Langer Tag der Natur: Auf Entdeckungsreise zwischen Gößnitz und Merlach

Merlach/Gößnitz  Die Naturforschende Gesellschaft Altenburg lädt heute und morgen nach Merlach

Seit kurzem leben im Schutzgebiet Pleißeaue Merlach vier Karpatenbüffel. Sie sorgen für die extensive Beweidung und halten zudem die vielen kleinen Tümpel frei, die Lebensraum bieten für Laubfrosch und Wechselkröte.

Seit kurzem leben im Schutzgebiet Pleißeaue Merlach vier Karpatenbüffel. Sie sorgen für die extensive Beweidung und halten zudem die vielen kleinen Tümpel frei, die Lebensraum bieten für Laubfrosch und Wechselkröte.

Foto: Naturforschende Gesellschaft Altenburger Land

Wenn heute und morgen die Naturforschende Gesellschaft Altenburg (NfGA) zum langen Tag der Natur einladen, können Neugierige zwischen Gößnitz und Merlach auf Entdeckungsreise gehen.

Die beiden NfGA-Mitarbeiter Gitte Baumkötter und Thomas Fanghänel wollen das Projekt „Pleißeaue Merlach“ vorstellen. Seit Juli vergangenen Jahres läuft es bereits. Anfang Mai 2019 haben dort vier Karpatenbüffel – zwei Kühe, zwei Jungtiere, im Winter wird weiterer Nachwuchs erwartet – die Pflege und Strukturierung der Feuchtwiesen und Kleingewässer übernommen. Mit Geldern aus verschiedenen EU-Fördertöpfen konnte zum einen die zwölf Hektar große Büffelweide, zum anderen die fünf Hektar große Fläche am Merlacher Wasserwerk – hier ist der Wiesenknopfameisenbläuling zu Hause – eingezäunt werden. Zudem wurden für die Büffel zusätzlich zu den natürlichen Gewässern 15 kleine Teiche angelegt. Die Aufgabe der Vierbeiner ist es, diese frei zu halten. Was wiederum gelingt, da die Büffel gern baden und sich in den kleinen Teichen suhlen. Die Gewässer sind Lebensraum für Laubfrosch und Wechselkröte, die sauberes Wasser ohne Fischbestand benötigen. Und die es schön warm brauchen, damit sie in Stimmung kommen und sich vermehren.

Rund 130.000 Euro kostete es, Zäune zu ziehen und Teiche anzulegen. Das Projekt wurde vom Freistaat Thüringen geförderte und durch Mittel der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) und der Förderinitiative für Ländliche Entwicklung (Eler) kofinanziert.

Und einen ersten kleinen Erfolg können Fanghänel und Baumkötter bereits vermelden: Obgleich die Fläche erst seit kurzem fertig ist, ruft dort abends schon der Laubfrosch. „Das ist unheimlich toll und wir sind überrascht über diesen schnellen Erfolg“, erzählt Gitte Baumkötter. Ihr Kollege Fanghänel betreut die Fläche am Merlacher Bad intensiv, oft ist er in den Abendstunden dort anzutreffen. Bei diesen Gelegenheiten hört er jetzt stets auch den Laubfrosch. Dessen Vorkommen in Merlach wird in der Datenbank des Naturkundemuseums Mauritianum sowie in der zentralen Erfassungsstelle Thüringens registriert.

Das Areal zwischen Merlach und Gößnitz ist als Naherholungsgebiet beliebt. Spaziergänger sind hier anzutreffen, Radfahrer oder Wanderfreunde ebenso. „Deshalb wollen wir eine Info-Tafel an der Büffelweide aufstellen, um über unser Projekt zu informieren“, so Baumkötter. Direkten Anwohnern, der Gemeinde Ponitz sowie der Stadt Gößnitz wurde das Projekt „Pleißeaue Merlach“ bereits vorgestellt. „Wir wollen Transparenz schaffen, Hintergründe erklären. Das klappt gut und manches Vorurteil konnte dadurch schon ausgeräumt werden“, berichtet Baumkötter aus ihren Erfahrungen.

Die Führungen heute und morgen sollen ebenso dazu beitragen, die Akzeptanz für die geschützten Flächen am Merlacher Bad und dem Wasserwerk zu erhöhen.

Zumal es dort noch viel mehr zu entdecken gibt. Angefangen von den alten Teichen, über die die erhabenen Kopfweiden, bis hin zu Neuntöter, Ringelnatter, Schwarzkehlchen, Zauneidechse oder Grünspecht. Nicht zu vergessen ist die Wiesenknopffläche am Wasserwerk, auf der sich der Wiesenknopfameisenbläuling so wohl fühlt. Dabei handelt es sich um einen streng geschützten Schmetterling, der eher unscheinbar daher flattert. Dafür ist der Falter ein sehr trickreicher, weil er auf zwei Dinge angewiesen ist, um überleben zu können, auf den Großen Wiesenknopf und die Rote Gartenameise.

Nur in den Wiesenknopf-Blüten kann der kleine Schmetterling fressen und seine Eier ablegen. Aus denen schlüpfen rosa Raupen, die sich aus ihrem Blumenversteck auf die Erde plumpsen lassen. Dort warten sie auf die Rote Gartenameise. Und weil die rosa Raupen nach Roter Gartenameise duften, werden sie von denen umgehend ­erkannt und in den eigenen Bau getragen, wo sie sich in Ruhe verpuppen und den Winter überstehen können. Die Tarnung fliegt erst auf, wenn der Falter schlüpft.

Diese und noch mehr Geschichten aus der Natur zwischen Gößnitz und Merlach können Interessierte heute und morgen am „Langen Tag der Natur“ dort erfahren. Teilnehmer jeden Alters sind herzlich willkommen. Mitzubringen ist lediglich festes Schuhwerk.

Meine Meinung: Jana Borath über Schützenswertes und lange Tage Führungen: heute, 17 Uhr, morgen 10 Uhr, Treffpunkt ist am Wasserwerk Ponitz.

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