Rauschendes Barockfest auf Schloss Heidecksburg

Auf der Rudolstädter Heidecksburg wurde die Zeit am Wochenende um 300 Jahre zurückgedreht. Aus Bankkaufmännern und Friseusen wurden Herzöge und Prinzessinnen. Beim Tanz kam manche Perücke ins Rutschen.

Geben sich beim Barockfest am Sonnabend auf dem Rudolstädter Residenzschloss Heidecksburg die Ehre: Georg F. F.Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Gemahlin Caroline nebst Infant Georg August.

Geben sich beim Barockfest am Sonnabend auf dem Rudolstädter Residenzschloss Heidecksburg die Ehre: Georg F. F.Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Gemahlin Caroline nebst Infant Georg August.

Foto: zgt

Rudolstadt. Zurückversetzt an den Anfang des 18. Jahrhunderts fühlten sich am Samstag die rund 200 Besucher des vierten Barockfestes im Rudolstädter Residenzschloss Heidecksburg. Pünktlich um 17.30 Uhr lud Seine Durchlaucht Fürst Friedrich Anton nebst Gemahlin und Gefolge im großen Festsaal zur Audienz.

Von Hofmarschall von Schwatzburg wurden die hochwohlgeborenen Gäste einzeln vorgestellt und vor das Fürstenpaar geführt, wo sie ihre Empfehlungen und ihr Begehren vorbringen durften. Die da vor den Fürsten traten, sind im Zivilberuf Bankkaufmann oder Frisörin, Ingenieur oder Verwaltungsfachangestellte. In ihrer Freizeit jedoch widmen sie sich dem historischen Hobby des barocken Lebens wie Marko Baudier aus Dessau, der mit Gemahlin am Arm als anhaltinischer Herzog als einer der ersten geladenen auswärtigen Gäste vor Friedrich Anton und sein Gefolge trat.

"Wir leben dieses Hobby so gut uns das in unserer heutigen Zeit möglich ist", sagte Baudier kurz vor seinem großen Auftritt. Mehrere solcher Feste, die in letzter Zeit Konjunktur haben, besuchen die Baudiers und ihre Freunde im Jahr. In Rudolstadt waren sie am Samstag zum ersten Mal. "Das herrliche, originalgetreue Ambiente des Residenzschlosses ist natürlich eine eindrucksvolle Kulisse für so ein rauschendes Fest. Wir sind beeindruckt und werden auf jeden Fall wiederkommen", fasste Marko Baudier seine ersten Eindrücke zusammen.

Die Liste der illustren Gäste mit ebensolchen Titeln, den großen Adelsgeschlechtern der Zeit angelehnt, war lang. Es wimmelte nur so von Herzögen, Grafen, Prinzessinnen, Geheimräten und Kanzlern. Die lange Aufzählung der Titel ließ immer wieder Ausrufe des Erstaunens und der Bewunderung im Publikum, das den Hofstaat darstellen sollte, ertönen. Viele der Durchlauchten und Exzellenzen traten in einer Doppelrolle auf, kümmerten sich im Hintergrund um Ablauf und Organisation. So zum Beispiel Madame Jutta Voß aus dem Berlinischen, die als Dozentin an der Universität der Künste Berlin und der Musikhochschule Leipzig an diesem Abend für die Choreografie der Tänze verantwortlich zeichnete. Denn Tanzen stand im weiteren Verlauf des Festes im Mittelpunkt. Viele derjenigen, die sich erstmals in die Komplexität der barocken Tanzschritte finden mussten, nahmen die Erkenntnis mit nach Hause, das, was so spielerisch leicht aussieht, in Wirklichkeit nicht ohne Schwierigkeiten zu meistern ist. Da kam so manche Perücke ins Rutschen, und die Grazie mancher Schritte ließ noch das Erfordernis nach Übung erkennen.

So machte es wohl allen trotz vorgeschriebener und peinlich zu befolgender Etikette vor allem Spaß, sich um 300 Jahre zurückversetzt zu fühlen und bis in die Nacht vergnügt zu feiern. Draußen vor dem Tor wartete freilich auf viele nicht die Kutsche oder Kalesche, sondern der Mercedes oder VW. Und auch wer des Nachts die Stufen zur Stadt zu Fuß hinuntersteigen musste, nahm wohl den Eindruck mit, dass das Leben im Barock schön und angenehm gewesen sein muss. Zumindest für jene, die damals den Stand und das entsprechende Geld hatten, zum fürstlichen Kreis dazu zu gehören.

Das einfache Volk freilich, das wird wohl auch vor 300 Jahren am Fuße der Heidecksburg gestanden und zur Mitternachtszeit das fürstliche Feuerwerk bewundert haben – genau wie am Samstag.

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