Rittergüter im Altenburger Land und ihr Schicksal

Der Verfall ist die Zukunft des Rittergutes Maltis, da sich kein Käufer findet und der Eigentümer nicht das nötige Geld aufbringen will - und wohl auch nicht kann.

Das Rittergut in Maltis bietet derzeit keinen schönen Anblick.  Foto: Martin Gerlach

Das Rittergut in Maltis bietet derzeit keinen schönen Anblick. Foto: Martin Gerlach

Foto: zgt

Hoffnungen jedenfalls, in Maltis ein Beispiel für den vormaligen Reichtum des Altenburger Landes erhalten zu können, will Lothar Ronneburger, Vorstand der Agrargenossenschaft Gößnitz, nicht schüren. Im Gegenteil. "Wir wissen, dass der ehemalige Kuhstall nur noch abgerissen werden kann", sagt er und macht keinen Hehl daraus, dass das Rittergut von Anfang an ein ungeliebtes Kind des Eigentümers war. Die Agrargenossenschaft war damals nur an der landwirtschaftlichen Fläche interessiert. Anders der Alteigentümer aus Kleinmachnow. Der wollte das Anwesen nur als Ganzes loswerden. Wie man hörte, soll er so sein eigenes Haus im Brandenburgischen nach der Wende finanziert haben. Also kaufte die Agrargenossenschaft die etwa 40 Hektar mit allen Gebäuden. Die landwirtschaftliche Fläche passte gut zu den anderen Flächen der Agrargenossenschaft. Und da das Rittergut ohnehin eher einem Bauernhof glich, schien die Beigabe verschmerzbar. 1996 wurde der Kauf besiegelt,

"Auch damals war schon ewig nichts mehr an Scheune, Ställen und Herrenhaus gemacht worden", erinnert sich der Vorstand. Schon zu DDR-Zeiten sei das Rittergut von der Agrargenossenschaft Podelwitz bewirtschaftet worden. "Die gibt es heute gar nicht mehr ", sagt Ronneburger.

Derzeit wohnt nur noch eine, wenngleich sechsköpfige Familie im Herrenhaus. Eine kleine Viehhaltung, Pferde und einige Hunde gehören dazu. Sanitär und Elektro sind inzwischen im Herrenhaus erneuert, auch eine gewisse Grundinstandhaltung sei durchgeführt. Geheizt wird über Öfen. Mehr will der Eigentümer aber auch nicht investieren. Langfristig bedeutet dies das Aus für das Rittergut Maltis. "Wir können nicht mal einfach so eine Million reinstecken", sagt Ronneburger. Selbst Tausende von Euro Investition würden kaum etwas bewirken, meint er und betont, dass nur ein zahlungskräftiger Käufer dem Gut eine Chance geben könnte. Doch die gibts nicht zuhauf im Altenburger Land.

Selbst eine private Hofstelle dort einzurichten, wäre angesichts des maroden Zustandes ein Wagnis. Eine Nutzung der Scheune und Ställe stehe für heutige Ansprüche der Landwirtschaft außer Frage, sagt Ronneburger. Tierhaltung laufe in ganz anderen Dimensionen und mit automatisierten Systemen ab, verweist er auf neue Stallanlagen in der Nachbarschaft wie in Mockzig. Der Abriss des ehemaligen Kuhstalls scheint unausweichlich und würde zig Tausend Euro kosten, meint er. Dort sei das Gewölbe bereits eingebrochen. Außerdem habe wohl auch nur der Stall mit Fachwerk und inneliegendem Laubengang in der ersten Etage einen historischen und optischen Wert.

"Wir wollen verkaufen, schon lange", sagt der Vorstand. Bislang aber blieben Kaufinteressenten aus. Auf die Frage, wie viel er dafür haben wolle, gibt er 50 000 Euro an, um kurz darauf, die durchaus großzügige Verhandelbarkeit des Preises zu betonen. Für die Agrargenossenschaft geht es letztlich darum, die Kosten im Minimalen zu halten. Allein der Abriss, würde Geld verschlingen für Nichts. Das Wohnhaus sei vom Grundriss her nicht schlecht, hat aber nicht einmal eine Heizungsanlage, betont Ronneburger. Falls überhaupt mal einer Interesse an Maltis signalisiere, wolle der zehn Hektar Land und Unterstand für seine Pferde, beklagt er. Eine Lösung ist das nicht.

