Biogas wärmt Königseer Schulen – noch

Königsee-Rottenbach  Umweltministerin Siegesmund verteidigt die Energieform als grundlastfähig und findet, dass der Bund zu wenig für sie tut.

Helmut Hercher und sein Sohn Ragnar waren als Lenker der Agrargenossenschaft Königsee konstruktiv-kritische Gastgeber für Thüringens grüne Umweltministerin Anja Siegesmund.

Helmut Hercher und sein Sohn Ragnar waren als Lenker der Agrargenossenschaft Königsee konstruktiv-kritische Gastgeber für Thüringens grüne Umweltministerin Anja Siegesmund.

Foto: Henry Trefz

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Auf den ersten Blick klingt dieser regionale Energiekreislauf wie eine Erfolgsgeschichte: Die Rinder der Agrargenossenschaft Königsee erzeugen Gülle, die in einer Anlage vor Ort zu Biogas gewandelt wird und über ein Nahwärmenetz das Gymnasium und die Regelschule mit Wärmeenergie versorgt. Das ist er auch noch auf den zweiten Blick, denn im nächsten Jahr feiert diese Idee ihren zehnten Geburtstag, und spätestens dann wollen die Beteiligten dies auch mit einem gut erkennbaren Siegel am Gebäude kenntlich machen.

Doch es gibt auch Flecken auf der blütenweißen Weste einer störungsfreien Versorgung, und für diese können weder die Königseer Energiebauern noch der Landkreis und Schulträger etwas: Am 18. März 2017 begann ein Problem, das zunächst wie eine kurzfristige Störung anmutete und dann eine handfeste Havarie wurde: „Es ist keine Kleinigkeit, wenn 800 Schüler frieren müssen“, umschreibt die zuständige Fachbereichsleiterin im Landratsamt, Barbara Valduga, die damalige Krise.

Was war passiert? Die Netzbetreiber „50 Hertz“ und „TEN“ hatten wegen zu viel Strom im Thüringer Netz und dem Vorrang der Einspeisung von Wind- und Solarenergie kurzfristig um eine Abschaltung aller anderen Einspeiser ersucht. Und so fiel nicht nur die Stromerzeugung in der Königseer Biogasanlage aus, sondern auch die Wärmebereitstellung.

Dass die Politik hier klare Richtlinien erlassen müsse, damit sich dieser Vorgang nicht wiederhole, war nur eines von vielen Anliegen beim Besuch von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnisgrüne) am Donnerstag in Königsee. Diese kam immerhin mit dem Ergebnis einer jüngeren Absprache, dass solche Abschaltungen künftig nicht mehr vollständig, sondern nur noch bis maximal 60 Prozent der Leistung erfolgen würden. Das hätte den Königseern seinerzeit übrigens gereicht, schildert Gymnasiumsdirektor Matthias Neuhof. Ein Gas-Aggregat als Reserve gibt es nämlich weiterhin.

Doch dazu hätte er wenigstens etwas Vorwarnzeit gebraucht. Im Frühling kam die ­E-Mail mit der Information zur Abschaltung drei Tage nach dem Ereignis statt vorher oder wenigstens zeitgleich.

Vorlauf wollen die Königseer von der Politik auch für die Zukunft der Biogasproduktion. Rentable Randbedingungen gibt es derzeit nur für Anlagen bis maximal 75 Kilowatt Leistung. In Königsee läuft eine 500-Kilowatt-Anlage und sie war von der Investition her nur unwesentlich teurer als eine deutlich kleinere Anlage. Anja Siegesmund teilt den Standpunkt der Bauern, muss aber auch eingestehen, dass sie sich in der Runde der Landesumweltminister nicht habe durchsetzen können.

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