Förster beklagen Katastrophen-Tourismus nach „Friederike“ im Saale-Holzland-Kreis

Saale-Holzland-Kreis  Sturm Friederike hat im SHK vor allem nördlich der Autobahn A 4 gewütet. Die Forstleute warnen Neugierige davor, die verwüsteten Wälder zu betreten.

Sturm „Friederike“ hat im Waldgebiet zwischen St. Gangloff und Mörsdorf selbst stärkste Bäume reihenweise gefällt. Die Forstleute warnen Neugierige davor, die verwüsteten Wälder zu betreten. Von angebrochenen, schief stehenden oder in Baumkronen hängen gebliebenen Bäumen oder abgebrochenen Ästen gehe große Gefahr aus.

Sturm „Friederike“ hat im Waldgebiet zwischen St. Gangloff und Mörsdorf selbst stärkste Bäume reihenweise gefällt. Die Forstleute warnen Neugierige davor, die verwüsteten Wälder zu betreten. Von angebrochenen, schief stehenden oder in Baumkronen hängen gebliebenen Bäumen oder abgebrochenen Ästen gehe große Gefahr aus.

Foto: Angelika Schimmel

Mario Schirmer ist besorgt. Um den Wald, für den er als Förster verantwortlich ist. Denn „Friederike“ hat vor noch nicht einmal einer Woche im Hatzfeldschen Revier zwischen Hermsdorf, Bad Klosterlausnitz und Oberndorf besonders schlimm gewütet. Wie Streichhölzer hat der Sturm 80 und mehr Jahre alte Bäume abgeknickt oder entwurzelt. Nicht nur einige Exemplare, sondern ganze Waldareale hat der Sturm hier gefällt. „Einen genauen Überblick über die Höhe der Schäden haben wir noch nicht. Wir selbst können ja noch gar nicht überall hin. das ist noch zu gefährlich“, sagt der Forstmann, der für die privaten Waldbesitzer in diesem Teil des Holzlandes den Forst pflegt und bewirtschaftet.

Und deshalb ist Schirmer auch ziemlich verärgert. „Wir beobachten einen regelrechten Katastrophen-Tourismus. Wir haben derzeit mehr Leute im Wald als früher, als dieser noch stand“, sagt er. Spaziergänger und Radfahrer, die unter überhängenden Bäumen hindurch radelten, hat er beobachtet. „Dabei ist die Oberndorfer Straße durch das betroffene Waldgebiet von Polizei und Ordnungsamt gesperrt worden. Am Kreisel nach der Autobahnabfahrt Hermsdorf-Ost und am Bahnübergang von Bad Klosterlausnitz kommend stehen Sperrschilder. Doch die werden von vielen Leuten einfach ignoriert. Dabei ist es lebensgefährlich, sich hier im Wald aufzuhalten“, mahnt Schirmer. Es sei unmöglich, den gesamten Wald mit rot-weißem Warnband abzusperren. „Wir müssen auf die Vernunft der Leute vertrauen“.

Mit Franz Straubing, dem Chef der Hatzfeld-Wildenburgischen Forstverwaltung, machte sich der für den „Oberndorfer Wald“ zuständige Förster gestern ein Bild von den Zuständen vor Ort. „Genau beziffern können wir die Schäden noch nicht, aber wir werden wohl an die des Sturms „Niklas“ von 2015 herankommen. Damals waren es einige Hundert Festmeter“, sagt Schirmer. Es werde einige Wochen und Monate dauern, bis alle umgestürzten Bäume aus dem Weg geräumt sind. Die Straße, so hofft Schirmer, werde im Tagesverlauf des Donnerstags wieder freigegeben werden. Vor dem Betreten der Waldwege sei dennoch weiterhin zu warnen, sagte er. „In den nächsten Tagen werden sicher noch einige Bäume umstürzen, die zwar noch halbwegs aufrecht stehen, deren Wurzeln aber durch den Sturm gelockert wurden. Da braucht es nur ein bisschen Wind und sie stürzen um“, sagt Straubing. „So lange umgestürzte Bäume im Wald liegen, kann man da nicht Spazierengehen oder Joggen.“

