Ringdeich um Caaschwitz geplant

Caaschwitz  Die Thüringer Landgesellschaft und ihre Planer stellen ihre Idee für den Hochwasserschutz der Gemeinde vor.

Nach den Vorträgen zum Hochwasserschutz in Caaschwitz durften Besucher ihre individuellen Fragen bei den Planern loswerden.

Nach den Vorträgen zum Hochwasserschutz in Caaschwitz durften Besucher ihre individuellen Fragen bei den Planern loswerden.

Foto: Marcel Hilbert

Die Bilder von oben riefen Erinnerungen bei den allermeisten der etwa 50 Gäste im Vereinshaus Caaschwitz wieder wach. Jene Aufnahmen aus dem Jahr 2013 zeigten das Dorf zu weiten Teilen unter Wasser. Den Ort bestmöglich vor künftigen Fluten der Weißen Elster zu schützen, darum ging es bei der Info-Veranstaltung der Thüringer Landgesellschaft zum Stand der geplanten Hochwasserschutz-Maßnahmen. Betrachtet wurde der Teilabschnitt „Pohlitz/ Caaschwitz“ des gesamten Planungsbereiches zwischen der Eisenbahnbrücke Bad Köstritz und Ahlendorf an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Da es für Pohlitz im April eine eigene Veranstaltung geben soll, lag der Fokus am Dienstag auf Caaschwitz.

Verteidigungsweg wird errichtet

Grundsätzlich soll Caaschwitz durch einen neuen Ringdeich geschützt werden, der sich östlich des Eisenbahndamms nah an die Ortslage schmiegt, ohne direkt an den Bahndamm angebunden werden zu müssen. Der begrünte Deich wird im Schnitt etwa 70 Zentimeter höher sein als der alte, der auf 900 Metern Länge zurückgebaut werden soll. Die Deichkrone, so erklärte Tina Mühle vom Dresdener Planungsbüro Arcadis, liege damit etwa 50 Zentimeter über dem Wasserspiegel von 2013, was einer Art Sicherheitspuffer entspricht. Auf der Landseite wird der nicht öffentliche Verteidigungsweg errichtet.

Neue Wege und angehobene Straßen

Zum Plan gehört ein neues Wegekonzept für Feld- und Radwege, das rechts der Weißen Elster einen neuen asphaltierten Weg zwischen der Eisenbahnbrücke bei Bad Köstritz und der Wirtschaftsbrücke unterhalb der Feuerwehrschule vorsieht. Der bestehende Radweg links der Elster wird zurückgebaut. Der Knotenpunkt unterhalb der Feuerwehrschule am Silbitzer Weg wird angehoben, gleiches gilt für den Silbitzer Weg als solchem der entlang der Weißen Elster um 80 bis 90 Zentimeter angehoben werden soll. Der neue Rad- und Landwirtschaftsweg kreuzt bei der Wirtschaftsbrücke die Elster, quert den Gleinaer Bach und gabelt sich dann. Ein Weg führt quer zur Caaschwitzer Obergasse, der andere bindet wieder an den bestehenden Weg zwischen Hundesportplatz und Ortslage an.

Scharten und Überleitungen

Sowohl an der Obergasse, wo der neue Weg einmündet, als auch an der Elsterstraße sollen im geplanten Ringdeich Scharten entstehen. Das heißt, der Deich hat dort Öffnungen, die sich im Ernstfall mit Dammbalken schließen lassen. Zusätzlich werden die Straßen an diesen Stellen angehoben, um auch ohne Dammbalken einen Schutz vor statistisch aller 20 Jahre auftretenden Hochwasserereignissen zu bieten. Nach jetzigem Planungsstand sind zudem fünf Überleitungen durch den Deich vorgesehen, durch die das Wasser aus der Ortslage abgeleitet werden soll, die aber durch Schieber gegen Rückfluss aus der Elster gesichert seien, erklärt Tina Mühle. Dort könnte dann im Ernstfall auch das Wasser aus dem Ort abgepumpt werden.

Große Bedenken zur Binnenentwässerung

Große Bedenken äußerten einige Gäste zum Thema Binnenentwässerung, also dazu, wie das Wasser im Ernstfall aus der Ortslage herauskommt. Ein Besucher äußerte die Angst, dass der Ringdeich den Ort mit Blick auf Grund- und Niederschlagswasser sowie auf das Abwassernetz zur „Wanne“ werden lässt. Das Problem, hieß es, habe man auf dem Schirm und noch nicht abschließend geklärt. Es wurde auf ein noch ausstehendes hydrologisches Gutachten verwiesen. Trotzdem sei die Thematik bereits in die Planungen eingeflossen. Generell gelte, die Grundwasserproblematik durch die Hochwasserschutzmaßnahmen nicht zu verschärfen, bestenfalls die Situation zu entspannen.

In Caaschwitz verspricht man sich von der geplanten Verlegung des verrohrten Hirschgrabens als dann offenen Graben entlang des Fußes des neuen Deiches eine spürbare Entlastung der Caaschwitzer Kanalisation. Dennoch gebe es immer ein Restrisiko, das auch die geplanten Maßnahmen nicht ausschließen können.

Fragen nach Flächen und Kosten

„Ohne Flächen sind die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen nicht umsetzbar“, sagte Frank Schirmer von der Thüringer Landgesellschaft. Die Flächensicherung, räumte er ein, sei nicht ganz einfach. Als beauftragter Vorhabensträger strebe man derzeit ein Flurbereinigungsverfahren an. Wann denn mit Grundstückseigentümern gesprochen wird, wollte ein Besucher wissen. Zum Teil passierte das bereits, zum Teil stünden Gespräche nun an. Ob in irgendeiner Form Kosten durch die vorgestellten Baumaßnahmen auf Anlieger zukommen, wollte ein anderer Besucher wissen. Nein, das sei nicht vorgesehen, sagt Schirmer.

Zeitplan und nächste Schritte

Natürlich bewegte die Gäste auch, wann es denn losgehen soll mit den Arbeiten. Derzeit ist man in der Entwurfsplanung. Es sei „noch nichts in Sack und Tüten, die Planungen bieten genügend Spielraum zur Optimierung“, sagte Uta Pöhl vom Erfurter Ingenieurbüro IPU, die den Abend moderierte. Der Zeitplan sieht vor, dass im 3. Quartal 2018 die Planungsunterlagen eingereicht werden können, das Planfeststellungsverfahren beginnt. Bis dahin hofft Frank Schirmer, möglichst viele Pro­bleme und offene Fragen der Anlieger klären zu können. Er rechne mit einer Verfahrensdauer von 15 Monaten, die sich aber durch später auftauchende Probleme noch verlängern könnte. Bleibt es bei dieser Dauer, könnte 2020 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ausnahme bildet die geplante Anhebung des Silbitzer Weges, die schon 2019 als vorgezogene Maßnahme beginnen könnte.

Im März soll die Internetseite www.blickpunkt-elster.de online gehen, die über den geplanten Hochwasserschutz an der Weißen Elster informiert.