Sanierung beendet: Haingraben in Orlamünde ist wieder begehbar

Orlamünde  Neues Bett für den Bach, ruhiger Weg für die Wanderer: Der Haingraben in Orlamünde ist nach monatelanger Sanierung wieder begehbar. Nur das Nadelöhr am Mittelkreis ist weiter das Sorgenkind.

Der Haingraben in Orlamünde ist wieder begehbar nach monatelanger Sanierung. Polier Bernd Scholz zeigt das Bachbett aus Naturstein. Foto: Katja Dörn

Der Haingraben in Orlamünde ist wieder begehbar nach monatelanger Sanierung. Polier Bernd Scholz zeigt das Bachbett aus Naturstein. Foto: Katja Dörn

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Wo sich früher der Bach sein Reich geschaffen hatte und jegliches Durchkommen unmöglich machte, lässt sich jetzt geschwinden Fußes wandern. Der Haingraben in Orlamünde, der Ober- und Unterstadt verbindet, ist freigegeben.

Seit dem Frühjahr hoben Baggerfahrer das Erdreich auf 1,3 Kilometern Länge aus. Ein neues Bachbett wurde geschaffen, streng geplant nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie für Gewässer zweiter Ordnung. Statt Beton wurde grober Schotter ausgelegt. Mehrkosten bedeutete das nicht. „Die Steine sind natürlicher und günstiger“, sagt Marion Haase vom Planungsbüro Helk Schulz & Dr. Prabel bei der Bauabnahme. Ein leichtes Unterfangen war die Baumaßnahme aber nicht. „Der Baugrund war schwierig, wir mussten tief graben“, sagt Bauleiterin Viola Biertümpfel. Ein Hangabschnitt musste zudem mit einer Natursteinmauer gesichert werden.

Das Hochwasser 2013 schwemmte die letzten Reste Weg hinfort. Der Einlauf in der Oberstadt konnte die Wassermassen nicht aufnehmen und so wurde auch der dortige Platz überflutet. Die Gemeinde nutzte schließlich die Chance, eine hundertprozentige Förderung zur Beseitigung von Hochwasserschäden zu beantragen. Mit Erfolg: Die Kosten in Höhe von 800 000 Euro wurden von der Thüringer Aufbaubank bewilligt. Neben kleiner Baumaßnahmen am Graben – auf den oberen Weg wird noch Mutterboden geschüttet – wird zudem ein Stauraumkanal am oberen Teil des Grabens ausgeschachtet. 2019 soll dieser fünfte Bauabschnitt beendet sein.

Schwierigkeiten bereitete den Bauarbeitern ein starker Gewitterguss im Juni dieses Jahres, der Teile der Baustelle wegschwemmte. Am Mittelkreis in der Unterstadt liegen immer noch Sandsäcke. Das Nadelöhr ist weiterhin das Sorgenkind des Bürgermeisters. Dort fließt das Wasser vom Haingraben in einen kleinen Einlauf, der schnell überlastet ist. Verglichen mit der kilometerlangen Haingraben-Sanierung sind die dortigen 40 Meter, die für einen größeren Kanal ausgeschachtet werden müssten, ein Klacks. Doch dieses Projekt wird bislang nicht gefördert. Allein könne die Stadt den Betrag – schätzungsweise 150 000 Euro – nicht stemmen, sagt Nitsche.

Übrigens ist der Haingraben für Fußgänger begehbar, Radfahrer sollten die Strecke meiden. Sie können an mehreren Querrinnen stürzen, sagt Nitsche. Die Gitter, die etwa in der Mitte des Grabens verankert sind, versperren zudem motorisierten Gefährten die Strecke. Jugendliche mit Motocross-Maschinen waren noch während der Bauphase den Haingraben heruntergebrettert, sagt Polier Bernd Scholz. Ein gefährliches Unterfangen; naturfreundlich allemal nicht.