Heide im Pöllwitzer Wald wird verjüngt

Wellsdorf  Die Heideflächen sind aus verschiedenen Gründen in Gefahr. Nun will ein Projekt des Naturkundemuseums Mauritianum Altenburg sie retten.

Elisabeth Endtmann vor einer Informationstafel, die das Thema der Heidenverjüngung vorstellt. Foto: Tobias Schubert

Elisabeth Endtmann vor einer Informationstafel, die das Thema der Heidenverjüngung vorstellt. Foto: Tobias Schubert

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Seit Mai arbeitet das Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg auch im Landkreis Greiz. Im Rahmen des Projektes "Zwergstrauchheiden Pöllwitzer Wald", einem von Freistaat Thüringen und EU finanzierten Projekt zur Entwicklung von Natur- und Landschaft (ENL), sollen speziell die 33 Hektar Heidekraut-Bestände innerhalb des großen Schutzgebietes revitalisiert werden. Sonst droht dem Land ein Strafverfahren.

Denn die Bestände im Pöllwitzer Wald, die vor allem auf der offenen Fläche an der Lehrgrenze des ehemaligen Militärsperrgebiets wachsen, sind in Gefahr und damit auch die Kreuzottern, Heidelerchen, ­Bärlapp-Arten und andere geschützte und bedrohte Tierarten und Pflanzen.

Bei einer kleinen Wanderung stellte nun Elisabeth Endtmann vom Mauritianum gemeinsam mit dem Bundesförster Robert Zimmermann-Safar die geplante Maßnahme allen Interessierten vor. Die Gründe für die zum Teil sehr extreme Verschlechterung der Heidefläche sind vielfältig, wie Zimmermann-Safar erklärte. Zum einen ist die Heide durch die milden Winter der vergangenen Jahre regelrecht ausgetrocknet. Auch erwies sich die Pflege, die in den vergangenen Jahren durch eine Firma durchgeführt wurde, als zu kostenintensiv, weswegen sie nicht mehr betrieben werden konnte. Daraufhin gab es eine zunehmende Verbuschung und einen stark zunehmenden Bewuchs von Birkenjungpflanzen. Damit wiederum fiel zu viel Schatten auf die Heidegewächse.

I

n der Hauptsache durch zwei Maßnahmen soll die Heidefläche verjüngt werden: dem Abplaggen und einer Beweidung. Das Abplaggen ist ein altes Verfahren, bei dem mit speziellen Maschinen die Humusschicht ein paar Zentimeter abgetragen wird, um alte und verholzte Heidepflanzen, Gras und Birkenwuchs zu beseitigen, um dann den im Boden ruhenden Heidesamen das Auskeimen zu ermöglichen. Um zu verhindern, dass danach Samen von den die Heideflächen umgebenden Birken erneut austreiben, soll die Fläche zudem durch Schafe und Ziegen beweidet werden, die den Birkenjungwuchs sofort verbeißen sollen. Ein paar Versuche dazu mit 22 Ziegen hat es vergangenes und dieses Jahr schon mit einigem Erfolg gegeben. Die Beweidung soll schonend sein, damit nicht aufkeimende Heidepflanzen nicht ebenfalls aufgefressen werden.

Durch dieses Projekt wird eine Fläche entstehen, "die relativ kahl aussehen wird. Aber das ist so gewollt. Das ist eine gängige Form der Verjüngung", versucht Endtmann schon jetzt eventuellen zukünftigen Missverständnissen in der Bevölkerung vorzubeugen. Außerdem soll es, bevor die Maßnahme startet, noch eine weitere Veranstaltung geben, bei dem sie vorgestellt werden soll.

Beim ersten Projekt, das in den nächsten Wochen starten soll, soll zuerst nur in einem ausgewählten ­Bereich gearbeitet werden, damit die Tiere weiterhin Rückzugsflächen haben. Ein Verbrennen, wie es zur Heideverjüngung auch üblich ist, ist in Thüringen verboten und wäre zudem auf dem Gebiet des Pöllwitzer Waldes nur schwer kon­trolliert einsetzbar.

Die Arbeiten finden in Abstimmung mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als Flächeneigentümer, der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und dem Bundesforstbetrieb statt. Der Pöllwitzer Wald ist seit 2015 im Eigentum der DBU Naturerbe GmbH, einer gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Über die nächsten Jahrzehnte ist geplant, naturschützende Maßnahmen durchzuführen, damit der Wald irgendwann komplett sich selbst überlassen werden kann.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren