International wichtige Naturschutz-Stätte: Brehm-Museum in Renthendorf wird Natura-Station

Renthendorf  Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund begrüßt bei Besuch in Renthendorf die beschlossene Kooperation.

Rene Sollmann, Alexander Borowski und Felix Pokrant (von links) sind das vorläufige Team der Natura-2000-Station, die im September 2017 im Pfarrhaus in Renthendorf offiziell eröffnet werden soll. Foto: Frank Kalla

Rene Sollmann, Alexander Borowski und Felix Pokrant (von links) sind das vorläufige Team der Natura-2000-Station, die im September 2017 im Pfarrhaus in Renthendorf offiziell eröffnet werden soll. Foto: Frank Kalla

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An einer möglicherweise bald international bekannten Stätte werden sich Rene Sollmann, Alexander Borowski und Felix Pokrant um den Erhalt der Artenvielfalt in Mooren, Auenlandschaften und Fließgewässern in Thüringen kümmern: Gehören doch die drei Wissenschaftler zum künftigen Team der Natura-2000-Station, die im September 2017 offiziell im Renthendorfer Pfarrhaus ihre Arbeit aufnehmen soll.

Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten. Zwei Räume im Obergeschoss des Pfarrhauses, in dem gegenwärtig die Brehm-Ausstellung untergebracht ist, stehen der Natura-2000-Station zur Verfügung.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne), die sich nun vor Ort ein Bild von der geplanten Kooperation mit der Brehm-Gedenkstätte machte, begrüßte die Verknüpfung von gelebter Erinnerung an das Vermächtnis der Brehms und praktizierten Naturschutz in Form des Erhaltes der Artenvielfalt.

Primäre Aufgabe der Mitarbeiter der Natura-2000-Station ist es, über verschiedenste Projekte die Vielfalt der Arten in Auen, Mooren und Feuchtgebieten im Freistaat zu erhalten sowie Wissen über diese Arten und ihre Lebensräume zu vermitteln.

Träger der Station sind der Naturschutzbund Thüringen, die Naturforschende Gesellschaft und der Verein Amphibien- und Reptilien in Thüringen. Renthendorf ist künftig zentrale Anlaufstelle für die Stationsmitarbeiter. Finanziell unterstützt würden die Stationen vom Freistaat mit jährlich etwa einer Million Euro, klärte Edgar Reisinger vom Umweltministerium auf.

Reisinger ist es auch zu verdanken, dass in Renthendorf eine zusätzliche Station eröffnet wird. "Mir war wichtig, dass hier nicht der Asche verstorbener Wissenschaftler gedacht, sondern das Feuer der Brehms weitergetragen wird", erklärte er.

Brehm-Haus in letzter Minute gerettet

Jochen Süß, Leiter der Brehm-Stätte in Renthendorf, erinnerte indes noch einmal daran, dass es ohne das Zutun vieler Mitstreiter heute kein Brehm-Museum mehr geben würde. Wichtige Meilensteine beim Erhalt des Hauses seien die Gründung des Zweckverbandes, die Wiedereröffnung der Gedenkstätte am 1. September 2012 und nicht zuletzt die 15 Stiftungen und Körperschaften gewesen, die bis Ende 2016 eine Million Euro für die Sanierung des Hauses, der Grabstätten und Teilen des musealen Bestandes zur Verfügung gestellt hätten.

"Der Zustand des Brehm-Hauses war desolat, das Gebäude drohte auch unter der Last von sieben Tonnen Büchern in sich zusammenzufallen." Man habe Wasserschäden entdeckt, die Wände seien mit schwarzem Schimmel befallen gewesen, zahlreiche Balken hatten Braunfäule, und der Giebel habe sich vom Baukörper gelöst gehabt.

Süß bezeichnete das Ensemble aus Brehm-Haus, der Kirche, dem Pfarrhaus, der alten Scheune und der ehemaligen Dorfschule, in der heute das Brehm-Schullandheim untergebracht ist, als einen international einzigartigen Komplex, den man zu einem Campus machen wolle. Man werde ein Brehm-Ensemble schaffen, das seinesgleichen suchen könne.

Auf drei Grundpfeiler wollen die Macher das Brehm-Ensemble setzen. So soll im Museum – also im rekonstruierten Brehm-Haus – an das Leben und Wirken von Christian Ludwig Brehm und seinem Sohn Alfred Edmund Brehm erinnert und dargestellt werden, dass sie die Basis für viele Bereiche der Wissenschaft, aber insbesondere für den heutigen Naturschutz legten.

Dass der "Vogelpastor" Christian Ludwig Brehm sich um den Erhalt von Arten stark machte, ist belegt. So verfasste er unter anderem viel beachtete Aufsätze über den Schutz der Kreuzotter oder der Krähen. Alfred Brehm wiederum gelang es mit seinem "Tierleben", zahlreiche Menschen für die Artenvielfalt auf der Welt zu begeistern.

In einem zweiten Schritt soll innerhalb des Brehm-Ensembles ein Bildungszentrum eingerichtet werden. "Wir sind bereits dabei, die Konzeption umzusetzen", sagte Süß. So werde man mit verschiedenen Partnern – unter anderem mit der Uni Jena – Vorträge, Seminare oder Workshops anbieten.

Unabhängig sein vom Gemeinde-Haushalt

Und dritte Säule ist die Natura-2000-Station, wo man Besuchern und Interessierten Naturschutz praxisnah vermitteln könne. Dazu gehört auch, dass am Brehm-Haus ein Lehrbienen-Stand aufgebaut wird.

Süß zeigte sich zuversichtlich, dass man noch im Frühjahr 2017 die Gründung der "A.E. und C.L. Brehm Stiftung" auf die Reihe bekommen werde. Nach zahlreichen Absprachen mit Erfurt sehe er keine Probleme mehr, sagte Süß, gegenwärtig gebe es 55 Gründungsstifter.

Durch die Stiftung sehe Süß auch die Gewähr, dass man problemlos die restlichen Arbeiten am Brehm-Haus abschließen kann. "Dann wären wir unabhängig vom Haushalt der Gemeinde Renthendorf." Bislang ist Renthendorf Eigentümer der Immobilie, wegen nicht genehmigter Haushalte kam es teilweise auch dazu, dass Aufträge erst später ausgelöst werden konnten. Mit der Übereignung des Brehm-Hauses in die Stiftung wäre dies Geschichte.

Nicht vor 2018 wird wohl die Wiedererrichtung der ehemaligen Pfarrscheune am Brehm-Haus kommen. Süß ist das Gebäude aber wichtig. "Wir brauchen ein Objekt, in dem wir beispielsweise die 13 000 Bücher oder Autografen verwahren."

Frank Kalla über den gewollten Wandel der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf

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