Hilfe im Wald im Notfall nur punktuell

Ranis/Neustadt  Rettungspunkteschilder werden nur im Staatswald sichergestellt. Im Privat- und Kommunalwald fehlen sie häufig, erlebt die Feuerwehr Ranis.

An der Waldkreuzung des Limbergkessels ist ein Rettungspunkt ordnungsgemäß angebracht. So müsste es überall aussehen, wünscht sich Stadtbrandmeister Frank Lufer, doch in der Region Ranis gibt es viel Privatwald.

An der Waldkreuzung des Limbergkessels ist ein Rettungspunkt ordnungsgemäß angebracht. So müsste es überall aussehen, wünscht sich Stadtbrandmeister Frank Lufer, doch in der Region Ranis gibt es viel Privatwald.

Foto: Sandra Hoffmann

Forstliche Rettungspunkte sollen im Notfall den Rettungskräften schnell und klar Auskunft geben, an welchem Punkt im Wald genau sich der Einsatzort befindet. Aber: „In der Praxis klemmt dieses System. Es kommt nicht an. Deshalb muss etwas getan werden, damit das System im Ernstfall funktioniert“, macht Frank Lufer, Stadtbrandmeister in Ranis, aufmerksam. Und er hat allen Grund dazu.

Die Freiwillige Feuerwehr Ranis, der ein erweiterter Ausrückebereich zugeordnet ist, hat unlängst eine Übungsfahrt unternommen. In digitalisierter Form verfügt sie über einen Lageplan aller Forstrettungspunkte in Thüringen, wovon sich 40 Punkte in ihrem Ausrückebereich befinden. Von diesen suchte Frank Lufer zehn Stück aus, die in der Übungsfahrt angesteuert wurden. Und im Ergebnis zieht der Stadtbrandmeister eine ernüchternde Bilanz: „Von den zehn Punkten waren acht nicht auffindbar.“ So fehlten die Beschilderungen der Rettungspunkte an Wagners Bühl an der Straße von Ranis nach Schmorda und an der Holzwiese.

„Wir haben nur zehn von 40 Punkten angefahren in nur zwei Revieren. Wenn ich das mal hochrechne, ist das eine Katastrophe“, schwant Frank Lufer nichts Gutes, was die ordnungsgemäße Beschilderung der Rettungspunkte insgesamt angeht. Dabei gehe wertvolle Zeit verloren, wenn im Brand- oder im medizinischen Notfall Menschen den Mitarbeitern der Rettungsleitstelle nur ungenau mitteilen könnten, wo sie sich im Wald befinden, statt ihr schnell die Nummer auf dem Rettungspunkteschild durchzugeben. „Urlauber sind mal bis zur Gaststätte in Schmorda gelaufen, um zu melden, dass es brennt“, weiß der Stadtbrandmeister. Und gerade derzeit sei durch die Trockenheit die Gefahr für einen Waldbrand hoch. Erschwerend komme hinzu, dass viele Waldwege aufgrund ihres Zustandes für die Einsatzfahrzeuge der Rettungskräfte kaum passierbar seien, obwohl sie für Lkw ausgewiesen sind.

„Die Rettungspunkteschilder sollen einen Zweck erfüllen, aber dafür müssen sie in Ordnung sein“, hält Frank Lufer fest. Zuständig für das Anbringen der Rettungspunkteschilder ist das jeweilige Forstamt – aber nur im Staatswald des Freistaates Thüringen, weist Sören Sterzik, Leiter des Forstamtes Neustadt, hin. Im Privat- und Kommunalwald sind wiederum der jeweilige Privatbesitzer oder die Kommune verantwortlich.

Bei den Rettungspunkteschildern im Staatswald „handelt es sich um die so genannte ‚Rettungskette Forst‘, die für die staatlichen Waldarbeiter beziehungsweise die Angestellten und Bediensteten der Thüringer Landesforstverwaltung konzipiert ist“, erläutert Sören Sterzik. Waldbesucher dürften die Rettungspunkte im Ernstfall auch nutzen, angelegt seien sie aber für die forstlichen Unternehmer und die Sicherheit der Waldarbeiter.

„Im Staatswald sind die Rettungspunkte dauerhaft zu kennzeichnen und es muss mindestens einmal jährlich aktenkundig geprüft werden, ob die Kennzeichnung ordnungsgemäß ist. Die Kontrolle erfolgt durch den zuständigen Revierleiter oder eine vom Forstamt beauftragte Person. Fehlende oder beschädigte Schilder werden umgehend ersetzt“, so Sören Sterzik. Eine einheitliche Gestaltung der Schilder sei durch die Zentrale der Landesforstanstalt ThüringenForst festgelegt worden.

Das Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales bestätigt auf OTZ-Anfrage, dass die „Rettungskette Forst“ ausschließlich im Staatswald sichergestellt wird. Um die Beschilderung der Rettungspunkte auch im Privat- und Kommunalwald durch ThüringenForst und damit die Forstämter zu gewährleisten, bräuchte es eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage, die es aber nicht gebe. Zudem erfolge hierfür auch keine Bezahlung durch das Land. Allerdings habe es vor einigen Jahren eine „Grundausstattung“ mit ausgeschilderten Rettungspunkten für alle Waldbesitzarten in ganz Thüringen gegeben, weiß Sören Sterzik.

„Die Rettungspunkte werden durch den ThüringenForst unter anderem den zuständigen Zentralen Rettungsleitstellen in digitaler Form zur Verfügung gestellt. Sie sind jedoch auch für Privatpersonen zugänglich. Die Rettungspunkte sollen die zeitnahe Rettung und Versorgung verunfallter Forstmitarbeiter und Wanderer gewährleisten. Darüber hinaus sind Löschwasserentnahmestellen für die Feuerwehren aufgeführt“, weist das Ministerium hin.

Für Wanderer bestehe ferner die Möglichkeit, neben der Mitteilung der Ziffernfolge auf der Beschilderung der Forstrettungspunkte auch ihr Einverständnis zur Standortbestimmung per Handy-Ortung durch die Zentrale Leitstelle zu erklären, informiert das Ministerium. Des Weiteren verfügten die Thüringer Mittelgebirge über ein gut ausgebautes Wegenetz. Die umfangreiche Beschilderung und die Markierungen etwa an Bäumen ließen eine Orientierung im Gelände zu. In vielen Bereichen sei es zudem möglich, mit Mobiltelefonen seinen Standort zu bestimmen, so das Ministerium.

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