Nachteilig wirkt sich auch das Umfeld unterhalb der Maltiser Dorfkirche aus mit einem heruntergekommenen Wohnhaus gegenüber und einem sanierungsbedürftigen Hof nebenan. Dieser Teil des Dorfes mag einst Schmuckstück und Zeichen von Reichtum gewesen sein. Jetzt ist er es nicht mehr. Früher hätten die Bauern hier 30 oder 40 Hektar Land bewirtschaftet. "Hinter Gera gab’s das gar nicht mehr. Dort hatten die Bauern vielleicht fünf Hektar", erzählt der Vorstand der Agrargenossenschaft. Und räumt ein: Klar sei es schön, solche ländlichen Denkmäler zeigen zu können. "Aber geschichtliche Bedeutung hin oder her, wenn das nötige Geld fehlt, ist eine solche Aufgabe nicht zu stemmen", sagt Lothar Ronneburger und weiß auch, dass Denkmalförderung nicht fließen und auch dieses Rittergut des Altenburger Landes letztlich verfallen wird.

Aus der Geschichte des Rittergutes Maltis

Maltis wurde am 2. April 1186 erstmals in einer Urkunde des Bischofs Udo II. erwähnt.

In Verbindung mit dem Ort steht Heidenreich I. von Maltis am Anfang. Darauf folgten weitere Vertreter der Familie. Die letzten Vertreter der Familie sind Heinrich von Maltis und sein Sohn Hieronymus. Sie vereinigten die Pfarrstelle in Maltis mit der in Zürchau. 1580 wohnte als so genanntes "Gesinde" eine "Keßmutter mit zwei Söhnen und Töchtern auf dem Forwergk des Junkers zu Zürchau".

Anton von Berbisdorf wurde 1559 Besitzer des Rittergutes. Ihm folgte 1613 der Kurfürstlich-Sächsische Jägermeister Sebastian von Berbisdorf.

Conrad von Posern erhielt nach der Ableistung des Lehnseides auch den Schönburger Lehnsbrief über das Dorf Maltis. Danach wechselten die Besitzer mehrfach.

Zum Rittergut gehörte laut Revisionsprotokoll von 1801 ein Viehbestand von drei Pferden, sechs Kühen, zwei Kälbern und zwei Zuchtschweinen.

1806 erwarb Gottfried Panzer von seinen Geschwistern das Rittergut für 11 000 Gulden.

Nachdem Panzer 1811 starb, übernahm seine Ehefrau Justine das Gut. Es folgten Erbstreitigkeiten mit dem Schwager Justines, was auf kuriose Art gelöst wurde: Justine heiratet Schwager Johann Michael Panzer. Dieser kaufte das Gut 1814. Die Familie Panzer blieb Besitzer des Gutes: Johann Panzer, sein Bruder Emil.

Für das Jahr 1854 ist der Umfang des Rittergutes belegt mit einer Fläche von 39,95 Hektar. 1873 erbt Bruno Panzer das Gut. Er amtiert 1888 auch als Gemeindevorsteher. Ein Jahr vorher wurde das heute noch bestehende Wohnhaus erbaut. Interessant ist, dass 1890 der bisherige Pächter Bernhard Albin Ulbricht aus Tautenhain das Gut kaufte. Der vormalige Besitzer Bruno Panzer aber erhielt Wohnrecht bis zu seinem Tod 1898. Sohn Hans Ulbricht folgte auf dem Gut und starb 1923. Da war das Gut auf sechs Pferde, 32 Rinder und 15 Schweine angewachsen.

Erst zehn Jahre später ließ der neue Eigentümer und Fabrikbesitzer Bruno Lindner aus Crimmitschau einen Pferdestall am Südgiebel anbauen und eine Scheune errichten. Von 1927 bis 1953 war der Vierseithof verpachtet. Oskar und später Sohn Kurt Bachmann bewirtschafteten ihn.

1939 wurden im Kuhstallgebäude Landarbeiterwohnungen eingerichtet. Eigentümer war immer noch die Familie Lindner. Noch zu DDR-Zeiten bewirtschafteten LPG das Rittergut. Um die Wende war dies die Agrargenossenschaft Podelwitz. 1996 kaufte die Agrargenossenschaft Gößnitz das Gut.

Quelle: Das alte Schloss sehn wir noch heut... Aus der Geschichte der Rittergüter im Altenburger Land, Teil II; Museum Burg Posterstein

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