Ulvi Kulac oder Gustl Mollath: Einer der anerkanntesten Forensiker in Berlin

Hans-Ludwig Kröber, der Forscher und Direktor des Instituts für forensische Psychiatrie der Berliner Charité sowie Gerichtsgutachterd hat das Buch "Mord - Geschichten aus der Wirklichkeit" geschrieben und in der Greizer Bibliothek vorgestellt.

Hans-Ludwig Kröber in Greiz. Foto: Karsten Schaarschmidt

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Greiz. Seine Heimatkunde erarbeitet sich Professor Hans-Ludwig Kröber, wie er sagt, über die Standorte der Gefängnisse und des Maßregelvollzugs. Tonna, Mühlhausen, Stadtroda seien Thüringer Orte, an denen der forensische Psychiater bereits tätig war. Der Forscher und Direktor des Instituts für forensische Psychiatrie der Berliner Charité sowie Gerichtsgutachter hat "aus Urlaubs- und Freizeitvergnügen" das Buch "Mord - Geschichten aus der Wirklichkeit" geschrieben. Am Donnerstag stellte er gut 40 Gästen in der Greizer Bibliothek vor.

Kröber gehört zu den anerkanntesten, aber nicht unumstrittenen forensischen Gerichtsgutachtern Deutschlands. Vor allem seine Gutachten in den spektakulären Fällen um den geistig behinderten Ulvi Kulac, der jüngst vom Mordvorwurf an der siebenjährigen Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg frei gesprochen wurde, oder den über Jahre in der bayerischen Psychiatrie zwangsuntergebrachten Gustl Mollath sorgten für Diskussion.

Unabhängig von dessen Entlassung aus der Psychiatrie bescheinigt Kröber auf OTZ-Nachfrage, dass Mollath "psychisch schwer gestört" sei. Auch im Fall Kulac hält der Psychiater es weiterhin für "fragwürdig", ob das widerrufene Geständnis nicht doch zutreffend sein könnte, obwohl im jüngsten Prozess Staats- und auch Rechtsanwalt für Kulac einen Freispruch beantragten, den die Kammer bestätigte. Kröber, der die beiden Fälle als "Raritäten" im Gerichtsalltag bezeichnet, räumt dennoch ein, dass es "im juristischen Sinne zirka 15 Prozent Fehleinweisungen" von Beschuldigten in die Psychiatrie oder den Maßregelvollzug geben würde.

Eingang in sein Buch hätten weniger die aufsehenerregenden Fälle gefunden, sondern solche, die "man üblicherweise nicht kennt". So die Entführung einer jungen Frau, die vom Täter über Wochen als Sexsklavin missbraucht wurde, und den Fall eines Mannes, der wohl aufgrund seiner Alkoholsucht von einer zur nächsten Gewalttat stolperte. Kröber, der sich in Greiz sehr redselig gab, schildert die Fälle sachlich und mit Verständnis für die Opfer, aber auch in gewissem Maß für die Täter.

Am Ende der über zweistündigen Lesung hatten die Gäste einen Einblick in die Sicht- und Arbeitsweise eines forensischen Psychiaters. Es offenbarten sich ebenso jene Bereiche der deutschen Rechtssprechung, die durchaus reformbedürftig sind.

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