Saale-Holzland: Fichten und Buchen leiden unter dem Klima

Waldeck  Waldrundgang mit Förster Olaf Schmelz bei Waldeck im Saale-Holzland-Kreis zeigt: Klimawandel macht Probleme.

Waldexkursion mit Förster Olaf Schmelz: Hinter bunten Blumen am Wegesrand sind junge Fichten in großer Zahl vertrocknet.

Waldexkursion mit Förster Olaf Schmelz: Hinter bunten Blumen am Wegesrand sind junge Fichten in großer Zahl vertrocknet.

Foto: Florian Girwert

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Olaf Schmelz biegt vom geschotterten Weg ins Unterholz ab. „Ohne besonderen Hinweis wäre das hier wohl nicht aufgefallen“, sagt er. Im Vordergrund violette Blüten, im Hintergrund jede Menge vertrocknete braune Jungfichten, die nicht mehr in die Höhe wachsen werden. Derlei Einblicke in sonst Verborgenes bot der Förster am Freitag zum „Langen Tag der Natur“, einer Aktion des Nabu auf Wegen durch den Wald rund um den kleinen Ort Waldeck zwischen Bürgel und Hermsdorf.

Im Rahmen der Aktion wurden zahlreiche Exkursionen in die Natur angeboten, man konnte sich am Lehrbienenstand in Gernewitz über die fleißigen Insekten informieren oder in Nickelsdorf Vogelhäuser mitbasteln – oder eben mit Olaf Schmelz durch den Wald ziehen.

Seine Analyse fällt wenig positiv aus: „Jede Menge Bäume sterben ab, obwohl der Mai in diesem Jahr zu kalt und zu nass war.“ Aber im Winter sei es zu trocken gewesen – und der vergangene trockene Sommer habe schon große Schäden verursacht. „Manche Bäume hier sehen aus, als hätte jemand Chemie drüber gekippt.“ Tatsächlich seien Trockenheit und Borkenkäfer schuld.

Viel Totholz im Wald

Zwölfmal größer sei die Menge Totholz gegenüber dem vergangenen Jahr. Betroffen sind nicht nur Fichten durch den Borkenkäfer-Befall. Auch viele Buchen sehen nicht gut aus. „Schauen Sie mal nach oben, wie licht die Kronen sind.“ Vor Jahrzehnten habe man durch den Wald laufen können, ohne bei Regen nass zu werden. Das sei heute kaum noch möglich. Und die vom Trockensommer verursachten Schäden brauchen lange, um sich zu verwachsen. „Nach dem Rekordsommer 2003 hat es bis vor kurzem gedauert.“

Schmelz deutet unter ein paar Buchen in die Höhe. „Oben sind fast keine Blätter mehr“, sagt er missmutig. Trockenschäden, so sein Fazit. Es sei ein großes Problem, wenn die Nährstoffe nicht mehr bis zu den Lichtblättern ganz oben in der Krone gelangten. „In zwei bis drei Jahren spätestens sind die Bäume tot.“ Natürlich sterbe der Wald nicht als Ganzes, es setzen sich dann andere Arten durch, die mit dem immer extremeren Wetter besser zurechtkommen. Welche Baumart als nächstes dezimiert wird, könne er mit Sicherheit nicht sagen. „Aber ich tippe auf die Buche.“

Er würde sich mehr Aufmerksamkeit für den Wald wünschen – und lokal wie global mehr Rücksicht auf die Natur. „Indem der US-Präsident das Klimaabkommen von Paris aufgekündigt hat, zeigt er den anderen Ländern den ausgestreckten Mittelfinger.“ Doch auch in Thüringen wünscht sich Schmelz mehr Rücksicht – und mehr Wissen – über den Wald. „Früher wurden im Kino vor dem Film kurze Filme über Waldbrandgefahr und andere Informationen gezeigt.“ Das sei doch auch heute eine gute Idee. Selbst bei Grünen-Wählern halte sich hingegen das Wissen um Natur und ihre Zusammenhänge in engen Grenzen. „Überall gibt es Spezialisten, die auf einem kleinen Gebiet sehr viel Ahnung haben.“ Aber wie alles miteinander zusammenhängt, das verstünden immer weniger Menschen. Daher bietet der Förster, der auch ausgebildeter Waldpädagoge ist, 30 bis 40 Führungen pro Jahr an. „Für alle Altersklassen“, wie er betont.

Falsche Anreize für Waldbesitzer

„Der Wald produziert Sauerstoff, spendet Erholung, dient der Holzproduktion.“ Außerdem speichere er Wasser. „Wo viel Wald ist, gibt es oft auch Brauereien“, sagt er und lacht. Dafür braucht es natürlich Regen. „Wir sind über jeden Regentag im Mai froh gewesen", berichtet er. Das bleibe auch in nächster Zeit so.

Aus seiner Sicht haben private Waldbesitzer auch falsche Anreize: „Ein Weihnachtsbaum kostet 25 Euro und ist maximal vier Jahre lang gewachsen.“ Ein Festmeter schlechtes Holz – das Vielfache von einem Weihnachtsbaum – bringe hingegen kaum 30 Euro. Da sei der Anreiz, Bäume einfach mal wachsen zu lassen, nicht wirklich gegeben. Und dann würden die geraden Bäume als Weihnachtsbäume verkauft. „Dabei sollten eigentlich die am besten gewachsenen Bäume im Wald bleiben.“

Nein, schwarzmalen wolle er nicht. Die Arbeit im Wald sei doch eine schöne, sagt er und zitiert eine Weisheit des Berufsstands: „Am besten hat‘s die Forstpartie, der Wald, der wächst auch ohne sie.“ Schmelz hofft, dass das auch in Zukunft noch stimmt.

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