Stumme Zeugen in Jena: Denkmäler für Schiller

Jena  Stumme Zeugen (20): Denkmal ehrt einen der bedeutendsten deutschen Universalgelehrten.

In Jena finden sich gleich mehrere Denkmale, die an den Dichterfürsten erinnern.

In Jena finden sich gleich mehrere Denkmale, die an den Dichterfürsten erinnern.

Foto: I.Voigt

Der 20. Teil unserer Denkmalserie beschäftigt sich mit einem Mann, der in Jena sicher den meisten bekannt sein dürfte. Es geht um Friedrich Schiller.

In Jena finden sich gleich mehrere Denkmale, die an den Dichterfürsten erinnern. Beispielsweise am Camsdorfer Ufer in Höhe der Magnus-Poser-Straße und natürlich auf dem Grundstück seines Gartenhauses. Das markanteste, vielleicht auch bekannteste steht allerdings am Löbdergraben vor dem Hauptgebäude der Universität, die passenderweise seit 1934 nach Schiller benannt ist.

Der Ort ist bewusst gewählt, denn von hier sind es nur einige Schritte bis zum Griesbachschen Auditorium, in dem der Universalgelehrte am 26. Mai 1789 seine Antrittsvorlesung unter dem Titel „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“ hielt.

Daher findet sich auf dem Sockel des Denkmals unter der Büste auch ein Zitat aus diesem Vortrag: „Unser menschliches Jahrhundert herbey zu führen, haben sich alle vorhergehenden Zeitalter angestrengt. Unser sind alle Schätze, welche Fleiß und Genie, Vernunft und Erfahrung im langen Alter der Welt endlich heimgebracht haben.“ Der Erinnerungsstein steht allerdings seit 45 Jahren an seinem jetzigen Standort. Wie kam es dazu?

Jenas erstes Schillerdenkmal wurde 1847 aufgestellt und befindet sich noch immer im Garten seines Sommerhauses. Es ist jener Granitblock auf dem zu lesen ist: „Hier schrieb Schiller den Wallenstein 1798 / D.G. Kieser erexit 1846“. Der Zusatz über den Stifter kam freilich später hinzu und enthält zudem eine falsche Jahreszahl.

Der Mediziner Dietrich Georg Kieser ließ den Stein damals in der westlichen Ecke des Gartens aufstellen, dort, wo einst Schillers „Gartenzinne“ stand. Die Kosten von 40 Talern bestritt er aus Spenden. Heute steht er nicht mehr an seinem einstigen Standort, sondern wurde 1889 versetzt.

Nur wenige Jahre später gab es im Vorfeld zum 100. Geburtstag des Dichters die Überlegung, Schiller ein eigentliches Denkmal nebst Abbild zu setzen. Die Initiative ergriffen dabei Frauen und Jungfrauen Jenas, besonders die Ehefrauen der Mitglieder des Jenaer Schiller-Komitees. Im Oktober 1859 wurde zu Spenden aufgerufen, um das Denkmalprojekt zu realisieren. Mit dem Geld sollte eine Büste erworben werden, die nach dem berühmten Original des Bildhauers Johann Heinrich Dannecker gegossen war. 106 Jenenserinnen kamen dem Aufruf nach und brachten so 104 Taler und 25 Silbergroschen zusammen. Durch Kontakte über die Schiller-Pflege in Rudolstadt wurde es nun möglich, einen Abguss zu bekommen, der bereits Jahre vorher nach einem Gipsmodell Danneckers in der Fürstlich-Schwarzburgischen Erzgießerei in Katzhütte hergestellt wurde.

Wann genau die Büste entstand, ist bis heute nicht restlos geklärt. Auf der Rückseite des am Unihauptgebäude befindlichen Denkmals liest man neben der Gießerei in Katzhütte auch die Jahreszahl 1843. Neuere Nachforschungen gehen aber davon aus, dass der Abguss vermutlich schon vor 1840 erfolgte. Mit dem Geld konnte jedenfalls das Konterfei Schillers bezahlt werden, denn die Büste kostete 50 Taler. Von der übrigen Summe wurde ein Posament aus Seeberger Sandstein für 33 Taler gekauft. Am 1. November 1859 wurde der Stein provisorisch im Garten der Sternwarte aufgestellt und während der Schiller-Feier am 11. November bekränzt. Zum 55. Todestag Schillers (9. Mai 1860) schenkten die Stifterinnen dann den Stein nebst Büste der Stadt Jena.

