Protest im Ziegenhainer Tal gegen geplanten LTE-Sendemast

Ungewöhnlichen Auflauf gab es am Samstagmorgen bei nebliger Kälte am Völklinger Stieg oberhalb der Talschule. In dieser ansonsten so beschaulichen Gegend, in der sich gepflegte Gärten befinden, hatten sich etwa 40 Bürger zu einer Protestveranstaltung zusammengefunden.

Bürger unterschreiben eine Protesterklärung gegen den Bau eines Sendemastes im Ziegenhaienr Tal in Jena. Foto: Michael Groß

Bürger unterschreiben eine Protesterklärung gegen den Bau eines Sendemastes im Ziegenhaienr Tal in Jena. Foto: Michael Groß

Foto: zgt

Jena. Grund ihres Unmuts ist das Vorhaben des Unternehmens Vodafone, auf dem 15 Stellflächen umfassenden Parkplatz inmitten der Gärten einen über 30 Meter hohen Betonmast mit einer Antenne zu bauen. Der soll helfen, per Funk weiße Flecken der Breitband-Internet-Versorgung zu schließen.

Doch die Anlieger sind nicht gefragt worden, berichtet Joachim Weise. Er ist Beauftragter der Interessengemeinschaft, zu der sich die empörten Anlieger vereint haben. 15 Wochenend-Grundstücke sind direkt betroffen, aber auch angrenzende Grundstücke und die Häuser in der darunter liegenden Saarbrücker Straße.

Für Joachim Weise ist das Vorgehen von Vodafone sehr fraglich. Und er verweist darauf, dass 1979 alle Anlieger die Grundstücke gekauft haben. Allerdings nur unter der Maßgabe, dass sie die Wiese inmitten der Gärten als Parkplatz nutzen können. "Dazu hat es per Handschlag damals von mir und einem weiteren Kaufinteressenten mit dem Eigentümer und dem seinerzeit regierenden OB Walter Windrich eine mündliche Abmachung gegeben, die den Eigentümern der Grundstücke die kostenlose Nutzung des Parkplatzes unbegrenzt sichert", sagt Joachim Weise. Er beruft sich damit auch auf das seit 32 Jahren ausgeübte Gewohnheitsrecht.

Offenbar haben nun die Nachkommen des inzwischen verstorbenen Eigentümers von damals das kleine Grundstück an Vodafone verkauft bzw. wollen es verkaufen. Das verletze die Abmachung von einst, meinen Weise und die anderen Anlieger. So verlieren sie ihre Parkflächen, was die Erreichbarkeit der Grundstücke sehr schwierig mache. Ein Parken in den engen Gartenwegen sei kaum möglich. Außerdem sei nun ein Wertverlust der Grundstücke zu befürchten. "Das kommt einer vorsätzlichen Vernichtung von Privatvermögen gleich", betont Joachim Weise. Er weiß, wovon er spricht, war er doch selbst jahrelang beruflich tätig als Gutachter für Wertermittlungen von Immobilien. Außerdem, und das unterstrichen auch die am Sonnabend zahlreich Versammelten, werde durch den riesigen Betonmast die Landschaft an den Kernbergen verschandelt.

Erste Nachfragen bei der Stadtverwaltung haben bisher für die Bürger keine konkrete Auskunft ergeben. Nun wollen die Betroffenen mobil machen und haben als erstes am Sonnabend eine Unterschriftensammlung begonnen. Diese Liste liegt nun auch im Café Bienenstich zur Unterzeichnung durch weitere Unterstützer aus. Auch in anderen Geschäften des Stadtteils will die Interessengemeinschaft dies anbieten.

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