Heftigere Stürme in kürzeren Intervallen

Und noch etwas liegt dem erfahren Forstmann am Herzen: „Dass so etwas passiert, ist normal“, sagt er und weist mit großer Geste auf den ausgelichteten Wald. „Doch dass die Intervalle, in denen solche Stürme seit 1990 auftreten, immer kürzer werden, das ist dem Klimawandel geschuldet. Wenn wir unsere Natur retten wollen, wird es Zeit, dass wir ernsthaft umdenken, den Verbrauch an fossilen Brennstoffen drosseln und mehr alternative Energien nutzen. “

„Die Region rund um das Hermsdorfer Kreuz hat es diesmal besonders schwer getroffen“, weiß Bernhard Zeiss, Leiter des Forstamtes Jena/Saale-Holzland-Kreis. Nördlich der A 4 und im Raum Mörsdorf seien die Schäden am schwersten. „Hier hatte der Boden in den letzten Wochen ziemlich viel Feuchtigkeit aufgenommen, die Verwurzelung der Bäume war dadurch schlechter. So stürzten viele Bäume komplett um“, erklärt er. Andere Reviere seien nur wenig beschädigt worden. „Nach unseren Schätzungen haben wir etwa 30 000 bis 40 000 Festmeter Schadholz nach dem Sturm im Wald liegen. Auf die 32 000 Hektar Wald im Verantwortungsbereich unseres Forstamtes gerechnet, ist das noch eine überschaubare Menge. Die Schäden bei Kyrill vor elf Jahren waren bedeutend größer.“ Andere Regionen im Bundesgebiet seien von Friederike schwerer getroffen worden. „Insgesamt sind wir hier diesmal mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Zeiss. Auch wenn die Schäden für einzelne Waldbesitzer ziemlich groß seien und der Aufwand erheblich, das Holz aus dem Wald zu bekommen, so seien doch die Vermarktungsmöglichkeiten besser als damals bei Kyrill. „Da war durch das Überangebot der ganze Holzmarkt beeinflusst, die Preise enorm gefallen. „Wir kriegen unser Holz gut unter, und auch die Privatleute haben gute Verträge für die Vermarktung des Holzes“, urteilt Zeiss.

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Dennoch werde es geraume Zeit dauern, bis alle Schäden beseitigt seien. Mit Blick auf den Borkenkäfer müsse man sehen, die Reviere bis zum Frühjahr aufzuräumen. „Doch oberste Priorität hat der Unfallschutz, das möchte ich vor allem den privaten Waldbesitzern ans Herz legen.“ Bäume mit großen Wurzeltellern etwa seien keine Sache für Laien. Rückt man da mit einer kleinen Kettensäge an, begibt man sich in Lebensgefahr“, sagt Zeiss. Auch von abgebrochenen Baumspitzen, die in anderen Baumkronen hängen geblieben sind, geht große Gefahr aus. Diese könnten jederzeit herunterfallen. Bei Baumfällaktionen gebe es alljährlich viele Verletzte und auch Tote, meist in Privatwäldern, mahnt Zeiss zu besonderer Vorsicht.

„Die Schadensbilder im Wald zeigen uns auch diesmal, dass wir mit unseren Bemühungen zum Waldumbau auf dem richtigen Weg sind“, sagt der Forstfachmann. In der Hauptsache seien es Fichten, die von Friederike gefällt wurden. „Tannen, Kiefern, aber auch Lärchen sowie Eichen und andere Laubbäume sind viel standhafter. Es ist also richtig, aus den Monokulturen Mischwälder zu machen“. Das allerdings sei eine langwierige Aufgabe. „Am Waldumbau der zu DDR-Zeiten angelegten Monokulturen werden wir noch 50 Jahre arbeiten“, sagt er.

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