Hochdruck für den Hochwasserschutz in Gera

Gera  Wann wird was gebaut an der Weißen Elster, um die Bürger künftig vor einer Flut zu schützen? Geras Ortsteilbürgermeister haben in einer Sondersitzung des Bauausschusses beim Land nachgefragt.

Aktuelle Hochwasserschutzmaßnahmen der TLUG an der Weißen Elster in Gera am Deich in Zwötzen , vor dem Hofgut in Untermhaus und am Deich zwischen Untermhaus und Milbitz. Foto: Angelika Munteanu

Aktuelle Hochwasserschutzmaßnahmen der TLUG an der Weißen Elster in Gera am Deich in Zwötzen , vor dem Hofgut in Untermhaus und am Deich zwischen Untermhaus und Milbitz. Foto: Angelika Munteanu

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„Wir haben leider keinen Ortsteilbürgermeister, der für uns hätte fragen können“, bedauerten die Mitglieder der Bürgerinitiative Heinrichsgrün nach der Sondersitzung des Bauausschusses am Mittwochabend. Die öffentliche Sitzung war einberufen worden, damit sich die Geraer Ortsteilbürgermeister aktuelle Informationen zum Hochwasserschutz an der Weißen Elster in der Stadt von der Thüringer Landesgesellschaft für Umwelt und Geologie (TLUG) holen konnten. „Ich hätte gern einige Vertreter mehr aus den Ortsteilen gesehen“, sagte der Ausschussvorsitzende Hans-Jörg Dannenberg (CDU). Denn bei einer Flut müssten alle gemeinsam anpacken, auch die, die ein paar Meter höher wohnen als die Flussanrainer. Die Ortsteile Liebschwitz, Zwötzen, Untermhaus, Langenberg und Aga waren vertreten. Im Publikum die Heinrichsgrüner Bürger und Wolfgang Hartick für den Fachdienst Brand- und Katastrophenschutz und zugleich Ortsteilbürgermeister in Dorna.

„Der Hochwasserschutz soll aus einem Guss an der gesamten Weißen Elster geschaffen werden, bis hin zu den Unterliegern in Sachsen-Anhalt“, erklärte Thomas Kleinert, Gebietsreferent für Ostthüringen bei der TLUG. Die 1:1-Erfahrungen von Plan und Wirklichkeit habe man mit dem Hochwasser im Juni 2013 gehabt und festgestellt, dass der Schutz für ein hundertjähriges Hochwasser und mehr nicht ausreiche. Für den künftigen Hochwasserschutz werden abschnittweise hydraulische Berechnungen vorgenommen, die zu einer Gesamtrechnung zusammengeführt werden. Das bedeutet: Wird in einem Abschnitt der Schutz nicht so geschaffen wie notwendig, haben die Anlieger flussabwärts das Nachsehen.

Viadukt in Liebschwitz ist ein Hindernis

Aus dem Ortsteil Liebschwitz kommt die Forderung, das Eisenbahnviadukt, das die Bahn nicht mehr benötigt, abzureißen. Die Pfeiler hatten das Hochwasser in die Wohngrundstücke in der Zoitzstraße geleitet. „Die Pfeiler sind ein Hindernis. Wenn sie weg sind, sinkt auch der Wasserspiegel“, stellte Kleinert fest. Wenn der Wasserstand abgesenkt werden könne und das Gewässerprofil ausgeweitet wird, wären auch keine zusätzlichen Schutzanlagen nötig. Der Deich müsste ertüchtigt und die Straße entsprechend hochgelegt werden, um Liebsch­witz zu schützen.

In Zwötzen werden derzeit der Deich saniert und vor dem Stadion am Steg eine Mauer gebaut. Umstritten ist der Wiederaufbau des Wasserkleinkraftwerkes mit dem Zwötzener Wehr. „Der feste Teil des Wehres soll abgesenkt und ein bewegliches Schlauchwehr aufgesetzt werden, das wird eine Verbesserung bringen“, versicherte Kleinert. Für das Kraftwerk seien vom Betreiber die wasserrechtlichen Anträge für die Sanierung nach dem Hochwasser gestellt. Entscheidungen gibt es dazu bisher nicht.

