Das Aussterben der Rauhfußhühner in der Region Dreba - Plothen

Plothen  Veränderungen in der Natur haben dazu geführt, dass im Teichgebiet Dreba-Plothen Birkhühner schon lange ausgestorben sind. Auch Auerhähne haben sich trotz aller Ansiedlungsversuche rar gemacht.

Ein Auerhahn-Präparat aus dem Jahr 1895, das K. Kretzschmar bis heute erhalten hat. Das Tier wurde seinerzeit im Wald des Rittergutes Kospoda bei Neustadt erlegt. Foto: Jürgen Auerswald

Ein Auerhahn-Präparat aus dem Jahr 1895, das K. Kretzschmar bis heute erhalten hat. Das Tier wurde seinerzeit im Wald des Rittergutes Kospoda bei Neustadt erlegt. Foto: Jürgen Auerswald

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Das Teichgebiet Dreba-Plothen galt als ein wichtiger Lebensraum für Raufußhühner. Das Birk- und Auerwild gehört zur Familie der Hühnervögel und verdankt seinen Namen der dichten Befiederung an den Beinen, die bis zu den Zehen hinuntergeht.

Doch das Birkhuhn ist in der Region schon seit Jahrzehnten ausgestorben. Auch Versuche, Auerhühner mit groß angelegten Auswilderungsprojekten wieder heimisch werden zu lassen, sind im Großen und Ganzen gescheitert.

Den größten zusammenhängenden Birkhuhnbestand des mitteleuropäischen Tieflands findet man heute in der Lüneburger Heide. Allerdings sind die Populationen im Tiefland von den alpinen Vorkommen genetisch isoliert und deshalb stark gefährdet. In der Roten Liste Thüringen (RLT) wird die Art in der Kategorie 0 geführt, gilt also als ausgestorben oder verschollen. Genauere Daten dazu liegen aber nicht vor. Nach Untersuchungen erloschen die zahlreichen Vorkommen im Vorland der Thüringer Mittelgebirge bis 1920. Am längsten hielt sich die Art im Plothener Teichgebiet. Beobachtungen sind aus Tegau (1937, 1938 und 1947 überliefert. Im Brandholz bei Pörmitz wurden 1937 vier Hähne gesichtet.

Mit Beginn der 40er Jahre muss sich der Bestand auch hier stetig rückläufig entwickelt haben. Der letzte Nachweis im Teichgebiet und seiner Umgebung datiert vom 11. April 1953, als ein Hahn auf einer Kahl­fläche im hinteren Moos in der Gemeinde Dreba balzte.

Geschuldet ist der Rückgang der Bestände Arealverlusten durch Trockenlegung von Mooren zwischen den kleinen Teichen mit Trockenrasen und eingestreuten Heidebeständen sowie dem Verschwinden von Freiflächen in Wäldern und ­deren Aufforstung. In diesen an Mooren gelegenen Standorten fanden sich Beerensträucher, Heide und Borstgrasrasen, Birken und Krüppelkiefern.

Das Birkhuhn braucht im Biotop freie Flächen, wo es Sandbäder vornehmen kann und auch die lebenswichtigen Magensteinchen findet. Für die Ernährung der Küken ist die Existenz von Ameisenkolonien besonders wichtig. Der ehemalige Kreisjägermeister Lothar Brunner erfasste hier auf einer 8 Hektar großen Fläche noch etwa 70 Haufen der Waldameise. Noch heute finden sich in den inzwischen herangewachsenen Nadelholzbeständen solche Ameisenhaufe, ein Hinweis auf den einst vorhandenen Lebensraum der Birkhühner.

Das Auerhuhn trat offensichtlich nicht flächendeckend im Gebiet auf. Am ehesten entspricht das Gebiet der Heide nördlich der Orlasenke dem Lebensraum des Auerhuhns. Eine Aufzuchtstation besteht seit 1989 im angrenzenden Landkreis Saalfeld-Rudolstadt bei Langenschade. Im Jahr 2007 wurden im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“ mehrere EG-Vogelschutzgebiete mit dem Erhaltungsziel Auerhuhn ausgewiesen. Dazu gehört auch das Vogelschutzgebiet Nr. 36 „Vordere und Hintere Heide südlich Uhlstädt“.

Der letzte Nachweis von zwei jungen Auerhühnern aus dem autochthonen Brutbestand der Uhlstädter Heide befindet sich in der Sammlung des Naturkundemuseums Gera. Die beiden ­etwa fünf Tage alten Jungvögel stammen aus einem Gelege, von dem die Henne am 8. Juni 1978 durch einen Fuchs gerissen wurde. Die beiden präparierten Tiere wurden 1986 in die Sammlung des Museums übergeben.

Auerhühner sind nur noch selten anzutreffen

In neuerer Zeit haben zehn Auswilderungsprojekte nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Gelegentlich auftretende Einzeltiere sind wohl auf Aussetzungen zurückzuführen. Solche Nachweise liegen zum Beispiel aus dem 2003 vor. Zwischen Herschdorf und Hütten hielt sich an einer Feldhecke eine Auerhenne auf, die von mehreren Beobachtern gesehen wurde. Ein Jahr später wurde ein Auerhahn in Pößneck West am Ortsausgang Öpitz – Krölpa in einem Garten gesehen .

Ein weiterer Hahn wurde im Waldgebiet zwischen Rockendorf und Friedebach gesehen, der Waldbesucher anbalzte. Der Vogel war beringt und stammte aus der genannten Auswilderungsstation.

Ein jüngerer Nachweis liegt aus dem Gebiet der Orlasenke vor. Am 1. Mai 2013 wurde ein solches Tier am Sandberg bei Börthen, nordwestlich von Neustadt, beobachtet.

(Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag ist ein redaktionell bearbeiteter und gekürzter Vorabdruck des Jahresberichts des Nabu-Arbeitskreises, der in der Zeitschrift Die Vogelwelt im Teichgebiet Dreba-Plothen und Umgebung erscheint.)

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