Teilung lebt in Köpfen weiter: Filmdreh beim Grenzerstammtisch im Saale-Orla-Kreis

Blankenberg  „Heute herrscht ein bisschen mehr Trubel als sonst“, beginnt Otto Oeder seine Begrüßungsrede. Denn der ­Blakenberger Gasthof war nicht nur anlässlich des Grenzerstammtischs gut gefüllt. Zwischendrin wuselte noch ein ­junges Fernsehteam herum.

Ein Filteam drehte jetzt beim Grenzerstammtisch in Blankenberg. Aus diesen und weiteren Aufnahmen soll ein 45-minütiger Dokumentarfilm werden.

Ein Filteam drehte jetzt beim Grenzerstammtisch in Blankenberg. Aus diesen und weiteren Aufnahmen soll ein 45-minütiger Dokumentarfilm werden.

Foto: Sophie Filipiak

­Filmemacher Marius Brüning machte einige Aufnahmen für seinen Dokumentarfilm. „Mit dem Drehen haben wir Mitte Dezember begonnen“, erklärt Marius Brüning. Eine Woche lang waren sie im Deutsch-Deutschen Museum in Mödlareuth und haben unter anderem bereits mit Otto Oeder gesprochen. Nun beginnt die zweite Drehphase. Dabei machte der Grenzerstammtisch den Anfang, dann reist das Filmteam weiter zum ehemaligen Grenzübergang Helmstedt/Marienborn und von da aus zur Ostsee. Für den Dokumentarfilm hat das junge Team freie Hand, nur die Länge von 45 Minuten ist vorgegeben. „Die Idee zu dem Thema hatte ich nach der Bundestagswahl“, so der junge Filmemacher. Ost und West wählten unterschiedlich - vor allem was die AfD betraf. Die ehemalige Grenze könnte also noch existieren - wenn auch nur in den Köpfen. „Ich bin ein Nachwende-Kind, ich persönlich mache keinen Unterschied zwischen Ost und West“, so Marius Brüning. Er wollte der Sache aber auf den Grund gehen und wählte für seinen Diplomfilm den Titel „Ost / West - Relikte einer Grenze“. Darin soll es nicht nur um die noch erhalten Überbleibsel der deutschen Teilung gehen, sondern auch um die Grenze in den Köpfen.

Am Grenzerstammtisch habe ihm besonders die Offenheit der Teilnehmer gefallen: „Immer wieder ist einer der Gäste aufgestanden und hat über seine Erlebnisse berichtet - und das sehr offen“, erzählt Marius Brüning. Zu Beginn des Abends beobachtet das Filmteam nur, macht Nahaufnahmen der Redner. Dann - nachdem einige schon gegangen sind - folgen die Einzel-Interviews. „Es waren viele interessante Leute da“, begeistert sich der Filmemacher. Aber eine Erkenntnis bleibt: Bei der Generation, die die deutsche Teilung - egal auf welcher Seite - miterlebt haben, bleibt sie ein Stück weit immer noch in den Köpfen. „Es ist aber toll, dass, trotz der unterschiedlichen Biografien, die ehemaligen Grenzer nun zusammensitzen und ihre Geschichte erzählen“, so ­Marius Brüning.

Konkreter Sendeplatz steht noch nicht fest

Die erste Rohfassung des Films soll Anfang März fertig sein. „Dann entscheidet sich, ob wir noch einige Nachdrehs machen müssen oder nicht.“ Im Mai wird dann die Endfassung vollendet sein. „Die Chancen, dass der Film dann auch im Fernsehen erscheint, stehen gut“, so Marius Brüning. Ein konkreter Sendeplatz steht noch nicht fest, aber eine Ausstrahlung noch in diesem Jahr ist wahrscheinlich.

Und die Teilnehmer hatten einiges zu erzählen. Allen ­voran Otto ­Oeder. Er gab einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein Höhepunkt war der Grenzerstammtisch im Juli, als Peter Richter von seiner Flucht 1962 erzählte. Ihm ­gelang per Interzonenzug die Flucht aus der DDR. Auch der bekannte Ballonflüchtling Günter Wetzel war 2017 beim Stammtisch dabei. Auch beim Treffen in Blankenberg sitzt er inmitten der ehemaligen Grenzer.

„Früher standen wir uns gegenüber und heute?“, sagt Otto Oeder in die Runde. „Heute sitzen wir zusammen, reden und singen gemeinsam.“ Und schon erschallt das Rennsteiglied., das viele auswendig können. Jedoch gibt es an diesem Abend eine Neuerung. Eigentlich sind es zwei: zwei neue Strophen, die der Grenzerstammtisch dazu geschrieben hat. „Nach vielen bangen Jahren geschah ein Wunder dann, als Zaun und Mauer brachen und Einigkeit begann“, singen die Grenzer sowohl aus Thüringen wie auch aus Bayern mit Inbrunst. „Diesen Weg auf den Höh‘n darf ich wieder gehen, Freiheit ist errungen.“

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