Was schwimmt denn da im Becken? - Immer wieder Bädersperrungen wegen Kot im Wasser

Gera/Schmölln/Zeulenroda  Immer wieder muss im Geraer Bad wegen Kot im Wasser gesperrt werden. Auch in anderen Bädern passiert das.

Wenn die aufmerksamen Schwimmmeister im Geraer Hofwiesenbad eine Verunreinigung durch Fäkalien im Schwimmbecken bemerken, sind sie verpflichtet, konsequent und sofort Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dazu zählt die Sperrung des betreffenden Beckens.

Wenn die aufmerksamen Schwimmmeister im Geraer Hofwiesenbad eine Verunreinigung durch Fäkalien im Schwimmbecken bemerken, sind sie verpflichtet, konsequent und sofort Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dazu zählt die Sperrung des betreffenden Beckens.

Foto: Peter Michaelis

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Treue Besucher des Hofwiesenbades werden es schon erlebt haben, dass sie am Eingangstresen umkehren mussten. Freundlich, aber bedauernd wurden sie über die Sperrung des Schwimmerbeckens informiert und mussten ihr Training sausen lassen. Mehrmals ist das im Jahr 2017 schon passiert, auch im Oktober.

Dahinter steckt leider meist eine unappetitliche Ursache: Fäkalien im Wasser haben eine Sperrung des betroffenen Beckens zur Folge. Ärgerlich ist das nicht nur für die Gäste, auch für Badpersonal und den Betreiber „Elstertal“-Infraprojekt GmbH, schließlich müssen sie Besucher wegschicken, die hier eigentlich ihre Runden ziehen und sich entspannen wollen. Stattdessen müssen sie einen Stopp des Wasserkreislaufs veranlassen, die Rinnenumschaltung auf Abflusskanal stellen, die Verunreinigung entfernen und eine Filterspülung durchführen. „Anschließend muss eine Hochchlorung des Beckenwassers auf 10 Milligramm pro Liter für mindestens zwei Stunden erfolgen. Der Badbetrieb kann erst wieder aufgenommen werden, wenn der Chlorgehalt wieder den zulässigen Normalwert erreicht hat“, antwortet die Stadtverwaltung Gera auf unsere Nachfrage nach dem Prozedere gegen mögliche Krankheitserreger und Keime. Beruhigend zu wissen, dass das Hofwiesenbad auf die konsequente Umsetzung seiner Hygienestandards pocht, auch wenn sich Sperrungen nicht vermeiden lassen.

Doch wer ist eigentlich verantwortlich für das große Geschäft im Becken? Kindern, Schülergruppen oder älteren Bürgern können die fäkalen Eintragungen scheinbar nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Ob sie auf Gäste mit Migrationshintergrund oder böswillige Einzelpersonen zurückzuführen sind, bleibt Spekulation. Denn stets entdecken die Schwimmmeister die Verunreinigungen erst, nachdem sie passiert sind. Eingeschränkte Sicht auf den Beckenboden bei bewegtem Wasser macht ein Auf-frischer-Tat-Ertappen unmöglich. Ein Vorbeugen durch die Installation von Kameras wird sich nicht umsetzen lassen, da es in öffentlichen Gebäuden laut Datenschutzgesetz nicht gestattet ist.

Geraer Bad ist mit dem Problem nicht allein

Alles in allem verursachen solche Sperrungen dem Bad auch einen wirtschaftlichen Schaden. Gäste, die sich ekeln, bleiben weg und der Betreiber auf den Kosten für die Wasseraufbereitung sitzen. Es ist zwar kein Trost, aber mit diesem Problem ist das Geraer Hofwiesenbad nicht allein. Auch im Zeulenrodaer Waikiki spricht Petra Dorst, stellvertretende Abteilungsleiterin für Bad- und Saunabereich, gar von „Alltag“ solcher Vorfälle. „Tatsächlich nehmen diese Fälle immer mehr zu“, sagt sie und erzählt von statistisch einem Vorfall pro Monat, bei Tagen mit hohem Besucheraufkommen entsprechend häufiger. Der oder die Verursacher würden in den seltensten Fällen gefunden. „Manche Eltern sagen immerhin Bescheid“, meint Dorst weiter und äußert in diesem Zuge die Vermutung, dass es sich vorwiegend um kleine Kinder handeln dürfte. Denn obwohl die eine Schwimmwindel tragen müssen, könne eben immer etwas passieren. Zuletzt sei vorletzte Woche einem Knirps das Malheur in einem kleinen Whirlpool passiert.

Kleinere Becken werden dann komplett abgelassen, gereinigt und neu befüllt. Dauer dieser Prozedur: Zwei bis drei Stunden, während der das Becken unbenutzbar ist. Die Verunreinigungen beträfen aber praktisch nur kleinere Becken.

Überrascht über diese negativen Erfahrungen zeigt sich Severin Kühnast, Geschäftsführer der Schmöllner Stadtwerke, die das Tatami betreiben. „Wenn es hoch kommt, einmal im Jahr in großen Becken“, bestätigt er aber solche Vorfälle in seinem Haus und „im Babybecken vielleicht alle zwei Monate.“ Dann wird das Becken geräumt, abgelassen und der Chloranteil „hochgeschraubt, bis die Proben wieder unbedenklich sind“, sagt Kühnast. Gerechnet auf 90 000 Gäste pro Jahr seien Fäkalien im Wasser zum Glück aber die „seltene Ausnahme.“

Übrigens: Wer bei einer mutwilligen Verunreinigung eines Beckens im Schwimmbad erwischt wird, muss mit Schadensersatzforderungen rechnen. Darunter zählen auch die Kosten der Reinigung und etwaige Einnahmeverluste.

Dazu der Kommentar Schwimmende Objekte

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.