Zur Not mit Kissen: Geraer Hebammen rufen zum „Flashmob der Schwangeren“ auf

Gera  Auch in Gera wollen die Geburtsbegleiterinnen zum­ ­Hebammentag am 5. Mai auf Probleme ihrer Berufsgruppe aufmerksam machen – unter anderem mit einer „Warteschlange“ von Schwangeren.

Die Hebammen Birgit Hesse (links) und Katrin Reichert in der Gemeinschaftspraxis „Kugelrund“ in der Heinrichstraße. Fünf Hebammen teilen sich hier die Räume, um zumindest bei den Mietkosten zu sparen.Foto: Marcel Hilbert

Die Hebammen Birgit Hesse (links) und Katrin Reichert in der Gemeinschaftspraxis „Kugelrund“ in der Heinrichstraße. Fünf Hebammen teilen sich hier die Räume, um zumindest bei den Mietkosten zu sparen.Foto: Marcel Hilbert

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Bis nächsten Dienstag noch schnell schwanger werden – der Aufruf der Geraer Hebammen ist sicher nicht ganz ernst gemeint, das Anliegen ist es, auf das auch in Gera am 5. Mai zum Internationalen Hebammentag hingewiesen werden soll. Es geht um nicht weniger als die Zukunft dieser Berufsgruppe.

Für ihre Infoveranstaltung ab 15 Uhr am oberen Eingang des Elster Forums erhoffen sich die Hebammen die Unterstützung durch möglichst viele Schwangere. Und, falls es bis dahin doch zu kurzfristig ist, gern auch symbolisch mit Kissen unter dem Pullover. Mit einer großen Warteschlange soll publikumswirksam auf die schon jetzt vielerorts und auch in Gera herrschende Unterversorgung werdender Mütter mit Hebammen hingewiesen werden, wie Birgit Hesse und Katrin Reichert erklären.

Versorgungslage in Gera schon jetzt angespannt

„In Gera ist es schon seit ein paar Jahren schwierig. Selbst die Frauen, die sich rechtzeitig bemühen, haben unter Umständen Probleme, eine Hebamme zu finden“, sagt Katrin Reichert. „Ganz zu schweigen von denen, die erst kurzfristig auf uns zukommen.“ Jede Frau habe den Anspruch auf die Betreuung, ergänzt Birgit Hesse. Dem aber könnten die insgesamt 14 Hebammen, die vollständig oder in Teilzeit freiberuflich für Gera und das Umland zuständig seien, nicht immer gerecht werden. „Leider“, sagt Hesse: „Wir machen unsere Arbeit gern und es ist nicht schön, Frauen absagen zu müssen.“ Doch die Terminbücher sind voll. Dass im vergangenen Jahr die Zahl der Geburten in Gera wieder leicht gestiegen ist, sei schön, verschärfe die Situation aber noch.

Die sieht so aus, dass es zum einen „von der Anzahl her gern noch mehr Hebammen sein könnten“, so Hesse. Zum anderen brauche die gewissenhafte und professionelle Arbeit eben ihre Zeit. „Und dann sind wir bei der Bezahlung“, so Hesse. Die habe sich zwar zuletzt verbessert, dem stehen aber kontinuierlich steigende Beiträge zur Haftpflichtversicherung gegenüber. Eine solche brauche jede freiberufliche Hebamme, auch die, die in Teilzeit im Klinikum angestellt ist, sagt Katrin Reichert, die zu letzteren gehört.

Zum 1. Juli steht wieder ein kräftiger Anstieg der Beiträge an, wie Birgit Hesse erklärt. Demnach steige der Jahresbeitrag für freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, von etwas über 5000 auf nun etwa 6000 Euro. Ähnliche Anstiege gab es bereits in den Jahren zuvor. 500 Euro im Monat, die zu Krankenversicherung, Sozialbeiträgen, Praxismiete und so weiter dazukommen.

Gute Bedingungen für den Nachwuchs schaffen

Hohe Kosten für mögliche Schadensfälle werden als Begründung für die steigenden Haftpflichtbeiträge genannt und den Sinn der Versicherung an sich möchte Birgit Hesse auch nicht in Zweifel ziehen. Aber die Hebammen müssen von ihrer Arbeit leben können. Die Rahmenbedingungen müssten stimmen, damit sich zum einen junge Menschen für den Beruf der Hebamme begeistern können, zum anderen aber auch die bereits praktizierenden Hebammen nicht den Mut oder die Lust an ihrer Arbeit verlieren.

Auf all dies soll am Internationalen Hebammentag auch in Gera aufmerksam gemacht werden und den Forderungen des Deutschen Hebammenverbandes Nachdruck verliehen werden. Danach soll jede Frau mitbestimmen dürfen, ob sie ihr Kind daheim, in der Klinik oder im Geburtshaus zur Welt bringt, wie es auch in der Geraer Beethovenstraße eines gibt. Zudem wird gefordert, dass jede Frau in Wohnortnähe eine Hebamme finden können sollte und aktuelle Daten über die Unterversorgung mit Hebammenhilfe erhoben werden müssten, um Maßnahmen für eine flächendeckende Versorgung ergreifen zu können.

Weiter Informationen im Internet: www.unsere-hebammen.de

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