Zum Navi-Test auf die Osterburg Weida

Weida  Der erste öffentlich GPS-Referenzpunkt in Ostthüringen ist gestern auf dem Weidaer Wahrzeichen enthüllt worden

Jürgen Müller (links) und Weidas Bürgermeister Werner Beyer bei der Enthüllung des Referenzpunktes.

Jürgen Müller (links) und Weidas Bürgermeister Werner Beyer bei der Enthüllung des Referenzpunktes.

Foto: Marcel Hilbert

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wie genau ist mein Auto-Navi, mein GPS-Gerät fürs Wandern oder Geocaching, meine Navigations-Funktion auf dem Handy oder Tablet?

Dieser Frage kann man seit gestern auf der Osterburg Weida nachgehen. Auf dem Schloss­gelände wurde in Verbindung mit der aktuellen Sonderausstellung „Vermessung“ ein Referenzpunkt zur Satelliten­navigation enthüllt.

Auf der Burgmauer am Ende des Burggartens wurde die Tafel befestigt, auf der die Koordinaten des Standortes zu finden sind. Durch einen Abgleich von Satellitendaten und hochgenauen Messpunkten auf der Erde weisen diese Koordinaten eine Genauigkeit von nur wenigen Zentimetern aus.

An diesen Koordinaten müssen sich die Angaben des eigenen Navigationsgerätes messen lassen. Beim ersten Test gestern konnten auf Handys Genauigkeiten von einem bis zwei Metern nachgewiesen werden. Ein guter Wert, sagt Stefan Blaufuß vom Thüringer Landesamt für Vermessung und Geoinformation. Die Behörde hatte den Referenzpunkt für die Stadt Weida realisiert. Abseits des Rennsteiges mit mehreren solcher Punkte ist es erst der dritte solche ­Referenzpunkt in Thüringen.

Die Genauigkeit, erklärt Blaufuß, hänge von der Zahl der ­Satelliten in Reichweite des ­Gerätes ab. Vier seien mindestens nötig, um einen Standort ­genau zu bestimmen. Die gute Lage auf der Osterburg ließ ­gestern bis zu 15 verfügbare ­Satelliten anzeigen, was die ­Genauigkeit natürlich begünstige. Man kann also sagen: Weicht das Navigationsgerät trotz der exponierten Lage um 20 oder mehr Meter ab, sollte man über ein Neues nachdenken. Fünf bis zehn Meter Abweichung seien noch im Rahmen.

Selbst „eichen“ kann man die Geräte nicht, das sei eine Hardware-Sache, erklärt Stefan ­Blaufuß, selbst erklärter Geo­caching-Freund. Gerade was die Koordinaten-Schatzsuche angeht, seien 20 bis 30 Meter Abweichung schon problematisch, ebenso beim Navigieren des Autos durch eine fremde Stadt.

Auch die Genauigkeit des Handy-GPS lässt sich mit dem Referenzpunkt überprüfen, dafür seien aber spezielle Anwendungen – Apps – erforderlich. Eine solche sei „Locus Map“, die es auch als abgespeckte ­Gratisversion gebe, sagt Blaufuß.

Das Landesamt für Vermessung und Geodaten habe den Punkt gesponsert, freut sich Jürgen Müller über die neue Errungenschaft. Der Professor der Dualen Hochschule kuratierte die aktuelle Sonderausstellung zu Vermessung und Satellitennavigation im Osterburgmuseum. Hier erfahren Interessierte Hintergründe zu den Verfahren und verschiedenen Systemen. „Das hochgenaue Messen war schon Kernaufgabe, als die Osterburg noch die Physikalisch-Technische Reichsanstalt beheimatete“, sagt er. Mit dem hochgenauen Referenzpunkt schließe sich dieser Kreis. Bürgermeister Werner Beyer (parteilos) begrüßte dieses nächste wichtige Detail auf dem Weg zum Wissens-Schloss Weida.

Heinrich Rotthaus vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation lobte das Nutzungskonzept für die Osterburg, mit dem Kinder und Jugendliche nachhaltig für naturwissenschaftlich-technische Themenfelder begeistert werden sollen.

„Auch Vermesser wissen, dass es immer schwerer wird, gut ausgebildeten Nachwuchs zu finden“, sagte er. Professor Jürgen Müller hob indes noch einmal hervor, dass das Landesamt seit­ 1. Januar eine große Zahl an bisher kostenpflichtigen Geodaten frei zur Verfügung stellt. Thüringen gehöre damit zu den Vorreitern in Deutschland.

Mehr Infos dazu und ein Infozettel zur Benutzung des Referenzpunktes unter: www. thueringen.de/ vermessung

Genauigkeit des GPS-Gerätes prüfen

1. Den Referenzpunkt Osterburg Weida aufsuchen

2. GPS-Empfänger auf Bezugssystem einstellen (ETRS89 oder WGS84)

3. GPS-Empfänger auf Referenzpunkt legen

4. Auf dem GPS-Empfänger die eigenen Standortkoordinaten bestimmen

5. Diese Koordinaten mit denen auf dem Referenzpunkt vergleichen.

Alternativ: Die Koordinaten des Referenzpunktes als Ziel ins eigene GPS-Gerät eingeben, dieses dann auf den ­Referenzpunkt legen und die Differenz zur Zielkoordinate anzeigen lassen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren