Stumme Zeugen in Jena: Erinnerung an Stadtbaumeister Uhlitzsch

Jena  Der Stadt in treuen Diensten: Ein Stein auf dem Plateau der Jenaer Sonnenberge erinnert an Carl Uhlitzsch.

Der Gedenkstein für Carl Uhlitzsch (1827 bis 1891).

Der Gedenkstein für Carl Uhlitzsch (1827 bis 1891).

Foto: Voigt

Um das heutige Denkmal zu erreichen, muss man sich etwas sportlich betätigen.

Am einfachsten startet die Wanderung an der Papiermühle. Direkt gegenüber am „Cospedaer Grund“ findet sich eine Tafel mit einer Karte. Dort beginnt der weiß-rot-weiße Wanderweg. Alternativ kann man auch der Markierung der Saale-Horizontale folgen.

Zunächst geht es noch gemächlich, dann steil über Treppen den Berg hinauf. Der anfänglich kühlende Wald verschwindet nach etwa fünf bis zehn Minuten, je nach Kondition. Nun befindet man sich fast schon direkt an den Sonnenbergen, die ihrem Namen gerade jetzt im Hochsommer alle Ehre machen. Festes Schuhwerk ist unerlässlich, denn der schmale, aber gut zu begehende Weg hat hier schon ein wenig alpinen Charakter.

Bergauf über staubiges Geröll

Über staubiges Geröll des Jenaer Muschelkalksteins geht es nun weniger steil, aber dafür kontinuierlich bergan. Schon jetzt bekommt man einen schönen Blick gen Süden präsentiert. Unterwegs laden einige Bänke immer wieder zu einer Rast ein. Nach 15 bis 20 Minuten erreicht man schließlich, zuletzt über eine große Steinstufe, das Plateau der Sonnenberge. Direkt vor einem ist das Uhlitzsch-Denkmal, aber auch zwei neue Bänke, auf denen man sich erst einmal ausruhen kann, um den grandiosen Blick über die Silhouette Jenas bis hin zur Leuchtenburg zu genießen. Gegenüber schaut der Bismarckturm aus dem Wald heraus, auch Friedensberg und Paradies sind gut zu sehen. Ein schönes Fleckchen Erde, das auch schon die Zeitgenossen vor mehr als 125 Jahren zu schätzen wussten.

Es ist daher kein Zufall, dass genau an dieser Stelle an den Stadtbaumeister Carl Uhlitzsch erinnert wird.

Sein Denkmal, welches durch Spenden seiner Freunde finanziert wurde, ist schlicht gehalten. In der Mitte findet sich ein großer Braunkohlequarzblock, der einstmals von Waldeck an die Saale gebracht wurde. Rechts und links daneben sind Natursteine drapiert. Früher gab es auch einmal direkt am Denkmal eine Bank, heute sieht man davon nur noch Reste. Auf dem Quarzblock ist schließlich eine gusseiserne Tafel mit der Inschrift „Carl Uhlitzsch / 1862-91 / die Stadt Jena“ angebracht. Die Jahreszahlen verweisen auf die Dienstzeit des Baumeisters und nicht auf seine Lebensdaten.

Geboren wurde Carl Uhlitzsch am 26. Dezember 1827 in Neustadt an der Orla. Unter seiner Regie wurden etliche Straße und Anlagen in Jena gebaut, vor allem aber geht auf ihn die Bewaldung der Sonnenberge zurück. Bei seinem Dienstantritt 1862 war die Gegend westlich des Landgrafen noch kahl und öde. Uhlitzsch sorgte dafür, dass Hunderte Schwarzkiefern gepflanzt wurden. Diese Art ist gerade wegen ihrer geringen Ansprüche bestens für eine solche Lage wie an den Sonnenbergen geeignet, stammt sie doch ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Bis zu seinem Tod am 31. September 1891 war ein ansehnlicher Wald entstanden. Zusätzlich hatte der Verschönerungsverein von Jena die Gegend durch einen Promenadenweg vom Cospedaer Grund bis zum oberen Ende des Pfaffenstiegs erschlossen, der noch heute begehbar ist.

Hochbefriedigt von der sehr gelungenen Feier

Das Denkmal für Uhlitzsch wurde am 8. Mai 1892 eingeweiht. Zu einer kleinen Feierlichkeit kamen gegen 17 Uhr immerhin 100 Personen vor Ort zusammen. Neben Uhlitzschs Kindern war auch eine Reihe städtischer Prominenz zu gegen. So lobte sein Nachfolger, Stadtbaumerster Cosack, die Verdienste seines Vorgängers, auch Bürgermeister Gottlieb Heinrich Singer war voll guter Worte für den Mann, der über viele Jahrzehnte in treuen Diensten der Stadt stand. Schließlich legte Horst Lommer als Vorsitzender des Verschönerungsvereins einen Lorbeerkranz nieder. Danach zerstreute sich die Menge wieder und jeder ging „hochbefriedigt von der sehr gelungenen Feier“ nach Hause.

Falls Sie, liebe Leser, einmal am Rande der schönen Sonnenberge spazieren oder wandern gehen, kennen Sie nun den Mann, dem die Stadt den schattenspendenden Wald zu verdanken hat.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.