Der Saale-Orla-Kreis ist reich an schützenswerten Flächen, deren Hege allerdings nicht zu schaffen ist

Pößneck  Die Mitglieder des Arbeitskreises Teichgebiet Dreba-Plothen e.V. des Naturschutzbundes (Nabu) sind besorgt um die vielen „Naturschutzwiesen“ im Saale-Orla-Kreis. Sie drohten nach und nach verloren zugehen, weil deren Pflege jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung sei.

Von Insekten wie Bienen und Fliegen wird die blassrosa bis violett blühende Herbstzeitlose bestäubt. Foto: Sandra Hoffmann

Von Insekten wie Bienen und Fliegen wird die blassrosa bis violett blühende Herbstzeitlose bestäubt. Foto: Sandra Hoffmann

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Pflege sei jedoch notwendig, damit die Flächen nicht zuwachsen und verbuschen und dadurch ihre besonderen Vorkommen an Pflanzen und Insekten verlieren, so die Nabu-Mitglieder.

"Es sind viele Schätze, die wir mit den geschützten Flächen im Saale-Orla-Kreis haben", sagt Nadine Schwesig, Naturschützerin aus Pößneck und Mitglied des Nabu-Arbeitskreises. Gerade Pößneck besitze hier ein reiches Potenzial und ein besonders schützenswertes Biotop sei die "Brunnenwiese" am Ortsausgang Richtung Saalfeld. Sie sei nicht nur die einzige Feuchtwiese zwischen den hier verbreiteten Magerrasen, sondern weise mit jährlich 2000 bis 3000 blühenden Herbstzeitlosen ­(Colchicum autumnale) auch das größte Vorkommen dieser Pflanzenart im Saale-Orla-Kreis auf. Voraussetzung dafür aber sei, dass die Wiese gepflegt werde. Doch die Pflege, nicht nur dieser Fläche, sei jedes Jahr ein Pokern und immer mehr bunte Blumenwiesen würden nicht mehr gehegt. "Das ist ein Missstand, an dem Gemeinden, Landkreis und Land – zöge man an einem Strang – schnell etwas ändern könnten", ist Nadine Schwesig überzeugt.

Eigentümerin der "Brunnenwiese" ist die Rosenbrauerei Pößneck, die jedoch als Firma die Pflege der Grünfläche nicht leisten könne, so Frank Radon von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises. In solchen ­Fällen regelt der Paragraf 18 des Thüringer Gesetzes für Natur und Landschaft (ThürNatG), dass die Pflegepflicht für besonders geschützte Biotope auf den Landkreis übergeht. Zu besonders geschützten Biotopen zählen unter anderem binsen- und hochstaudenreiche Nasswiesen und nicht intensiv genutzte Feuchtwiesen, wie die "Brunnenwiese" eine ist. Wie jedoch genau die Maßnahmen zum Erhalt "des charakteristischen Zustandes von besonders geschützten Biotopen" aussehen sollen, ist im Gesetz nicht geregelt.

Über insgesamt rund 10 000 Flächen, die laut Thüringer Naturschutzgesetz als besonders geschützte Biotope gelten, verfügt der Saale-Orla-Kreis – von Stanau bis Titschendorf. "Die Pflege ist nicht zu schaffen", räumt Frank Radon ein. Konkret für die "Brunnenwiese" habe es aber immer Bestrebungen gegeben, jemanden zu finden, der deren Pflege übernimmt. In diesem Jahr hat sich Nadine Schwesig mit Unterstützung der Nabu-Mitglieder der schützenswerten Wiese angenommen. Zweimal im Jahr müssten solche Wiesen gemäht werden, sagt die Naturschützerin. Eine Beweidung sei im Fall der "Brunnenwiese" nicht möglich, weil die Herbstzeitlose sehr giftig sei. Auch in getrockneten Pflanzenteilen bleibe das Gift ­erhalten, sodass Heu hier ebenfalls nicht in Frage komme.

