Thüringer Archiv für Zeitgeschichte in Jena und Trägerverein feiern Jubiläum

Jena  Das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ und dessen Trägerverein „Künstler für Andere“ laden zur Jubiläumsfeier. Petra Grund erzählt aus der Perspektive der Ur-Mitstreiterin.

Petra Grund (links), Mitbegründerin der Projektgruppe "Künstler für Andere", und Katharina Kempken, Bildungsreferentin im Thüringer Archiv für Zeitgeschichte, zeigen Plakate, mit denen in den letzten Jahren der DDR für die alternativen Solidaritätsveranstaltungen geworben wurde. Foto: Thomas Stridde

Petra Grund (links), Mitbegründerin der Projektgruppe "Künstler für Andere", und Katharina Kempken, Bildungsreferentin im Thüringer Archiv für Zeitgeschichte, zeigen Plakate, mit denen in den letzten Jahren der DDR für die alternativen Solidaritätsveranstaltungen geworben wurde. Foto: Thomas Stridde

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Wie war das damals? 25- und 30-jähriges Bestehen feiern heute ab 17.30 Uhr im Café Wagner das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk" (ThürAZ) und dessen Trägerverein "Künstler für Andere". Der Verein war 1990 aus der 1986 entstandenen Jenaer Oppositionsgruppe gleichen Namens hervorgegangen. "Los ging es zu sechst", berichtet Petra Grund (56), eine der Ur-Mitstreiterinnen. Genauer: Bei ­Wochenendveranstaltungen der kirchlichen "Aktion Sühnezeichen" habe in den 80er Jahren bereits jene Solidarität im Brennpunkt gestanden, "die nichts mit staatlicher Solidarität zu tun hat", sagt Petra Grund.

Manch Basisgruppen-Treffen bei Rüstzeiten habe die Überlegung forciert, wie sich bestimmte Ideen "ein Stück weit verbinden lassen". Und so hätten seit 1986 bei den Veranstaltungen der "Künstler für Andere" auch regimekritische Autoren und Musiker eine Auftrittsplattform erhalten, seien Basare organisiert worden, so dass die Erlöse jeder Veranstaltung in Projekte fließen konnten: in Pakete für Angehörige verhafteter Chilenen oder ein Erziehungs- und Gesundheitszentrum der Befreiungsfront "Swapo" in Angola oder in Spenden für die Umweltbibliothek in Berlin.

"Reine selbstgemachte Solidarität", nennt Petra Grund diese Initiativen heute. Und sie möchte betont wissen: "Auslöser" sei der Hallenser und heutige Vereinsvorstandsvorsitzende Andreas Ilse gewesen, den sie damals auf einer Bulgarien-Tramptour kennengelernt hatte. Daher habe damals auch die enge Verzahnung von Mitstreitern aus Halle und Jena gerührt.

Die "Projektgruppe ,Künstler für Andere‘ im Johannissprengel der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde in Jena", so die offizielle Bezeichnung damals, stellte zwischen 1986 und 1990 genau 24 Veranstaltungen auf die Beine. Der Lyriker Uwe Kolbe gehörte zu den Gästen, ebenso die Schriftsteller Elke Erb, Lutz Rathenow, die Autorin und Regisseurin Freya Klier, Fotograf Harald Hauswald oder Sänger Stephan Krawczyk. "Es war immer voll", sagt Petra Grund.

Wichtig war der Rückhalt bei der Kirche

Wichtig sei der Rückhalt bei der Kirche gewesen. "Da hatten wir geschützten Raum", möge es dennoch hinreichend Bespitzelung gegeben haben, wie sich später in den Stasi-Akten nachlesen ließ. "Geahnt hatten wir das", sagt Petra Grund, die heute halbtags als Gemeindehelferin und zudem als amtsgerichtlich bestellte Berufsbetreuerin arbeitet. Sehr oft habe die Projektgruppe Gespräche mit den Kirchenleitungen geführt. Sie werde niemals vergessen, wie Superintendent Udo Siebert einmal seine Unterstützung ausdrückte: "Macht das, was in Nachfolge Christi passiert."

Das mag sich mit einem weiteren besonderen Projekt gedeckt haben: die Behinderten-Wohngemeinschaft in dem Dörfchen Hartroda zwischen Ronneburg und Schmölln. Zu Beginn zogen hier vier Behinderte und zwei Pfleger gemeinsam in eine Wohnung. "Künstler für Andere" organisierte eine Geldsammlung. Und so konnte eine Rollstuhlrampe finanziert werden.

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