Mehr Kopfzerbrechen bereitet dem TLUG-Ingenieur die Brücke in der Zoitzbergstraße, über die Eisenbahn, Sraßenbahn und Autos fahren. „Das ist eine Engstelle. Vom Hochwasser war sie hinterspült worden. Dort ist mehr Abflussfläche nötig, denn den Deich noch einen Meter höher zu bauen, wäre nicht sinnvoll“, erklärte Kleinert. Nach den bisherigen Untersuchungen soll bis zur Jahresmitte eine Aussage zu den Kosten vorliegen.

„Die Salzstraße ist regelmäßig überflutet. Wer erklärt den Kleingärtnern, dass Raum nötig ist für Überschwemmungen“, fragte der Ausschussvorsitzende. Das sei eigentlich das geringste Problem, meinte Kleinert. „Das ist bei öffentlichem Interesse gesetzlich geregelt.“ Es werden Varianten untersucht, wo und ob überhaupt Hochwasserschutz gebaut werden müsste, da die Salzstraße an sich die Schutzfunktion für die dann folgenden Häuser habe. Aber auch wenn der Deich an der jetzigen Stelle saniert würde, müssten Kleingärten weichen, um ihn richtig auszubauen. Für das Karl-Harnisch-Stadion und das Volkshaus erläuterte Baudezernent Ramon Miller (SPD), dass die Fördermittelbescheide bereits unter der Maßgabe erteilt seien, dass sie im Überschwemmungsgebiet bleiben. Für die dort ansässigen Gewerbetreibenden müsse ein Ersatz außerhalb des Flutgebietes gefunden werden.

Stellvertretend für die Heinrichsgrüner fragte Ralf Bornkessel (Bürgerschaft) nach einem Hebewerk in der Siedlung, das überlaufendes Wasser aus Kanälen in die Elster leitet. Es gebe bereits Schöpfwerke, die seien für Regen- und Schmutzwasser Sache des Zweckverbandes Wasser/Abwasser und müssen funktionieren, sagte Kleinert. Anwohnern empfahl er, in Kellern Schieber einzubauen. „Vor Wasser, das durch die Wand drückt, schützt das nicht“, meinte der Grünen-Fraktionschef Eugen Weber. Daraufhin ein Zwischenruf von der Bürgerinitiative: „Herr Weber, Sie kennen sich doch gar nicht aus in Heinrichsgrün.“

An der Untermhäuser Brücke wird ein kleines Schöpfwerk gebaut, informiert Kleinert. Und es wird in der jetzt vor dem Hofgut entstehenden Schutzmauer auch eine verschließbare Öffnung bleiben, damit Niederschlagswasser, das vom Berg kommt, in die Elster abfließt, erklärte er auf die Nachfrage von Ortsteilbürgermeister Reinhard Schmalwasser. Oberhalb der Fuchsklamm sei das Gelände bereits saniert worden, sagte der städtische Fachdienstleiter Umwelt Konrad Nickschick. Bernd Müller (CDU) meinte, dass schon mit kleinen Handgriffen viel geholfen sei, etwa wenn Baumstämme aus einem Einlauf entfernt würden.

Für den Elster-Abschnitt Schafwiesen gebe es noch keine Detailplanung. Dort sei die Straße zugleich der Damm und diese liege in der Zuständigkeit der Stadt, die in die Planungen mit einzubinden sei. Das Konzept sei erst im Sommer parat, sagte Kleinert auf das Drängen von Schmalwasser. „Wir fangen dort an, wo das Wasser zuerst überläuft.“ Für Milbitz/Thieschitz/Rubitz wird es eine gesonderte Infoveranstaltung geben. „Dann gleich mit Untermhaus gemeinsam“, forderte Schmalwasser. Für Kleinert steht dem nichts entgegen. Ein größerer Raum wird nun gesucht.

Ohne Detailinformationen musste der Langenberger Ortsteilbürgermeister Matthias Kirsch nach Hause gehen. „Dort ist bis zur Landesgrenze im Auftrag der TLUG die Thüringer Landgesellschaft für den Hochwasserschutz aktiv“, sagte Kleinert. Die TLUG vermisst in diesen Tagen den Elster-Abschnitt aus der Luft. Ausgelegte Messplatten sollen nicht verändert werden, bittet die Landgesellschaft. Zudem wird der Baugrund untersucht.