Anhörung zum geplanten Abriss Noßbachtalsperre

Kleindembach  Viele Argumente von Anwohnern für den Erhalt zeigen den hohen Stellenwert der Anlage

Reiner Becher, Angler aus Kleindembach, ist traurig über den geplanten Abriss der Noßbachtalsperre. Viele Erinnerungen an glückliche Stunden prägen sein Verhältnis zum Naherholungsgebiet.

Reiner Becher, Angler aus Kleindembach, ist traurig über den geplanten Abriss der Noßbachtalsperre. Viele Erinnerungen an glückliche Stunden prägen sein Verhältnis zum Naherholungsgebiet.

Foto: Marcus Pfeiffer

Das jahrelange Zerren um den geplanten Rückbau der Noßbachtalsperre in Kleindembach geht in eine neue Runde. In eineinhalb ­Wochen ist im Landratsamt in Schleiz ein öffentlicher Termin angesetzt, bei dem Einwände und Stellungnahmen zum Planfeststellungsverfahren diskutiert werden sollen.

Die Talsperre Noßbach befindet sich im Eigentum der Thüringer Fernwasserversorgung (TFW). Sie hat den Rückbau beim Landratsamt in Schleiz beantragt. Grund sei die fehlende Sicherheit der Stauanlage, war auf Anfrage dieser Zeitung aus dem Landratsamt zu erfahren. Laut „Thüringer Wassergesetz ist die Untere Wasserbehörde zuständig, dass Planfeststellungsverfahren zu führen“, so die schriftliche Antwort weiter. Die Talsperre soll vollständig zurück gebaut werden. Der das Gewässer speisende Noßbach soll renaturiert und jeweils ein Laich- und ein Angelteich errichtet werden.

„Nur der Rückbau war geplant, die Gemeinde Langenorla erkämpfte die 2400 und 800 Quadratmeter großen Teiche“, meldet Bürgermeister Lars Fröhlich einen kleinen Erfolg. Gegner des Abrisses seien vor a­llem die Anwohner, so auch ­Reiner Becher, Mitglied des Angelvereins, dem früheren Pächter der Sperre: „Ich bin sehr traurig über das Vorhaben.“ Er argumentiert, dass die Talsperre als Wasserreservoir für die Landwirtschaft dienen könne und erinnert damit an das trockene Jahr 2018. Als Löschwasser­entnahmestelle habe das Gewässer außerdem gedient. Auch sei das Argument kaum haltbar, dass die Stauanlage nicht sicher sei, denn „nach Aussagen älterer Einwohner von Kleindembach kann ein kompletter Dammbruch gar nicht passieren. Denn in den Damm wurden Spundwände eingeschlagen“, so Reiner Becher. Zum Jahreswechsel 2010/11 war ein Teil des Staudamms weggerutscht.

Er sieht zudem als Hauptgrund für den Rückbau die hohen Unterhaltungskosten, die die TFW mit der Sperre habe. „Viele Pflegearbeiten könnten durch den Pächter oder die Gemeinde durchgeführt werden“, meint Becher. Zudem verweist er als Naturfreund auf die Vielfalt der Pflanzen, die der Verein ansiedelte, wie Rohrkolben oder Seerosenfelder, und Tiere, die ein Heim fanden. „Am Steilufer brüten Eisvögel und auch mehrere Entenarten.“ So erhielt die Sperre den Status des Naturflächendenkmals. „Aber man empfahl damals wieder die Aberkennung“, seufzt er.

Auch der Bürgermeister von Langenorla ist wenig erfreut, über die Renaturierung, denn die Noßbachsperre gelte als Rückhaltebecken für große Niederschlagsmengen und Schneeschmelzen. Und sei deshalb ein wichtiger Hochwasserschutz. Der übrig bleibende Noßbach erhöhe nun die Gefahr wieder.

Das sieht der Fachdienst Umwelt im Schleizer Landratsamt nicht: „Die Auswirkungen des Rückbaus wurden im Rahmen der Umweltverträglichkeits­prüfung untersucht und sind Bestandteil der Antragsunterlagen. Da die Talsperre aber kein ausgewiesenes Hochwasserstauziel hat, fällt bei einem Rückbau nur die sogenannte Seeretention weg. Mögliche Maßnahmen für den Ausgleich der wegfallenden Seeretention werden im Rahmen des Planfeststellungs­beschlusses festgelegt.“ Unklar bleibt, was das konkret bedeuten könnte.

Der Gesprächstermin findet im Schleizer Landratsamt am 27. November, um 9.30 Uhr, im Raum 237 statt

Wissenswertes

Die Noßbachtalsperre wurde 1936 für die Textilfärbereien errichtet und umfasste 70.000 Kubikmeter Wasser. Eine separate Leitung führte das Wasser in die etwa acht Kilometer entfernten Textilbetriebe in Pößneck.

Die Wasserhöhe habe etwa acht Meter betragen, schätzt der Langenorlaer Reiner Becher ein. Momentan seien es wohl kaum noch zwei Meter.

Wahrscheinlich sei seit Anbeginn das Baden in der Noßbachsperre verboten gewesen. Doch das habe selbst nach der politischen Wende kaum jemanden interessiert. Reiner Becher berichtet von Badenden, die extra aus Weimar, Rudolstadt und Jena kamen.

Meine Meinung: Marcus Pfeiffer über den langsamen Tod eines Flächennaturdenkmals

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