Weinbauer auf 800-Kilometer langer Trecker-Protestfahrt nach Berlin

Bad Lobenstein  Auf seiner 800-Kilometer-Tour macht Gerhard Hoffmann Zwischenstopp auf dem Markt der Kurstadt.

Zwischenstopp auf dem Markt in Bad ­Lobenstein. Sogar ein Parkticket hat der Öko-Winzer Gerhard Hoffmann extra für seinen Traktor gelöst.

Zwischenstopp auf dem Markt in Bad ­Lobenstein. Sogar ein Parkticket hat der Öko-Winzer Gerhard Hoffmann extra für seinen Traktor gelöst.

Foto: Peter Hagen

Irgendwann ist es vorbei mit der pfälzischen Gemütlichkeit. „Wenn das Kilo israelische Karotten billiger ist als Möhren aus Deutschland, dann stimmt etwas nicht mehr“, ärgert sich der Landwirt Gerhard Hoffmann. Und weil mit Schimpfen allein nichts zu bewegen ist, hat er sich selbst in ­Bewegung gesetzt: Von Göcklingen an der südlichen Weinstraße hat er sich aufgemacht, um dem Landwirtschaftsministerium in Berlin einen Besuch abzustatten. Mit dem Traktor.

Am Dienstag kurz nach der Mittagszeit war der Markt in Bad Lobenstein erreicht. Brav wurde ein Parkticket bezahlt, um dann bei der kurzen Rast über das Anliegen zu berichten. „Es geht um die Zukunft unserer Landwirtschaft und die Rolle der Landwirte“, erklärt Gerhard Hoffmann. Er selbst sei Weinbauer. Genauer gesagt Bio-Winzer. Er sieht sich zwar als Vorreiter des ökologischen Weinanbaus. Doch als Mensch habe er „keine Probleme mit den konventionellen Landwirtskollegen“, sagt er. Schließlich wollten diese auch gute Produkte für die Verbraucher. Und so streite er jetzt bei seiner Tour für die Bio-Bauern gleichermaßen wie für die konventionellen Landwirte. Denn es gehe inzwischen um die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland und die Rolle des Landwirts überhaupt. Sowohl die Qualität der Produkte, als auch die Freiheit des Landwirts seien bedroht.

Am Montag hatte er in seinem Heimatort den „Agrarsturm auf Berlin“ gestartet. Mit 200 PS und maximal 50 km/h will er bis zum Mittwochabend Berlin erreichen. Für den Donnerstag ist dort um 11 Uhr ein Termin beim Bundesministerium für Landwirtschaft geplant.

Der Traktor bewegt sich unauffällig über die Landes- und Bundesstraßen. Kein Transparent, keine Losung ist zu sehen. „Ich mache das rein sachlich. Mir geht es um die Reaktion in Berlin. Dort werde ich sehen, was passiert“, sagt Gerhard Hoffmann. Die 800 Kilometer lange Tour durch Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin wird per Facebook öffentlich begleitet. Auf dem Profil „Agrarsturm“ soll gezeigt werden, wie Gerhard Hoffmann unterwegs ist. Wie er versucht, an verschiedenen Stationen mit konventionellen und ökologischen Landwirten ins Gespräch zu kommen, um deren Anliegen mit in die Hauptstadt zu nehmen. Eine Art Wunschliste mit den Forderungen aus dem ganzen Spektrum von Ackerbau, Viehhaltung, Obst- und Gemüseanbau und dem Weinbau soll entstehen, um diese der Bundeslandwirtschaftsministerin zukommen zu lassen. „Es liegt so unglaublich viel im Argen, dass es nicht mehr ausreicht, nur den Funktionären das Feld zu überlassen“, erklärt der Katholik, der sich selbst als engagiertes CDU-Mitglied bezeichnet.

Mit seiner Tour sollen auch vermeintlich Außenstehende sensibilisiert werden für die Probleme, mit denen in erster ­Linie die Landwirte konfrontiert sind. Eine Mitsprache auf Facebook ist ausdrücklich erwünscht, „natürlich ohne Hass und Aggression“, betont der genügsame Pfälzer. Die „unsinnige Form der Subventionen, irr­sinnige Bürokratie, Folgen des Klimawandels, der Stellenwert kleiner Bauernhöfe und die mangelnde preisliche Wertschätzung landwirtschaftlicher Produkte“ sind Inhalt der Gespräche mit den Berufskollegen entlang der Trecker-Tour.

Neben der Politik habe jedoch auch der Verbraucher eine Macht, um sich hochwertige ­Lebensmittel für die Zukunft zu sichern. Wer immer nur zum Billigsten greift, vergreife sich an der Zukunft kommender Generationen, ist Gerhard Hoffmann überzeugt. „Ich werde die Welt nicht verändern“, weiß er, „aber vielleicht kann ich wenigstens eine Diskussion anstoßen.“

Meine Meinung: Peter Hagen zur Protestaktion des pfälzischen Öko-Winzers

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