Werkstattbesuch bei Geigenbaumeister Gerd Mallon in Greiz

Eigenbauten und alte Italiener: Geigenbaumeister Gerd Mallon fertigt in seiner Greizer Werkstatt in aufwändiger Handwerksarbeit Streichinstrumente.

Geigenbaumeister Gerd Mallon baut und repariert in seiner Greizer Werkstatt Violinen. Foto: Marcel Hilbert

Geigenbaumeister Gerd Mallon baut und repariert in seiner Greizer Werkstatt Violinen. Foto: Marcel Hilbert

Foto: zgt

Greiz. Zum wiederholten Mal taucht Gerd Mallon seinen breiten Pinsel in das Marmeladen-Glas mit dem selbst angerührten Lack. Mit ruhigen und gleichmäßigen Handbewegungen verteilt er die Lasur auf dem glatten Holz. Ein kleines Radio säuselt am anderen Ende des Raumes vor sich hin, ansonsten ist es still in der kleinen Werkstatt in der Grünen Linde in Greiz. Und das, obwohl sich bei Mallons Handwerk doch eigentlich alles um laute und leise, helle und dunkle, hohe und tiefe Töne drehen müsste.

Der Großteil der Arbeit eines Geigenbaumeisters unterscheidet sich kaum von der jedes anderen Holzhandwerkers. Es wird gesägt, gehobelt, gefeilt, geleimt und gepinselt. "Man muss nicht unbedingt Geige spielen können, um Geigen zu bauen", meint der 46-jährige Greizer, während er weiter den gelb-braunen Farblack auf dem Korpus verteilt. Er selbst kann es seit der ersten Klasse, ist jetzt unter anderem mit der Musik-Formation "Folk-Projekt Greiz" unterwegs. "Es schadet aber auch nichts", fügt er mit einem Grinsen hinzu, "ich möchte mich mit meiner Kundschaft ja in der selben Sprache unterhalten können."

Diese Musik-Sprache als Grundlage hilft sicher auch, wenn die Kundschaft am anderen Ende der Welt lebt. "Sobald die hier fertig ist, geht sie nach Japan", meint der Handwerker mit Blick auf das Instrument vor ihm. Export, so betont er, sei eines seiner Hauptstandbeine, "Greiz allein ist für einen Geigenbauer kein Standort, um davon leben zu können."

Daneben baut Mallon seine Geigen auch für den Direktverkauf, repariert, restauriert und handelt sowohl Streich- als auch Zupfinstrumente. Und er repariert Bögen, "eigentlich ein eigener Beruf", den er als Service vor Ort mit ausübt.

Geigen, wie die in den Händen Mallons gehören übrigens zur preiswerteren Kategorie. "Hier verarbeite ich vorgefräste Einzelteile", sagt er. Weit mehr Spaß mache es ihm aber, die Instrumente vom Holzklotz bis zum fertigen Stück selbst zu bauen. Diese sind dann allerdings auch kostenintensiver, "richtig schöne Stücke gehen schon mal bis 10 000 Euro", so Mallon. Drei bis fünf Geigen entstehen jährlich auf diese Weise. Drei Monate dauert es, bis eine solche Geige fertig gestellt ist, der Vorlauf allerdings ist ungleich länger. "Mindestens 10 Jahre sollte das Rohholz, vorzugsweise Ahorn für Boden und Zargen sowie Fichte für die Decke, lagern und trocknen", erklärt Gerd Mallon. Er habe aber auch Holzstücke, die fast 100 Jahre alt sind.

Form und Farbe dieser Geigen sind dann auch so gut wie keine Grenzen gesetzt. So habe er neben typischen Modellen wie Stradivari oder andere "alte Italiener" auch Eigenkreationen im Angebot. "Es gibt hier viel Spielraum für Variationen, das ist das Schöne an der Geige, die Modulationsfähigkeit der Töne", so der Geigenbauer. "Im Gegensatz zu den italienischen Modellen mit ihrem hellen, brillanten Klang bevorzuge ich es eher etwas dunkler, schwarzer." Effekte, die durch die Wölbungen im Korpus oder durch die Spannung der Saiten durch den Steg erreicht werden können. Hier kann er dann sein gesamtes musikalisches Wissen einbringen.

Mallon hat mittlerweile die lackierte Violine zum Trocknen gehängt und sich eine andere geholt. Dieses bereits fertig lackierte Exemplar bearbeitet er nun mit der Ziehklinge, entfernt Pinselspuren und Unreinheiten. Den Beruf, so erzählt er währenddessen, habe er gewählt, da ihn sowohl die Musik, als auch die Handwerksarbeit interessierte. So trat er seine zweijährige Geigenbau-Lehre in Markneukirchen an, wo er bei Johannes Rubner lernte. Danach kehrte er nach Greiz zurück, um seine eigene Werkstatt zu eröffnen.

2012 feiere er 25 Jahre Selbstständigkeit. Da, so Mallon, auch Musikschule, Vogtland Philharmonie und Collegium Musicum im dem Jahr runde Geburtstage feiern, wäre es schön, gemeinsam etwas unter dem Motto "Musik in Greiz als Hobby und Beruf" auf die Beine zu stellen. "Mir schwebt eine Ausstellung in Greiz gefertigter Instrumente vor. Es wäre schön, wenn sich Leute aus Greiz und Umgebung, die solche Stücke besitzen oder interessante Geschichten zum Thema kennen, mit mir in Verbindung setzen könnten."

@

Der Greizer Geigenbaumeister Gerd Mallon im Internet: www.geigenbau-mallon.de

Zu den Kommentaren