den Fördervereinen für Theater und Schillerhaus, glühendes Mitglied beim FC Carl Zeiss Jena, Co-Chefin des Rudolstadt Festivals, Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, stellvertretende Kreisvorsitzende ihrer Partei.

Die Staatskanzlei ist so nett und ergänzt, was die zu Ehrende vergessen hat: Mitglied im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt, im Aufsichtsrat der Thüringer Landestheater Rudolstadt – Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt GmbH und im Vorstand des Freundeskreises der Heidecksburg. Voila!

Hat man bei so vielen Ämtern überhaupt noch Zeit zu leben? „Das ist das Leben“, sagt sie -- und für einen Moment weicht ihr gewinnendes Lächeln einem nachdenklichen Ausdruck. Bei all der Arbeit, die man nur bewältigen kann, wenn man wenigstens ein bisschen Spaß daran hat, sind die Jahre an ihr vorbeigerauscht wie ein Nostalgiezug im Schwarzatal, wo sie aufgewachsen ist zu einer Zeit, als ein FDGB-Ferienscheck für Mellenbach-Glasbach noch so etwas wie ein Fünfer im Lotto war. An die POS in Mellenbach schlossen sich vier Jahre EOS in Neuhaus am Rennweg und ein Studium der Sprachwissenschaft/Germanistik in Jena an. Als Jung-Lehrerin für Deutsch und Englisch kam sie 1983 nach Uhlstädt, wohnt seit dieser Zeit in Rudolstadt.

Die Wende hat sie, wie so viele, erst in die Politik und dann in die Verwaltung gespült. „Was wollen Sie mit dem Tanzfest machen?“ wurde sie bei einer Bewerbungsrunde im Sommer 1990 im Hauptausschuss des Stadtrates gefragt.

Das Kulturministerium der untergehenden DDR hatte noch 400.000 DM für die Veranstaltung beiseitegelegt, aber keine Kraft mehr, das Fest durchzuführen. Petra Rottschalks Konzept überzeugte. Sie holte Leute wie Ullrich Doberenz und Bernhard Hanneken ins Boot, gemeinsam entwickelte man ein Festival, das mit 100.000 Gästen aus der ganzen Welt zu einem Markenzeichen für Rudolstadt geworden ist, das sich stets am ersten Juliwochenende für vier Tage in ein nahezu märchenhaftes singendes, klingendes Städtchen verwandelt. Das wird für immer mit ihrem Namen verbunden sein.

Apropos Namen. 15 Namen durfte sie aufschreiben, die am nächsten Dienstag in Erfurt dabei sein werden. Es werden Kolleginnen aus ihrem direkten beruflichen Umfeld sein, Freunde aus Jena, Weimar, Leipzig und Rudolstadt, Bürgermeister und Landrat, Theaterintendant und Museumsdirektor.

Im Anschluss geht’s gemeinsam ins Spiegelzelt nach Weimar, wo Wenzel & Band auftreten. Noch so einer, der ihren Weg mit geprägt hat. Sie alle fühlen sich in Rudolstadt willkommen und zu Hause. Was wiederum mit der Frau zu tun hat, der es dort das ganze Jahr so geht. „Die Kleinstadt ist einfach meins“, sagt sie. Und lächelt.

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