Remda-Teichel: Abschied mit Ansage und ohne Hadern

Remda-Teichel  Seit der Gründung im Jahr 1997 führte Horst Engelmann (CDU) als Bürgermeister die Geschicke der Stadt Remda-Teichel. Nach 18 Jahren im Amt beginnt heute für ihn ein neuer Lebensabschnitt.

Bürgermeister Horst Engelmann bei der historischen Stadtratssitzung in Remda. Foto: Jeannette Pabst

Bürgermeister Horst Engelmann bei der historischen Stadtratssitzung in Remda. Foto: Jeannette Pabst

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Die Unterlagen sind geordnet. Ein letztes Mal rief er seine Mitarbeiter aus der Verwaltung und ein paar enge Wegbegleiter gestern zu einer Dienstberatung der etwas anderen Art zusammen. Heute trifft er seinen Nachfolger Peter Pabst zur Übergabe der Amtsgeschäfte – dann endet für Horst Engelmann der letzte Arbeitstag als Bürgermeister der Stadt Remda-Teichel.

Es ist ein Abschied mit Ansage und ohne Hadern. Vor allem aber ohne viel Tamtam. „Am liebsten gar nichts“, antwortete der 68-Jährige auf die Frage, was er gerne zum Abschied über sich lesen möchte.

Schulden der Stadt deutlich reduziert

Schon 2009 hatte er mit dem Gedanken gespielt, den Platz zu räumen. Dann aber griff das Land Thüringen der schon damals permanent klammen Stadt Remda-Teichel unter die Arme mit 2,835 Millionen Euro zur Entschuldung. „Das hat die Gesamtsituation damals verbessert, zwischenzeitlich hilft es auch nichts mehr“, blickt Horst Engelmann zurück. Immerhin war diese Nachricht der Auslöser dafür, dass er sagte: Ich trete noch einmal an. Die Wahl 2009 – einziger Herausforderer damals war Stephan Matthäi – gewinnt er klar.

Finanziell stand es um Remda-Teichel in all den Jahren nicht gerade rosig. Trotzdem schaffte es Engelmann, die Schulden der Stadt von 17 Millionen DM zum Zeitpunkt seines Amtsantritts 1997 auf 1,7 Millionen Euro zum Jahresende 2014 zu senken. Damit liegt Remda-Teichel jetzt unter dem Durchschnitt vergleichbarer Städte in Thüringen. Der Preis der Sparhaushalte: Investitionen wurden auf das nötigste zurückgeschraubt. „Und manche berechtigte Forderung konnte nicht umgesetzt werden“, so der scheidende Bürgermeister.

Er blickt auf eine spannende Zeit voller Herausforderungen zurück. Trotzdem: Ein paar Sachen bleiben unvollendet. So steht aktuell in den Sternen, wie es in Sachen Investitionen bei Rempig weiter geht. Das Thema hatte seit 2010 für viel Wirbel gesorgt. In der Folge blieben Engelmann auch persönliche Anfeindungen nicht erspart. Derzeit ist es ruhig geworden um das Thema. Jetzt geht es um Planungen für eine Erweiterung der Schweinezucht auf dem bestehenden Betriebsgelände.

Auch die Sanierung des Rathauses in Teichel wird eine große Aufgabe für die Zukunft sein. Für dringende Bauarbeiten fehlt das Geld. Der Dachstuhl ist in einem sehr schlechten Zustand, zudem wurde das Holz zu DDR-Zeiten mit giftigen Schutzmitteln bearbeitet, was das ganze Verfahren weiter verteuert. Um an Fördermittel zu kommen, braucht es konkrete Planungsunterlagen, die es aber noch nicht gibt.

Und dann ist da noch das Thema Gebietsreform. Hierzu hat Horst Engelmann eine klare Meinung. „Remda-Teichel wird ein Ortsteil von Rudolstadt werden, die Frage ist nur, wann“, meint er.

Nun Zeit für Familie und Hobbys

Für ihn ist nun die Zeit gekommen, einen Schlussstrich unter die kommunalpolitische Arbeit zu setzen. Wenn überhaupt, dann wird man ihn vielleicht mal bei einem Feuerwehrausscheid antreffen oder bei der einen oder anderen Veranstaltung in einem der Ortsteile. Dann aber ganz privat. Dafür will er sich nun Zeit nehmen für die Familie, den Garten, das Hobby Jagd. „Meiner Frau habe ich versprochen, jeden Monat einen Tag einen Ausflug in eine Thüringer Stadt zu unternehmen, in der es etwas Interessantes zu sehen gibt“, verrät er.

Und dann ist da noch ein weiteres spannendes Vorhaben. Er wird sich noch einmal mit den vergangenen 18 Jahren beschäftigen, um die Erinnerungen wach zu halten. „Ich möchte für mich und meine Enkel die Geschichte von 18 Jahren einer verarmten Stadt zu Papier bringen“, sagt er.

Weichen werden neu gestellt

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