Schloss Tannenfeld in Löbichau: Ein Spaziergang an einem verzauberten Ort

Tannenfeld  Nach Jahren des Dornröschenschlafes will eine Investorengruppe Schloss Tannenfeld wachküssen. Für mehr als neun Millionen Euro soll ein Pflegezentrum für Demenzkranke entstehen.

Innehalten im Park des Schlosses Tannenfeld. Susan Köhler aus Großstechau und Thomas Langer aus Frohnsdorf sind oft unterwegs an diesem scheinbar verwunschenen Ort. Foto: Jana Borath

Innehalten im Park des Schlosses Tannenfeld. Susan Köhler aus Großstechau und Thomas Langer aus Frohnsdorf sind oft unterwegs an diesem scheinbar verwunschenen Ort. Foto: Jana Borath

Foto: zgt

Tannenfeld mit Schloss und Park fasziniert. Einst kam Goethe hier gern zum Mittagessen vorbei. Altenburgs Minister Thümmel unterbreitete hier Staatspolitisches. Und Rudolf Ditzen – als Schriftsteller bekannt unter dem Pseudonym Hans Fallada – suchte an diesem Ort Ruhe und Genesung.

Heute ist Tannenfeld vermutlich der kleinste Ortsteil im Altenburger Land. Er gehört zur Gemeinde Löbichau und zählt eine einzige Einwohnerin. Sie hat den wohl romantischsten Wohnort, den man sich vorstellen kann. Im Haus Brunnegg, direkt am Eingang zu jenem Park, den die Herzogin von Kurland und Graf Batowski im englischen Stil gestalteten und der in seinen Grundzügen erhalten ist. Zu Zeiten der Herzogin gab es einen Bachlauf, sandige Wege, einen kleinen Teich mit Grotte und eine Wiese, die zum Gedenken an den 1800 verstorbenen Herzog von Kurland „Peterswiese“ hieß.

Heute ist der Park besonders wegen seiner botanischen Vielfalt bekannt. Tagtäglich rauschen wahre Fahrzeugkolonnen via Bundesstraße 7 und Autobahn 4 an ihm vorbei. Doch er atmet Stille und einen märchenhaften Zauber. Beides umfängt den Spaziergänger, sobald er von der glatt-schnellen Bundesstraße auf die holprige Kreispiste gen Tannenfeld biegt. Plötzlich ist die Welt in Waldgrün getaucht. Rechts über dem kleinen Feld für Saatgutgewinnung wippen Zitronenfalter im Licht der Sommersonne. Links schreckt ein Greifvogel auf und erhebt sich aus dem Gehölz. Vorne schräg auf der türkisfarbenen Wiese flirrt und schwirrt es im Morgenlicht, das hier ganz mild ist, weil es sich im dichten Blätterdach der Bäume bricht. Ein Brückchen führt über ein leeres Flussbett den Weg hinauf und hinein in den Park.

Und der zieht in seinen Bann. Mit Esche, Tulpenbaum, Lärchen, Robinien und Eiben, die 200 Jahre und älter sein dürften und deren Stämme wie mächtige Elefantenfüße wirken an den Wegbiegungen. Mit Seltenheiten wie Mammutbaum, Sumpfzypresse, Ginkgo oder Pimpernuss aus dem mittleren Orient. Und erst der Rhododendron- und Azaleenbestand! Viele dieser Sträucher wachsen in Tannenfeld seit einem Jahrhundert. Stehen sie in Blüte, duftet der ganze Park. Für Wohlgeruch auf den Wiesen und Wegen sorgen zudem Forsythie, Zaubernuss, Jasmin, Lavendelheide und viele Sträucher und Blumen mehr.

Spaziert man durch Tannenfeld, ist man nie allein. Aber alle Gäste bewegen sich vorsichtig, fast schon andächtig. Kaum fällt ein lautes Wort, nichts klappert, scheppert oder brummt motorisch. Man trifft Vogelkundler, die ihre Blicke – meist mit Ferngläsern geschärft – in den Wipfeln der Baumriesen schweifen lassen. Welche Tierarten sich in der Parkanlage Tannenfeld zu Hause fühlen, wird gerade untersucht.

Für die geplanten Bauarbeiten an den Immobilien im Park ist ein Artenschutzfachbeitrag nötig. Den erstellt der Fachdienst Natur- und Umweltschutz des Landratsamtes. Dort ist man gespannt, was bei dieser Untersuchung herauskommt. „Über die Tiere, die in Tannenfeld leben, wissen wir sehr wenig“, sagt Fachdienstleiterin Birgit Seiler. Die Untersuchung jetzt sei insofern interessant, weil sie das Leben in einer Parkanlage analysiert, die über viele Jahre hinweg von Menschenhand gepflegt worden sei.

In Tannenfeld trifft man Susan Köhler. Die 44-Jährige lebt im benachbarten Großstechau und beschäftigt sich seit 2004 mit der Geschichte von Schloss Tannenfeld, mit dem Leben von Anna Dorothea von Kurland und dem Musenhof Löbichau. In mehr als zehn Jahren hat sie so viel Wissen zusammengetragen, dass sie seit geraumer Zeit Führungen unter anderem durch Tannenfeld anbietet.

Man begegnet ebenso Menschen wie Thomas Langer aus Frohnsdorf. Ihn fasziniert das Leitungssystem, dass Schlösschen und Villen in Tannenfeld einst aus vier Quellen via Wasserturm mit Wasser versorgte.

Die meisten Menschen, die Tannenfeld, sein Schlösschen, seine Villen und seinen Park kennen, sind in diesen Tagen froh, dass dieser Ort aus dem Dornröschenschlaf geholt werden soll. Aber hoffen, dass es ein sanftes Erwachen wird.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.