Rennsteig statt Großstadtdschungel

Blankenstein  Berliner führen jetzt in Blankenstein die sprichwörtlich erste Pension am Start des Höhenwanderweges

Bürgermeister Peter Keller mit Dominik Bruns sowie André und Josina Brix, die jetzt das Café mit Pension „Am Rennsteig“ in Blankenstein betreiben.

Bürgermeister Peter Keller mit Dominik Bruns sowie André und Josina Brix, die jetzt das Café mit Pension „Am Rennsteig“ in Blankenstein betreiben.

Foto: Horst Straubel

Vom Großstadtdschungel in den Thüringer Wald – diesen Landwechsel haben Josina und André Brix vollzogen. Sie verabschiedeten sich aus ihrer bisherigen Heimat in Berlin-Neukölln, um in Blankenstein sesshaft zu werden. Dort betreiben sie jetzt die Pension „Am Rennsteig“.

Genau genommen ist es sprichwörtlich die erste Pension direkt am Rennsteig, wenn sich Wanderer von Blankenstein aus auf den 169 Kilometer langen Höhenweg in Richtung Hörschel begeben. Seit diesem Monat lädt zudem wieder das angeschlossene Café ein, das von Dominik Bruns betrieben wird, dem Cousin von André Brix.

Dass der Café- und Pensionsbetrieb wieder läuft, macht Bürgermeister Peter Keller (FWR) richtig glücklich. „Es ist absolut wichtig für Blankenstein, dass wir hier Quartiere und Gastronomie anbieten können“, sagt er. Denn der Rennsteig bringt viele Gäste in den Ort, die nicht enttäuscht werden sollen.

In der Pension und im Café treffen Besucher auf herzerfrischende Gastgeber. Dabei hatten Josina und André Brix zunächst ganz andere Pläne, als sie mit ihrem achtjährigen Sohn Berlin verlassen und „etwas Ruhigeres“ suchen wollten. „Wir hatten in Berlin eine große Tischlerei und waren auf ein Anwesen aus, wo wir diesen Betrieb weiterführen konnten“, ist zu erfahren. Im Februar entdeckten sie dann zum ersten Mal das im Internet angebotene Objekt in Blankenstein. Da es zudem familiäre Beziehungen nach Hof gibt, dauerte es nicht mehr lange, bis die Entscheidung gefallen war, nach Blankenstein zu ziehen. „Die Grundsubstanz ist bereits super“, meint Josina Brix, „alles andere wird jetzt Schritt für Schritt erneuert.“ Im Mai kamen bereits die ersten Pensions-Gäste. Seit dem 1. Juni lädt nun auch das Café ein, in dem Dominik Bruns die Gäste verwöhnt. „Da wird alles selbst gebacken“, erzählt Josina Brix und verrät ein kleines Geheimnis: „Im Haus haben wir viele alte Rezepte gefunden. Die probiert Dominik jetzt aus.“

Waren es im Mai vor allem Wanderer, die in der Pension übernachteten, so kommen seit Juni verstärkt Radfahrer. Da erweisen sich die Pensionsinhaber auch schnell mal als Pannenhelfer. Als neulich ein neuer Fahrradreifen benötigt wurde, ging es fix nach Naila, um einen zu besorgen. „Hüben und drüben“ kennen die Ex-Berliner dabei nicht. „Wir waren fünf und sechs Jahre alt, als die Mauer fiel“, sagen sie. Dass sich ihre Pension einst selbst in einem Sperrgebiet befand, kennen sie nur von Fotos. Insofern freuen sie sich ganz selbstverständlich über das Hängebrücken-Projekt in Oberfranken, mit dem zusätzliche Gäste auch nach Blankenstein kommen dürften. „Die Lichtenberger Brücke werden wir wohl vom Selbitzplatz aus sehen.“

Das handwerkliche Geschick von Tischlermeister André Brix soll den Gästen nicht vorenthalten werden. Vorgesehen ist, spezielle Rennsteig-Souvenirs anzufertigen. In einem Laden wird man die mit einer Lasermaschine hergestellten Holzarbeiten sehen können.

„Vorher haben wir den Rennsteig gar nicht gekannt“, gesteht Josina Brix, „jetzt fühlen wir uns mit ihm schon richtig verbunden.“ Mit großer Offenheit und Freundlichkeit sei man in Blankenstein aufgenommen worden. Unbedingt wolle man irgendwann den Rennsteig auch in seiner ganzen Länge kennenlernen. „Wenn sich bei uns die Wanderer ganz euphorisch ihre Erlebnisse austauschen, weckt das natürlich Neugier.“

Für die Wanderer aus der Fremde wie auch für die Einheimischen wird es gemütliche Restaurant-Abende geben. Kulinarische Reisen um die Welt sind hierbei vorgesehen, kündigt André Brix an. Das läuft auf Vorbestellung. Denn die Gemütlichkeit des Hauses setzt Kapazitätsgrenzen.