Sagenumwobene Rüßburg in Waltersdorf

Was für uns heute der Sechser im Lotto ist, das war für frühere Generationen der vergrabene Schatz. Gab er doch auch Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch so eine Schatzsuche, darf man den Sagen Glauben schenken, gestaltete sich mitunter wesentlich schwieriger, als es heute das Ausfüllen des Lottoscheines ist.

Die Rüßburg soll eine Spornburg, also eine Burg auf einem mindestens nach zwei Seiten abfallenden Bergrücken gewesen sein, die an der Elster in der Nähe von Lehnamühle und Waltersdorf gelegen haben soll. Illustration: Annette Zaumsegel

Die Rüßburg soll eine Spornburg, also eine Burg auf einem mindestens nach zwei Seiten abfallenden Bergrücken gewesen sein, die an der Elster in der Nähe von Lehnamühle und Waltersdorf gelegen haben soll. Illustration: Annette Zaumsegel

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Waltersdorf. Eine seltsame Methode, so einen Schatz zu finden, können wir im Heft "Die Mühle unter der Teufelskanzel" von Rudolf Schramm nachlesen. Die Sage handelt von der Rüßburg – einer Raubritterfeste. Die Raubritter sollen, so können wir andere Sagen deuten, sehr geschickt gewesen sein. Verfügten sie doch über ein Tunnelsystem, das mehrere Kilometer lang war. Unser Schatzgräber jedenfalls versuchte später, als von der Burg schon lange nichts mehr übrig war, sich der geraubten Schätze zu bemächtigen. Dazu entzündete er ein Feuer an dem Ort, wo die Burg einst stand. In das Feuer hinein schleuderte er ein Messer, in das drei Kreuze geritzt waren, in der Hoffnung, es führe ihn zum Schatz. Ihm wurde jedoch nicht der Fundort angezeigt, sondern ein schwarzer Hund mit einer feurigen Zunge erschien. Das Untier teilte dem Suchenden mit, dass erst einer seiner Nachfahren den Schatz finden könne. Dumm nur, dass dieser Nachfahre ohne Hände und Beine auf die Welt kommen müsse – mit anderen Worten: Niemand sei in der Lage, den Schatz der Rüßburg zu heben.

OTZ-Sagenexperte Dr. Frank Reinhold hat sich mit der Rüßburg beschäftigt und einiges herausgefunden: Von der Rüßburg im Elstertal bei Waltersdorf sind nur noch kaum erkennbare Reste einer Trockenmauer und Fragmente der Wallgräben zu erkennen.

Von dieser mittelalterlichen Fliehburg ist nicht einmal der eigentliche Name sicher überliefert. Ein Schöffenspruchurteil aus dem 15. Jahrhundert erwähnt eine in Beziehung zu den Familien Lippold und Querfeld stehende Burg "Elsenstein", hinter der sich vermutlich die seit dem 19. Jahrhundert nach dem nur wenige Häuser umfassenden Rüßdorf an ihrem Fuß als "Rüßburg" bekannte Anlage verbirgt.

Die genannten Familien standen nämlich um 1550 in Verbindung zum Rittergut des Ortes. 1506 erscheint in der Bergaer Erbteilung in Rüßdorf der "Ranft". Als Ranft (= Rand, Rest) bezeichnet man heute in der örtlichen Mundart die Brotkanten; damals war die Bezeichnung wohl ein Hinweis auf die zerstörte Spornburg.

Der Waltersdorfer Rittergutsbesitzer Christoph Ernst von Posern (1736-1798) notierte um 1760 folgende Sage über das "alte schloss": "In ganz uralten Zeiten ist dieses Rittergut ein Raubschloss gewesen, welches sodann auf diese Art ruiniert worden soll sein: Es führten die darzu kommandierten sächsischen Truppen die Kanonen auf den gegenüber gelegenen so genenneten Gemein(de)berg und kanonierten solches in Grund und Boden."

Über 60 Jahre später behauptet das von August Schumann, dem Vater des Komponisten Robert Schumann begründete "Post- und Zeitungslexikon von Sachsen" die Zerstörung der Anlage mit der großen Zwickauer Kanone; die geschah wohl im sächsischen Bruderkrieg um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Weitere Sagen im Zusammenhang mit der "Rüßburg" berichten von unterirdischen Gängen, von einem Riesenfisch in einer Elsteruntiefe unterhalb der alten Burg oder von einem die Schätze bewachenden Kobold. Ein vor wenigen Jahren entdeckter Gang im früheren Rüßdorfer Rittergut dürfte ein gemauerter Wassergraben eines ehemaligen Hammers (1506 erwähnt) sein.

Dr. Frank Reinhold

  • 58 Jahre alt, wohnt in Obergeißendorf
  • Vorstandsmitglied im Vogtländischen Altertumsforschenden Verein
  • Experte für Namenkunde
  • seit seinem 18. Lebensjahr begeisterter Heimatforscher
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren