Sonntags ist Waschtag

Nah dran: Wenn sich Bocks zum Gärtner machen, kommt ein Museum raus. In Rudolstadt-Volkstedt lädt in vier Wochen eine private Schau von Uromas Leib- und Küchenwäsche ein.

Waeschemuseum der Familie Bock in Rudolstadt:

Waeschemuseum der Familie Bock in Rudolstadt:

Foto: zgt

Rudolstadt. Weggeworfen wird bei Bocks nichts. Jedenfalls nichts, was noch gut, also zu gebrauchen ist. Das Ehepaar hat Freude am Nützlichen, sieht nicht nur den Gebrauchswert, sondern die Schönheit alter Alltagsgegenstände.

"Schauen Sie nur, hier, diese herrlichen Perlmuttverzierungen!" Heidi Bock streicht voller Achtung über den schwarz lackierten Sockel einer alten Nähmaschine. Sie hat dazu erst ein paar Wäschestücke zur Seite schieben müssen, denn auch im ausgebauten Schuppen ist der Platz nun knapp geworden.

Im Haus ist sowieso kaum eine freie Ecke zu finden. Überall stehen und hängen kupferne Backformen, tönerne Krüge, irdene Schüsseln, Lampen, die älter als die Elektrizität sind, Regale, die nur der guten Pflege wegen nicht an den Holzwurm gefallen sind, und ein Sofa vom Flohmarkt. Anderswo hieße das Bocksche Zuhause Volkskundemuseum, doch hier ist das Museum lebendig, weil bewohnt und genutzt. Hier setzt nichts Staub an, höchstens die Patina des Gebrauchs. "Ich bin in diesem Haus geboren, vor sechzig Jahren", erzählt Heidi Bock, "da kann ich doch nichts aus meiner Familie wegschmeißen."

Begonnen hat alles, als die "jungen Leute" vor gut zwei Jahrzehnten die Wohnung der Oma im Erdgeschoss übernommen haben. Die Ahnin hatte um 1900 geheiratet, da gab’s noch eine Aussteuer fürs Leben. "Wir haben natürlich auch was erneuert", sagt Dieter Bock. Bescheiden verschweigt der 61-Jährige, dass ganze Wände versetzt und Fußböden verlegt werden mussten, was eben so anliegt in einem Haus aus den 1920-er Jahren. Die Erbstücke hat Ehefrau Heidi gehütet und nach dem Umbau auf die vom Gatten abgebeizte Kommode gestellt.

Mag sein, dass sie als gelernte Textilfachverkäuferin einen besonderen Blick und ein Händchen für die schöne, schwere Wäsche und ihre Pflege hat. Inzwischen ist sie selbst Großmutter und erkennt, wie wichtig es ist, den nachfolgenden Generationen Überliefertes zu bewahren.

Aus der Not der Arbeitslosigkeit macht sie die Tugend der persönlichen Heimarbeit. Haus und Garten ist anzusehen, dass die Bocks mit Herzblut und Freude gestalten und werkeln. Dieter Bock macht mit, wenn er nicht um die Ecke im Autohaus arbeitet. Oder schnitzt. Oder zur Gitarre greift.

Der Umbau des Hauses schaffte auch Platz für das, was in vier Wochen als Privatmuseum eröffnet werden soll. Weil eine Gasheizung keine Kohlen mehr braucht, wurde der Bunker frei, und Heidi Bock konnte ihre Schätze – längst nicht mehr nur aus der Familie, sondern auf Trödelmärkten aufgetrieben – auf rund zwei Dutzend Quadratmetern ausbreiten: Handtücher mit Monogramm und Nummerierung, Nachthemden mit filigraner Spitze, Pluderunterhosen mit Schnürung, Leibchen, Waschanleitungen, Stickmustertücher.

Das älteste Stück ist eine Wäschemangel von 1836. Wie viele Exponate ihre Sammlung zählt, wissen Bocks nicht. Sicher ist: Der Platz wird schon wieder knapp, obwohl einige Stücke sogar an der Decke hängen. Auch vor dem Flachbau stehen Waschbottich, Handmangel, Seifenkartons, Kohlebügeleisen, Wäscheklopfer und, und, und. Als Museumswärter hat der Hausherr geschnitzte Geister postiert. Und nebenan, im ehemaligen Hühnerstall und Taubenschlag, setzt sich die Sammlung fort mit Körben, alten Schildern und der Originalschrift an der alten Schillerschule von Rudolstadt.

"Das müsst ihr öfter zeigen!" Die Besucher, die seit Jahren am Tag der offenen Gärten auch in Bocks 1300 Quadratmeter großes grünes Reich kommen, waren von den Anfängen des Wäschemuseums begeistert. Mit einigen Spenden von Antiquitäten verliehen sie ihrer Aufforderung Nachdruck. Weil Heidi Bock selbst handarbeitet und so die Techniken, Kniffe der Wäschepflege und Abläufe von großen Waschtagen erklären kann, und weil Dieter Bock als Mechaniker die Wunderwerke alter Technik versteht, lassen sich die beiden nun nicht länger bitten.

Am 29. April öffnet das Bocksche Privatmuseum zum ersten Mal. Bis zum Oktober ist die Schau "Uromas Leib- und Küchenwäsche" immer am letzten Sonntagnachmittag des Monats geöffnet. "Wir haben mit den Besuchern am Tag der offenen Gärten durchweg positive Erfahrungen gemacht", berichtet Dieter Bock und erzählt von Freundschaften, die dadurch entstanden und längst über den Tausch von Pflanzen hinaus gehen. Deshalb ist seine Frau auch bereit, das Wäschemuseum außerhalb der Öffnungszeiten aufzuschließen, würden Schulklassen oder andere Interessenten bei ihr anfragen.

Eintritt für ihr kleines Museum wollen Heidi und Dieter Bock nicht kassieren. "Nur für uns alleine zu sammeln, daran hätten wir keine Freude." Die Freude der anderen ist beiden Lohn genug.

Bocks Museum zeigt Uromas Leib- und Küchenwäsche Am Bahndamm 27 in Rudolstadt-Volkstedt; Öffnungszeiten: am letzten Sonntag im Monat, 14 bis 17 Uhr; telefonische Anfragen unter (0 36 72) 35 01 28

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