Für jede besonders geschützte Biotop-Fläche, die der Landkreis in seine Pflege nimmt, erarbeitet er jedes Jahr eine Ausschreibung, holt Angebote ein und vergibt die Pflege nach dem Vergaberecht, erklärt Frank ­Radon. Die Kosten für einen Hektar Wiesenmahd beliefen sich dabei auf etwa 1500 Euro. Fördermittel beim Land können beantragt werden. Diese ­Möglichkeit nutzt der Saale-Orla-Kreis auch und erhalte jährlich für etwa 50 Flächen zusammen 20 000 Euro. Weitere 25 000 Euro finanziert der Landkreis aus dem eigenen Haushalt, denn jedes Jahr gibt der Saale-Orla-Kreis für die ­Pflegearbeiten insgesamt 45 000 Euro aus. Für diese Summe bemühe er sich, das Maximale zu leisten und zwar entsprechend einer Prioritätenliste. "Im Landkreis gibt es für die Pflege der Flächen eine Prioritätenliste und danach sind Flächen in Schutzgebieten höher anzusiedeln als außerhalb", erklärt ­Severine Dietrich vom Fachdienst Umwelt im Landratsamt.

"Wir versuchen, mit unseren vorhandenen Finanzmitteln, die sich nicht erhöhen, aber im Vergleich zu Nachbarlandkreisen gut aufgestellt sind, viel zu erreichen", beteuert Severine Dietrich. So sei auch die "Brunnenwiese" stets einmal im Jahr durch eine Firma gemäht worden. Allerdings habe im vergangenen Winter der Verschnitt der Bäume entlang der Kotschau nicht erfolgen können, weil es keinen Frost gab. "Wir konnten dadurch nicht auf die Wiese fahren", erklärt Frank Radon. Deshalb hoffen die Mitarbeiter der Naturschutzbehörde, dass der kommende Winter Frost bringt und die Arbeit nachgeholt werden kann. Der Baumverschnitt sei dringend nötig, weist Nadine Schwesig hin, denn das Blätterdach habe die "Brunnenwiese" zum Teil überschattet, sodass hier schon keine Herbstzeitlose mehr gedeihen. Zudem müsse die Grünfläche unter den Bäumen mit der Hand gepflegt werden, was aufwändig sei.

Nadine Schwesig hat aber auch eine Idee für eine Kostenminimierung, denn sie fragt sich, weshalb gewerblich erzeugter Grünschnitt und damit auch jener von Biotop-Flächen kostenpflichtig entsorgt werden müsse. "Der Landrat und die Bürgermeister sind alle im Zweckverband Abfallwirtschaft Saale-Orla vertreten. Sie könnten dafür sorgen, dass der Saale-Orla-Kreis den Grünschnitt von Biotop-Flächen kostenfrei entsorgen lassen kann", schlägt sie vor. Diesen Vorschlag findet Frank Radon nicht schlecht und ­berechtigt.

Den hiesigen Mitgliedern des Naturschutzbundes falle es "sehr schwer, zuzuschauen, wie die Flächen verkommen", sagt Nadine Schwesig. "Die Kuckucks-Lichtnelke und Orchideen wachsen hier. Die ‚Brunnenwiese‘ ist über das ganze Jahr eine bunte, feuchte Blumenwiese", so die Naturschützerin. Viele Insekten wie das Große Heupferd lebten auf der Wiese und auch der Wiesenknopf, die Verschiedenblättrige Kratzdistel und der Storchschnabel würden hier wachsen, beschreibt sie das große Artenspektrum.

"Als Nabu haben wir nicht die Kraft, alle Flächen in Obhut zu nehmen, obwohl uns jede Fläche leid tut, die immer ärmer wird an Arten. Denn nicht nur die Pflanzen sterben dann aus, sondern auch die Insekten", sagt Peter Zörner, Vorsitzender des Nabu-Arbeitskreises Teichgebiet Dreba-Plothen. An einer gemeinsamen Lösung der Eigentümer der Flächen, des Landkreises, der Kommunen und des Naturschutzbundes, sind die Nabu-Mitglieder deshalb interessiert.

"Die Zusammenarbeit mit der Stadt Pößneck ist gut und auch die Zusammenarbeit des Nabu mit der Stadt ist gut", sieht Frank Radon hier kein Problem. "Die Ehrenamtlichen des Nabu-Arbeitskreises Teichgebiet Dreba-Plothen machen viel. Sie sind die größte ehrenamtliche Gruppe im Bereich des Naturschutzes", würdigt er ihren Einsatz. Auch die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde selbst hätten großes Interesse, die geschützten Flächen zu erhalten. "Wir sind einerseits dazu gesetzlich verpflichtet und andererseits sind aber auch wir Naturschützer mit Leib und Seele", sagt Frank Radon.

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