Kopfschütteln, Diskussionen, Schweigen: Bürgerinitiative kritisiert zu viel Abholzung im Wald bei Tautenhain

Tautenhain  Wanderung der Tautenhainer Bürgerinitiative „Proholzlandwald“ am Donnerstagabend im Waldgebiet bei Tautenhain bis hin zur „Sinke“, das forstwirtschaftlich bearbeitet wurde.

Wanderung durch den Tautenhainer Forst. Foto: Andreas Schott

Wanderung durch den Tautenhainer Forst. Foto: Andreas Schott

Foto: zgt

Rund zwei Dutzend Mitglieder der Bürgerinitiative „Proholzlandwald“ hatten sich am Donnerstagabend an der Tautenhainer Gaststätte „Zur Kanone“ eingefunden, um ein Waldgebiet in Augenschein zu nehmen, das in der Vergangenheit durchforstet worden war.

Der Rundgang führte die Gruppe bis zur „Sinke“ und zurück über den Weg „Bertas Ruh“, entlang einstiger Waldwanderwege, aber auch auf Wirtschaftswegen, die im Zuge der Durchforstung entstanden sind. Bernd Steuer, der die Interessierten führte, hatte für die Tour bewusst auch Abschnitte ausgewählt, die über Abwege führten. „Nur wenn man den Wald regelrecht durchstreift, kann man die Ausmaße der Durchforstung aufnehmen, die man von normalen Wanderwegen aus gar nicht sehen kann“, begründet er.

Alle zwanzig Meter seien Schneisen in den Wald geschlagen, aus denen großflächig bis zum jeweiligen nächsten Hauptweg Holz entnommen worden sei. „Dabei sind die üblichen Arbeitsbreiten von rund fünf Metern zumeist großzügig aufgeweitet worden“, weist Bernd Steuer hin.

In Teilen offerierten sich für die Teilnehmer große Lücken im Waldbestand, an einigen Abschnitten mit teils ungetrübtem Freiblick mitten im Wald auf Hauptwege oder die Tautenhainer Landstraße. Mit Kopfschütteln, Diskussionen, aber auch manchmal nur mit einem Schweigen, nahmen sie das Gesehene auf.

Eigentümer der durchforsteten Flächen sei unter anderem die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), aber auch der Bundesforst. Dieser wiederum bewirtschaftet im Auftrag der DBU deren Wald. Beim Besuch der Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Birgit Keller (Die Linke), im Mai in Tautenhain, hatte die Bürgerinitiative den massiven Eingriff kritisiert. In einem Antwortschreiben räumte die Ministerin ein, dass es vielfach Beschwerden gegeben habe. Auch das Forstamt Jena-Holzland habe bei der Art und Weise des Eingriffs und dem Maschineneinsatz im Bundesforst und im Oberndorfer Holz Kritik geübt, teilte sie mit. Allerdings verteidigte die Minister den Eingriff des Bundesforstes entlang der Straße von Tautenhain nach Bad Köstritz, weil hier Stürme schwere Schäden angerichtet hätten.

Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben des Thüringer Waldgesetzes sei eine Absenkung des Wald-Bestandes auf weniger als 40 Prozent unzulässig. Im vorliegenden Fall sei die Holzentnahme aber im Rahmen des Waldgesetzes erfolgt, argumentiert die Ministerin.

Das sehen die „Proholzlandwald“-Mitglieder nach der Wanderung aber anders. Nach ihrer Auffassung sei der Waldbestand über das gesetzliche Maß hinaus reduziert worden, und zwar deutlich. Sie plädieren generell dafür, überhaupt nur maximal 20 Prozent der Waldfläche für den Holzeinschlag freizugeben. Das entspreche nur einem Drittel gegenüber dem, was der Gesetzgeber vorschreibe, und zudem sollte erst nach zehn Jahren erstmals eine erneute Bewirtschaftung erlaubt sein. Sie befürchten auch, dass die kommende Durchforstung der Waldflächen bis nach Bad Klosterlausnitz gleichfalls die Ausmaße annehmen werde, wie das im Tautenhainer Forst geschehen sei. Dagegen wollen sie sich zu Wehr setzen, kündigten sie an. Ebenso wolle man schützenswerte Bäume vor Fällungen bewahren. Im Blick habe man dabei eine prächtige Lärche im Tautenhainer Wald, die rund 180 Jahre alt sei und beim Stammdurchmesser von zwei Männern gerade so gefasst werden konnte.

Erkenntnisse schärfen Sinne: Andreas Schott über die Bürgerinitiative Proholzlandwald, die ihrem Namen Ehre machen will

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