Vor dem Abriss bewahrt: Wer hat schon einen Wasserturm?

Wickersdorf  Sebastian Sussek und Marco Stauch haben den Wasserturm am Saalfelder Bahnhof vor Abriss gerettet. Und nun?

Sebastian Sussek (Foto) hat gemeinsam mit Marco Stauch vor Jahren den alten Wasserturm am Saalfelder Bahnhof gekauft. Nun denken sie darüber nach, was aus dem architektonischen Kleinod werden soll.

Sebastian Sussek (Foto) hat gemeinsam mit Marco Stauch vor Jahren den alten Wasserturm am Saalfelder Bahnhof gekauft. Nun denken sie darüber nach, was aus dem architektonischen Kleinod werden soll.

Foto: Guido Berg

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Was tun mit dem Turm? Sebastian Sussek und Marco Stauch haben vor acht Jahren den alten Wasserturm am Saalfelder Bahnhof gekauft. „Bei der Bahn waren sie in Gedanken schon dabei, ihn abzureißen, wenn ihn keiner kauft.“

Dafür, dachten sich die beiden Saalfelder, ist der um 1900 gebaute Turm zu schade. Als er in Betrieb war, diente er der Wasserversorgung von Dampfloks. Zur Bahnhofseite des Turmes zeigt ein Füllstandsanzeiger die im Tank befindliche Wassermenge an. „300 Kubikmeter passen rein“, erzählt Sebastian Sussek. In Saalfeld kennen den bald 40-Jährigen viele, da er 2018, wenn auch erfolglos, angetreten war, um Bürgermeister von Saalfeld zu werden.

„Türme haben mich immer gereizt“, beschreibt Sussek die Motivation für den damaligen Kauf: „Wer hat schon einen Wasserturm?“ Miterworben haben die beiden Saalfelder auch weitere Nebengebäude. In einem war etwa „die Bahnreinigung“ untergebracht.

Natürlich haben sie sich schon Gedanken gemacht, welches Potenzial in ihrer backsteinernen Immobilie steckt. Die Räume sind urig und sehr originell, was sich bei privaten Geburtstagsfeiern schon erwiesen hat. Ein befreundeter Architekt hat vorgeschlagen, im Turm eine Galerie zu etablieren. Allein: Wer soll das bezahlen?

Es fehlt ein Ort für die Generation 40 plus

Ein Galeriebetrieb kann den Unterhalt so eines Standortes nicht sichern, und sie beide selbst können nichts zuschießen. Der Kauf des Turmes habe schon „unser ganzes Vermögen gekostet“, sagt Marco Stauch, der Metallbauer von Beruf ist. Irgendetwas mit Kunst und Kultur könnte es schon sein, denken beide. „Ein Investor könnte Blut lecken ...“, hofft Sebastian Sussek. Der Industriemechaniker und Hobby-Angler denkt auch an Konzerte, schließlich: „Tanzveranstaltungen für die Generation 40 plus gibt es überhaupt nicht in Saalfeld.“

Erst im Januar hatte Lutz Langer aus Saalfeld die Öffentlichkeit gesucht mit seinem Vorschlag, in Saalfeld eine Kleinkunstbühne mit etwa 100 Sitzplätzen zu eröffnen, einen Jazz- und Blueskeller beispielsweise, einen Ort für Comedy, Folklore und Schauspielerei. Auch Langer bemängelte, für die zahlenmäßig starke Generation 40 plus gebe es in der Kreisstadt keinen Veranstaltungsort.

Bereits 2013 hatten Schüler des Saalfelder Heinrich-Böll-Gymnasiums dem Turm im Rahmen eines Projektes eine Innen-Einrichtung verpasst. Das filigrane Pappmaché-Modell, das Sussek vorzeigt, deutet an, was da Feines gehen würde. In anderen Städten wurden Wassertürme bereits ausgebaut, etwa zu spektakulären Wohn-Adressen, beispielsweise in Angermünde (Brandenburg).

Vielleicht stellt sich ja eines Tages heraus, dass Sussek und Stauch kein schlechtes Werk taten, als sie den Wasserturm für Saalfeld retteten?

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