Langenschade: Zuchtstation sollen Auerhuhn in Thüringen retten

Sichtlich zufrieden mit der geleisteten Arbeit steht Volker Gebhardt am Freitag in einer von zehn neuen Volieren am äußersten Ortsrand von Langenschade im Kreis Saalfeld-Rudolstadt. Auf der neuen Zuchtstation für Auerhühner ruhen die Hoffnungen für den Fortbestand einer ganzen Art in Thüringen.

Ein präpariertes Paar der Art Auerhuhn steht am Freitag im neuen Gebäude der staatlichen Auerwildaufzuchtstation in Langenschade (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt). Am Freitag wurde der Neubau der deutschlandweit einzigen Aufzuchtstation fuer Auerwild eroeffnet. Foto: Candy Welz/dapd

Ein präpariertes Paar der Art Auerhuhn steht am Freitag im neuen Gebäude der staatlichen Auerwildaufzuchtstation in Langenschade (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt). Am Freitag wurde der Neubau der deutschlandweit einzigen Aufzuchtstation fuer Auerwild eroeffnet. Foto: Candy Welz/dapd

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Einzigartig: Auerwild- Aufzuchtstation im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Einzigartig: Auerwild- Aufzuchtstation im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Unterwellenborn. Trotz erheblicher Anstrengungen schrumpfe die Auerwild-Population in Thüringen seit den 1990er Jahren drastisch, sagt Gebhardt. Obwohl jedes Jahr rund 20 Tiere ausgewildert werden, hat der Bestand einen historischen Tiefstand erreicht.



Nur noch etwa ein Dutzend frei lebende Auerhühner gebe es derzeit im Freistaat, begrenzt auf ein etwa 36.000 Hektar großes Gebiet im Thüringer Schiefergebirge, erklärt Gebhardt. Wenn auch dieser letzte Anlauf zur Rettung der Bestände scheitere, bedeute das wohl das endgültige Aus für der einst im gesamten Wald verbreiteten Vogel. Doch in die schlechten Nachrichten mischt sich auch Hoffnung. "Diesmal haben wir die Chance, dass die Stabilisierung tatsächlich gelingt", sagt der Auerhuhn-Experte Siegfried Klaus vom Naturschutzbund NABU Thüringen.

Voraussetzungen für Wiederansiedelungen sind besser geworden


Mit dem Neubau könnten nun endlich alle Erfahrungen genutzt und umgesetzt werden, die es seit dem Beginn der ersten Schutzaktionen in den 1970er Jahren gesammelt wurden. "Aber auch ganz grundlegend hat das Projekt nun eine neue Qualität", sagt er. Im Gegensatz zu früher stehe die Leitung der Landesforstanstalt heute hinter dem Projekt, anstelle von lokalen Einzelmaßnahmen könne nun endlich in der Fläche etwas bewirkt werden.



"Wir wollen ganz klar verhindern, dass die Tiere ganz aussterben", sagt der Referatsleiter der Obersten Jagdbehörde, Achim Ramm. "Das wird aber nicht von heute auf morgen gehen." Rund 200.000 Euro wird die Landesforstanstalt Gebhardt zufolge in Zukunft jährlich in Schutzmaßnahmen investieren. Dabei sei die Nachzucht nur eine Maßnahme von vielen: Parallel dazu sollen in einem Kerngebiet von etwa 5.000 Hektar durch allmählichen Waldumbau die Bedingungen für Auerhühner grundlegend verbessert werden. Unverzichtbare Lebensgrundlage des größten heimischen Waldvogels seien lichte Fichtenwälder mit ausgedehntem Heidelbeerbewuchs, der den Tieren als Nahrung und Schutz diene, sagt Klaus. Diese wiederherzustellen sei eines der wichtigsten Ziele.

Abschussprämie soll Fressfeinde dezimieren

Doch auch der Schutz vor Feinden muss den Experten zufolge deutlich verbessert werden. Fuchs, Waschbär und andere Räuber sollten deshalb in den Kernzonen scharf bejagt werden, um die Schäden zu verringern, sagt Gebhardt. Bereits jetzt werde Jägern eine als Aufwandsentschädigung deklarierte Abschussprämie von 25 Euro für jedes erlegte Tier gezahlt. Doch auch andere Tierarten - etwa Wildschweine - müssten in den Zonen deutlich häufiger erlegt werden. Zu groß seien die Schäden, die die Schweine bei der Nahrungssuche an den Bodengelegen der Auerhühner verursachten, sagt Klaus. Rund ein Drittel der Verluste seien auf Schwarzwild zurückzuführen.



Noch sind die neuen Volieren leer, doch bereits in den kommenden Tagen soll die Umsiedelung der momentan vorhandenen sechs Zuchttiere beginnen. Noch in diesem Jahr sollen die zwei Hähne und vier Hennen durch zwei bis drei Wildfänge aus Polen aufgestockt werden, sagt Gebhardt.



In knapp zwei Wochen wird auch die breite Öffentlichkeit die Möglichkeit erhalten, bei der Aufzucht hautnah dabei zu sein. Webcams sollen dann Livebilder aus den Volieren übertragen - und Szenen zeigen, die sich mit etwas Glück auch in Zukunft in freier Wildbahn wieder häufiger abspielen.

Zahlen und Fakten zur Aufzuchtstation

- Sie hat hat etwa 400.000 Euro gekostet.

- 150.000 Euro steuert die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zu, der Rest stammt aus Landeszuweisungen für die Forstanstalt.

- In der Anlage gibt es zehn Volieren, zwei davon zur Quarantäne.

- Jedes Jahr sollen etwa 20 Jungvögel ausgewildert werden.

- Bis 2010 sollen erste Erfolge sichtbar sein.

- In den 1970er Jahren wurden in Thüringen noch 300 Auerhühner gezählt.

- Bisher hatten alle Wiederansiedelungsprojekte in Deutschland nur geringen Erfolg.

- Auswilderungen von Wildtieren aus Russland, Schweden oder Polen sind erfolgreicher als Nachzuchten. Sie werden aber unter anderem aufgrund der Kosten in Thüringen nicht mehr durchgeführt.

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