Münchnerin holt in Wandersleben Preis für erotische Literatur

Wandersleben  Sophia Fritz gewinnt in den siebten Menantes-Wettbewerb

Die fünf Finalisten des siebten Erotik-Literaturwettbewerbs an der Menantes-Büste (von links): Barbara Rieger aus Wien, Roland Bärwinkel (Weimar), Sophia Fritz (München), Antje Doßmann (Bielefeld) und Helge Streit (Wien). Den Jurypreis hat Sophia Fritz erhalten, den Publikumspreis Barbara Rieger. 

Die fünf Finalisten des siebten Erotik-Literaturwettbewerbs an der Menantes-Büste (von links): Barbara Rieger aus Wien, Roland Bärwinkel (Weimar), Sophia Fritz (München), Antje Doßmann (Bielefeld) und Helge Streit (Wien). Den Jurypreis hat Sophia Fritz erhalten, den Publikumspreis Barbara Rieger. 

Foto: Wieland Fischer

Die Ménage à trois spricht an. Jedenfalls so wie Sophia Fritz eine Dreiecksbeziehung in ihrer Erzählung schildert. Damit hat die Münchnerin die Jury des siebten Erotik-Literaturwettstreites am stärksten überzeugt. Zum Sommerfest im Musen-Pfarrhof Wandersleben wird das Geheimnis gelüftet – nicht, wer sich hinter den Personen des beschriebenen Dreierverhältnisses verbirgt, sondern dass die junge Autorin aus der bayrischen Landesmetropole den mit 2000 Euro dotieren Jury-Preis des Erotik-Literaturwettbewerbs erhält.

Barbara Rieger aus Wien liegt in der Publikumsgunst vorne. In geheimer Abstimmung haben das die Zuhörer nach den Vorträgen der fünf Finalisten entschieden, wobei das Reglement besagt, dass der vorher ermittelte Jury-Preisträger nicht beide Titel einheimsen darf.

Auch die anderen drei Finalisten – Roland Bärwinkel aus Weimar, Antje Doßmann (Bielefeld) und Helge Streit (Wien) – dürfen sich als Sieger fühlen, sagt Pfarrer Bernd Kramer vom Menantes-Förderkreis vermittelnd, als er mit Cornelia Hobohm die Preise überreicht.

Zum einen zählen sie zum erlauchten Kreis derer, die die Juroren aus insgesamt 450 Autoren mit mehr als 800 Beiträgen für das Finale des erotischen Literaturwettstreits ausgewählt haben. Der Jury gehörten die Lyrikerin Nancy Hünger, die Geschäftsführerin der Erfurter Herbstlese, Monika Rettig, das Mitglied des Menantes-Förderkreises, Cornelia Hobohm, der Geschäftsführer des Thüringer Literaturrates, Jens Kirsten, und der Verlagsleiter des Mitteldeutschen Verlages, Roman Pliske, an.

Zudem gibt es als Trostpflaster einen Büchergutschein vom Mitausrichter, dem Mitteldeutschen Verlag. Ferner eine mit Rosenduft versehene Seife mit der Darstellung der Venus von Willendorf, eine etwa 30.000 Jahre alte erotische Darstellung. Wobei sich das Schönheitsideal von der Steinzeit bis heute gewaltig geändert habe, wie Pfarrer Bernd Kramer zur Preisvergabe augenzwinkernd bemerkt.

Außerdem werden die besten Beiträge des Literaturwettbewerbs im Herbst in einer Anthologie des Mitteldeutschen Verlags erscheinen. Diese soll am 14. November zur Erfurter Herbstlese präsentiert werden.

Sophia Fritz ist von ihrem Erfolg überwältigt. „Es ist das erste Mal, dass ich einen Preis gewonnen habe. 2000 Euro ich noch nie auf einmal bekommen, noch nicht mal für einen Job“, sagt die überglückliche Gewinnerin. Eigentlich beschäftige sie sich mit ernsten Themen. Die 22-Jährige hat unter anderem eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin absolviert. Ihr im März erschienener zweiter Roman trägt den Titel „Gott hat mir nie das Du angeboten“.

Hochsprache und deftige Worte

Freunde der Münchener und Wiener Szene hatten sie auf den Erotik-Literaturwettbewerb in Wandersleben aufmerksam gemacht. Dafür hat sie die Kurzgeschichte „Neue Männer – alte Löcher“ verfasst. Laut Ansicht der Jury ist Fritz das auf originelle und kreative Weise gelungen. Ihre Sprache sei verspielt, frech, witzig. „Hochsprache und deftige Worte wechseln sich auf erbauende Weise ab. Drive mit Erbauungscharakter“, nennt es Moderatorin Romy Gehrke.

Sie spiele mit Erotik, ohne präzise, vulgär zu werden, sagt die Siegerin über ihre Schreibe.

Für Sophia Fritz ist Wandersleben zum Nabel der Welt geworden. Der wird es spätestens 2022 wieder, wenn der Erotik-Literaturwettbewerb dann zum achten Mal ausgeschrieben wird. Das jedenfalls kündigt Initiator Bernd Kramer an.

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