Mäuse können sich ohne Feinde tummeln: Auf der Suche nach gemeinsamem Nenner in Dreba

Dreba  Agrarpolitik und Naturschutz – eine unlösbare Aufgabe? Diesem Thema hatte sich der Arbeitskreis Teichgebiet Dreba-Plothen des Naturschutzbundes bei seiner Februar-Versammlung gestellt.

Peter Zörner vom Naturschutzbund zeigt einen Solitärbaum auf Kirschkauer Flur, der offenbar der Landwirtschaft im Wege ist und absterben wird. Foto: Judith Albig

Peter Zörner vom Naturschutzbund zeigt einen Solitärbaum auf Kirschkauer Flur, der offenbar der Landwirtschaft im Wege ist und absterben wird. Foto: Judith Albig

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Eine Antwort auf diese schwierige Frage wurde am Mittwochabend nicht gefunden. Soviel sei vorausgeschickt. In der Diskussion blieb es zunächst bei Beobachtungen, die naturinteressierte Menschen machten – Beobachtungen, die sie beunruhigen, und zu denen sie ihre Fragen stellten. Die Landwirte erklärten, wo sie es konnten, ihre Gründe dafür, ihre Zwänge, Gewohnheiten sowie natürlich auch Versäumnisse. Was daraufhin geändert werden könnte, steht auf einem anderen Blatt.

Das Besondere und Verdienstvolle an dieser Veranstaltung war, dass sich Naturschützer mit Landwirten austauschen wollten. Das ist noch keine Selbstverständlichkeit. Einer aus der Runde, der einen entsprechenden Zeitungsartikel hochhielt, sah darin immerhin schon die Forderung von Bauern erfüllt: „Redet mit uns, nicht über uns“.

Als Gastgeber sprach Peter Zörner, Vorsitzender des Arbeitskreises, Probleme des „nicht ganz konfliktfreien Themas“ an wie die intensive Landwirtschaft im Allgemeinen und die leichtsinnige Beseitigung von Gehölzen, den unsachgemäßen Umgang mit Hecken, das Vernichten von Randstreifen, Ackerrainen, Böschungen und sogar Wegen im Besonderen. Weil damit viele Feinde der so genannten Schadnager ihren Lebensraum verlieren, geschehe keine biologische Schädlingsbekämpfung, und es müsse Chemie eingesetzt werden. Gift gehöre aber nicht in die Natur.

Nadine Schwesig aus Pößneck berichtete sehr enttäuscht von Umweltfrevel an Hecken, den sie gerade wieder habe feststellen müssen. Als ehemalige Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde fragte sie zudem, wie denn Umweltauflagen, die die Behörde gemeinsam mit den Landwirten festlegt, kontrolliert werden. Der Disput, der sich daraus entwickelte, machte deutlich, dass diese Kontrollen offenbar auf keinen Fall konsequent erfolgen und Verstöße nicht immer geahndet werden.

Bauern erleiden Einkommensverluste

Viele Landwirte waren der Einladung des Naturschutz-Arbeitskreises allerdings nicht gefolgt, außer den als offizielle Gesprächspartner Geladenen nur einzelne Kleinbauern und Nebenerwerbslandwirte. Als Leiter des Landwirtschaftsamtes sagte Arnfried Völlm nach einem historischen und internationalen Exkurs über die Entwicklungen in der Agrarpolitik frank und frei, dass man sich darüber im Klaren sein müsse: Wenn Flächen nicht oder weniger intensiv landwirtschaftlich genutzt würden, bedeute das immer Einkommensverluste. Er fand dafür bei den Naturschützern durchaus Verständnis – wie auch dafür, dass der Druck nicht nur von den Verbrauchern komme, sondern ganz konkret vom Handel, wo immer weiter konkurriert und ein gnadenloser Preiskampf ausgelöst werde.

Nebenerwerbslandwirt Klaus-Peter Matthey aus Langendembach wünschte sich, dass Kleinlandwirten Konzepte für naturgerechte Landwirtschaft aufgezeigt werden, dass man sich zu diesem Zweck auch in Gruppen zusammenfindet, um solche Konzepte gemeinsam umzusetzen. Er erhielt aus der Runde den Tipp, dass für dieses Ansinnen der in Pößneck ansässige Landschaftspflegeverband sein Verbündeter sei.

Bernd Prager, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und selbst Geschäftsführer der Rinderhof Agrar GmbH Seubtendorf, löste einiges Murren im Raum aus, als er formulierte, dass Bauern schon auch „ab und zu mal einen Meter zu weit rausackern“. Er hatte aber auch interessierte Zuhörer, als er berichtete, dass Thüringen zum Beispiel im Vergleich zu Niedersachsen lediglich ein Zehntel der Tieranzahl pro Hektar Landwirtschaftsfläche habe. Und die Naturschützer freuten sich, von vorbildlichen Ausgleichsmaßnahmen für die Natur in seinem Betrieb zu hören. Gern werden sie im Frühjahr der Einladung nach Seubtendorf folgen, um sich das anzusehen.

Der Alternativ-Landwirt Matthias Beilschmidt aus Rödersdorf berichtete von Interessengemeinschaften, die im kleinen Stil naturgerecht arbeiten und gesunde, aber auch bezahlbare Lebensmittel produzieren. Er brachte den Gedankengang ins Spiel, dass man bei der Landwirtschaft an die drei Komponenten Ernährung der Menschen, Schutz der Natur und Einkommen der Landwirte denken müsse.

„Für unser Anliegen brauchen wir alle Partner“, hatte Peter Zörner zu Beginn der Veranstaltung gesagt, „die mit der Umwelt zu tun haben“. Das habe man sich auch als Arbeitskreis in diesem Jahr besonders auf die Fahne geschrieben und im vergangenen Monat bereits die Jägerschaft zum gemeinsamen Disput eingeladen. Auch mit den Fischwirten und dem Forstamt arbeite man gut zusammen. Was können wir gemeinsam tun, um die Natur zu schützen? – das sei die alles überspannende Frage. Man müsse Wege finden, „um aus der Misere herauszukommen“.

Unser aller Lebensraum: Judith Albig über eine Annäherung, die viel Geduld braucht

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