Büsten ausgetauscht

Das dritte Denkmal wurde schließlich 1889, anlässlich des 100. Jahrestages seiner Antrittsvorlesung, errichtet. Die Geschichte dieses dritten Steines reicht aber schon einige Jahre länger zurück.

Einen guten Monat vor der Schiller-Feier 1859 gab es die Überlegung, eine Schiller-Statue (zusätzlich zur schon bestehenden Büste) in der Saalestadt aufzustellen. Hierfür wurde eigens im Dezember 1859 ein Komitee für die Errichtung eines Schiller-Denkmals gegründet und mit einem Fonds ausgestattet. Weiter geschah nichts, außer, dass über die Jahre hinweg Spendengelder in Höhe von 7835 Mark zusammenkamen. Ende Juli 1884 wurde das Komitee nebst seiner Barschaft an die Universität übergeben. Wieder passierte einige Jahre nichts, bis man sich 1888 verpflichtet sah, das einstige Vorhaben im Zuge der für das kommende Jahr geplanten Feier endlich umzusetzen.

Der Berliner Architekt Karl Hoffacker wurde mit dem Entwurf für das Denkmal beauftragt. Er bezog die aktuell noch alleinstehende Büste Schillers in der Art ein, dass er ihr zu jeder Seite eine bogenförmige Bank aus poliertem Granit setzte. Der Vorschlag wurde von der Universität akzeptiert und anschließend im Frühjahr 1889 durch die Berliner Steinmetzfirma A. Hoffmann ausgeführt. Nun passte aber die matte Eisenbüste wenig zum glänzenden Granit. Folglich entschloss man sich dazu, eine neue Büste aus Bronze anstelle der eisernen aufzustellen. Diese war etwas kleiner und stammte von der Kunstgießerei E. Hoepner aus Berlin. Am 22. März 1889 wurden die Büsten ausgetauscht. Die 1859 gesetzte erwarb anschließend die Familie von Tümpling, um sie im Park ihres Schlosses „Thalstein“ unweit von Wenigenjena aufzustellen.

Das neue Denkmal wurde schließlich mit einem Festakt, der zunächst in der Kollegienkirche begann, pünktlich am 26. Mai 1889 eingeweiht. Bis 1978 stand es nun an seinem Platz und wurde danach zugunsten der rekonstruierten „Gartenzinne“ entfernt. Bereits fünf Jahre zuvor war die eiserne Büste von 1859 restauriert und mit dem jetzigen Sockel an ihrem heutigen Standort am Löbdergraben aufgestellt worden. Damit ist das einstige erste Jenenser Schiller-Denkmal heute, wenn auch in abgewandelter Form, noch immer zu sehen.

Im Dornröschenschlaf der Geschichte

Bei einem Gang durch Jena oder einem Spaziergang im Umland fällt einem hier und da ein stummer Zeuge der Geschichte am Wegesrand auf, einstmals aufgestellt, um an eine Persönlichkeit oder ein Ereignis zu erinnern. Gedenken und Nichtvergessen sind zutiefst menschliche Bedürfnisse, auch wenn das Setzen von Denkmalen weitestgehend aus der Mode gekommen ist. Im Alltag finden viele dieser Zeitzeugen nur selten Beachtung. Häufig ist den Menschen nicht mehr die Bedeutung oder die Geschichte hinter jenen Denkmalen bekannt. Doch ein genauer Blick lohnt, meist ergeben sich spannende Begebenheiten und Hintergründe, die vom Staub der Geschichte befreit und aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden wollen. – In einer Serie sollen einige dieser Zeitzeugen wiederentdeckt werden. Dabei ist der Begriff des Denkmals nicht nur im klassischen Sinn zu verstehen, sondern auch als Gedenkort, Naturdenkmal oder sonstiger Gegenstand, der an etwas erinnert.

Welche stummen Zeugen kennen Sie? Schreiben Sie uns an: jena@tlz.de

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