Studieren und schwimmen: 19-jähriger Geraer geht in die USA

Gera  Der 19-jährige Niclas Geyer wird ab August mit einem Sport-Stipendium in den USA studieren und gemeinsam mit dem 50-köpfigen Schwimmteam der Wingate-University trainieren.

Der 19-jährige Geraer Niclas Geyer in seinem Element. Ab August geht es für den Abiturienten zum Studium an die Wingate-University in North Carolina. Foto: Jens Lohse

Der 19-jährige Geraer Niclas Geyer in seinem Element. Ab August geht es für den Abiturienten zum Studium an die Wingate-University in North Carolina. Foto: Jens Lohse

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Niclas Geyer ist ein ruhiger und nachdenklicher Typ. Bevor der 19-jährige Geraer antwortet, wägt er seine Worte genau ab, überlegt, was er sagen möchte und wie er sich am besten ausdrücken kann. Unbedachte Äußerungen sind von ihm nicht zu erwarten. Eine Eigenschaft, die ihm ab August sicherlich zugute kommen wird. Der Abiturient des Erfurter Sportgymnasiums „Pierre-de-Coubertin“ hat ein Stipendium für ein Studium in den USA erhalten. Vier Jahre wird das Studium an der Wingate-University im Bundesstaat North Carolina, Fachrichtung „Business Management und Administration“, dauern. Das Besondere daran? Geyer ist Sport-Stipendiat und wird während des Studiums gemeinsam mit dem Schwimmteam der Universität trainieren.

Chance, Sport und Studium zu verbinden

„Das ist eine tolle Chance für mich, auf diese Weise die Kombination aus Sport und Studium weiterzuführen“, erklärt der Schwimmer. „In Deutschland ist es praktisch unmöglich Leistungssport und Studium unter einen Hut zu bekommen. Deswegen wollte ich diese Gelegenheit einfach nutzen. Für mich hat das Studium Priorität. Das hätte in Deutschland bedeutet, die Badehose an den Nagel zu hängen.“

Dabei erwartet den gebürtigen Geraer eine große Herausforderung in dem 50-köpfigen Schwimmteam der Wingate-University. Trainiert wird am Vormittag und am Abend, dazwischen geht es für die Sportler zu den Vorlesungen. „Aber es ist eine Erfahrung, die ich machen möchte und mich reizt diese Herausforderung“, meint Geyer. „Auf diese Weise kann ich das Schwimmen beibehalten, damit haben sich dann die sportlichen Mühen der letzten Jahre gelohnt. “

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Und davon gab es einige. Nach einem normalen Schwimmkurs in Gera fiel für Geyer die Entscheidung, die Sportart weiter zu betreiben und an Wettkämpfen teilzunehmen. Nach der vierten Klasse wechselte er von Gera auf das Erfurter Sportgymnasium. Bei den deutschen Meisterschaften erreichte der Geraer 2015 schließlich sogar den vierten Platz über 1500 Meter Freistil. „Das Schwimmen schafft eine unglaubliche Verbindung zu den Teamkameraden. Und man kommt weit rum, wir waren zu Wettkämpfen in Dresden, Hamburg und Berlin. Das genieße ich schon sehr und bin froh, das unter anderen Vorzeichen weiterführen zu können“, ergänzt Geyer. Auch wenn sich das Training in den USA komplett von Deutschland unterscheide. Während die Sportler in Deutschland von einem Trainer betreut würden, stünde in den USA ein kompletter Trainerstab für die Betreuung bereit. „Auch das Training an sich unterscheidet sich stark. In Deutschland wird vor allem auf Grundlagen, wie Ausdauer gesetzt. Darauf baut dann die Intensität auf“, erklärt der Schwimmer: „In den USA wird von Anfang an auf Intensität gesetzt. Die Sportler trainieren bewusst an der Leistungsgrenze. Dort ist alles kürzer und knackiger.“

Auch die wichtigsten Kontakte sind bereits hergestellt, wie Geyer anfügt.

So steht er permanent mit seinem neuen Trainer in Verbindung. „Da kommt natürlich viel Organisation zusammen. Was im Vorfeld an Papierkram zusammenkommt ist unglaublich, zum Beispiel für das Visum oder die Studiengebühren. Aber mit Geduld und Ausdauer ist das alles zu bewältigen“, meint der 19-Jährige.

Ohne Stipendium wäre das Studium wohl ein unerfüllter Traum geblieben. So sind in den USA Studiengebühren zwischen 30 000 und 60 000 Dollar keine Seltenheit. Ermöglicht hat das Ganze die Organisation „Scholarbook“, die jedes Jahr Sport-Stipendien in den USA für talentierte Sportler vergibt.