Saalfeld: Ein Orden für Entertainer Didi Bujack

Saalfeld  Didi Bujack hat sieben Berufe, von denen er im Wesentlichen drei ausübt. Heute wird er in Erfurt geehrt.

Entertainer Didi Bujack in seinem Element. Seit 36 Jahren steht er auf der Bühne. Hier fühlt sich der Saalfelder ebenso wohl wie im Studio des Radiosenders SRB oder als Trauerredner bei Bestattungen.

Entertainer Didi Bujack in seinem Element. Seit 36 Jahren steht er auf der Bühne. Hier fühlt sich der Saalfelder ebenso wohl wie im Studio des Radiosenders SRB oder als Trauerredner bei Bestattungen.

Foto: Heiko Richter

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Er hat sieben Berufe, mit dreien davon bestreitet er seinen Lebensunterhalt. Als Trauerredner am Vormittag, als Moderator von Veranstaltungen und als „Didiplay, die Oneman-show in Stereo“ am Abend. Ein Phänomen, sagen die einen. Ein Lebenskünstler, die anderen. Fakt ist: Didi Bujack, Jahrgang 1962, Saalfelder von Geburt an, ist die Vielseitigkeit in Person. Heute muss er zwischen Friedhof und den Vorbereitungen für die Saalfelder Einkaufsnacht mal schnell in die Staatskanzlei abbiegen. Es gibt einen Orden für den Entertainer. Nicht irgend einen: die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Undotiert, aber voller Ehre.

Wer sein Berufsleben lang so schillernd unterwegs ist, wie der 57-Jährige, ist zwangsläufig bekannt wie ein bunter Hund. Als die OTZ vor ein paar Jahren mal ein paar Volontäre mit Fragebögen auf die Straße schickte, um die Popularität eines Dutzends ausgewählter Lokalpromis zu erfragen, landete Didi Bujack – übrigens gemeinsam mit den Saalfelder Weltumradlern Axel Brümmer und Peter Glöckner – auf Platz eins. Noch vor allen Politikern und sonstigen Künstlern.

Den Orden, den ihm heute in Erfurt im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) persönlich anstecken wird, bekommt er sozusagen für sein Lebenswerk. Fast so lange hat es auch gedauert, bis der Vorschlag, aus dem Saalfelder Landratsamt jetzt in die Ehrung mündete. Den Anstoß dazu gab Hartmut Holzhey, seinerzeit parteiloser Landrat im Kreis Saalfeld-Rudolstadt, im Jahre 2012, also kurz nach Amtsantritt.

Entsprechend veraltet ist nach sieben Jahre die Laudatio, aus der die Thüringer Staatskanzlei vorab via Pressemitteilung schon mal zitierte. Didi Bujack schickte sie korrigiert zurück, denn sein Leben ist schneller und bunter als die Vorstellungskraft der Beamten.

Was bleibt, ist das Grundsätzliche: „Er engagiert sich seit mehr als 35 Jahren als Kulturschaffender und Entertainer. Seit 1978 ist der Musiker, Sänger, Gitarrist und Moderator unterwegs – als Botschafter Thüringens in Deutschland und in der Welt“, heißt es in der Würdigung. Angeführt werden „Moderationen bei verschiedenen Podiumsdiskussionen unter anderem zu Wahlen und zur Bürger-Teilhabe“ und sein Engagement beim SRB, dem Bürgerradio im Städtedreieck Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg, wo er als Moderator der ersten Stunde nicht nur mit seiner eigenen Sendung „RadioAktivRock“ Resonanz findet, sondern sich als „Politik-Erklärer“ verständlich, überparteilich und auf unterhaltsame Weise regelmäßig mit Politik befasse und damit „seine Moderationen zu einem wirksamen Instrument gegen Politikverdrossenheit“ mache. Auch die Arbeit als Trauerredner und seine Auftritte als Hofmarschall Rudolf von Schwatzburg auf der Heidecksburg werden genannt.

Fragt man ihn, welchen seiner Berufe er am liebsten ausübe, sagte er überzeugend: Alle! „Trauerfeiern zu begleiten, hat nichts Trauriges, sondern etwas sehr Schönes. Ein wunderbarer Beruf, der dich immer wieder erdet“, so der geschiedene Vater zweier erwachsener Kinder. Als Moderator hat er Helmut Kohl, Joachim Gauck und Udo Lindenberg vor dem Mikrofon gehabt, seine CD „Absolut“ mit dem Dschunken-Song („Träum‘ nicht dein Leben, sondern leb‘ deinen Traum“) steht seit zehn Jahren in der Deutschen Nationalbibliothek.

Am authentischsten aber ist Didi Bujack immer noch live, wenn er mit ansteckender Lebensfreude zur Gitarre greift und Witze erzählt, die gern auch mal weit unter die Gürtellinie gehen. Die Bühne ist seit 36 Jahren sein zweites Zuhause, die Wochenenden sind noch immer gut mit Auftritten gefüllt. „Natürlich tut langsam der Rücken weh, wenn ich die Boxen auf die Bühne schleppe, aber wenn das Licht angeht, sind die Kreuzschmerzen weg“, sagt der Saalfelder. Zum Ausgleich geht er wandern und gern auch mal in die Gaststätte essen.

Den Verdienstorden heute nimmt er mit einer Mischung aus Demut und Stolz entgegen. „Das ist schon eine geniale Ehre und eine Wertschätzung meiner Arbeit“, sagt er ernst. „Unterhaltungskunst und Friedhöfe kommen bei der Verleihung bestimmt nicht so oft vor“. Ein gutes Dutzend Freunde und Familienmitglieder werden ihn heute in Erfurt begleiten, der alte und der neue Bürgermeister, der alte und der neue Landrat. Geplant sei für hinterher nichts, so der Mann, der für einen Tag hochoffiziell „Dietrich“ heißen wird: „Aber vielleicht gibt es ein spontanes Bier.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.