Silbitz/Crossen: Mauer soll künftig vor Hochwasser schützen

Silbitz/Crossen  Der Hochwasserschutz könnte bis 2023 stehen. Probleme bereiten den Planern noch die Rauda und Eigentumsfragen.

2013 stand das Industriegelände während der Überschwemmung durch die Weiße Elster komplett unter Wasser. Archivfoto: Tino Zippel

2013 stand das Industriegelände während der Überschwemmung durch die Weiße Elster komplett unter Wasser. Archivfoto: Tino Zippel

Foto: Tino Zippel

Die Gießerei Silbitz Guss hatte mit mehr als 14 Millionen Euro den höchsten Einzelschaden in Thüringen, als Ende Mai, Anfang Juni 2013 die Weiße Elster die Orte an ihren Ufern überschwemmte. Nachdem im Februar den Anwohnern von Silbitz die Pläne für den Hochwasserschutz in ihrem Ort vorgestellt wurden, haben die Thüringer Landgesellschaft und das Planungsbüro Arcadis aus Dresden am Mittwochabend Anwohner und Gewerbetreibende über die Pläne für den künftigen Schutz auf der anderen Seite des Flusses informiert.

„Ein riesiges Schadenspotenzial, das es zu schützen gilt“, so Torsten Blohmer vom Planungsbüro Arcadis. Eine durchgängige Hochwasserschutzmauer soll künftig Silbitz Guss, weitere Unternehmen und die Bewohner der Häuser in der Dr.-Maruschky-Straße in Silbitz und flussabwärts die Unternehmen im Crossener Gewerbegebiet „Am Rautenanger“ schützen. Bis zum Jahr 2023 könnten die Anlagen gebaut sein, wenn der Zeitplan bis hin zur Planfeststellung und Umsetzung eingehalten werden können.

„Der Hochwasserschutz für Wohnbauten, Gewerbe und Industriegebiet ist nach wie vor der Schwerpunkt“, sagte vorgestern Frank Schirmer von der Thüringer Landgesellschaft. Das Unternehmen ist vom Freistaat Thüringen beauftragt, für weite Bereiche der Weißen Elster, darunter der Abschnitt zwischen Gera-Untermhaus bis zur Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, nach der Flut 2013 den Schutz vor einem neuerlichen Jahrhundert-Hochwassser zu planen und umzusetzen. Das bedeute auch, bestehende Überschwemmungsgebiete zu erhalten beziehungsweise neue zu erschließen. Für den Bereich bei Silbitz und Crossen käme das allerdings nicht in Frage.

Um Hochwasser vor dem Flussabschnitt zwischen Caaschwitz und der Landesgrenze ableiten zu können, sollen neue Retentionsräume zwischen Gera-Milbitz und Bad Köstritz erschlossen werden, erläuterte Schirmer auf die Fragen besorgter Silbitzer.

Berücksichtigt werden bei der Planung des Hochwasserschutzes auch die Wirtschaftlichkeit bei der Errichtung und beim künftigen Unterhalt der Anlagen. Das Effektivste werde deshalb am westlichen Ufer der Weißen Elster eine Schutzmauer sein, erläuterte Planer Blohmer. Auch diese bringe in der Planung Probleme mit sich. Hauptproblem für die Planungen der Thüringer Landgesellschaft und von Arcadis ist der Zufluss der Rauda. Solange für die Rauda kein Hochwasserschutzkonzept vorliegt, könne der Hochwasserschutz für die Weiße Elster nur bedingt geplant werden. Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, weshalb die Planungen für den Hochwasserschutz an der Elster in Crossen und dessen Ortsteil Ahlendorf bislang auf Eis liegen.

„Wenn der Hochwasserschutz für die Rauda nicht rechtzeitig kommt, haben wir drei Möglichkeiten“, sagte Schirmer auf OTZ-Nachfrage: „Entweder wir bauen den Schutz direkt an der Weißen Elster, das wäre aber eine schlechte Lösung für Hartmannsdorf. Oder wir binden Hartmannsdorf in den Hochwasserschutz am Fluss mit ein, das nutzt den Oberliegern an der Rauda aber nichts. Oder es müssten oben an der Rauda Rückhalte gebaut werden.“

Aber auch im Bereich der künftigen Hochwasserschutzmauer zwischen Silbitz und Crossen sind einige planerische Hürden zu überwinden. Etwa die Teiche von Heizkraftwerk und Silbitz Guss, die zum Teil umverlegt werden sollen. Oder notwendige Überfahrten über die künftige Schutzmauer zwischen den Betriebsgeländen von Silbitz Guss. Und die Binnenentwässerung innerhalb der Betriebsgelände ist ein Thema.

Auch zwei Straße müssen von der künftigen Mauer gequert werden: Die Dr.-Maruschky-Straße zwischen der Elsterbrücke und den Teichen zum einen und die Tauchlitzer Straße zum anderen. „Dafür werden sogenannte Scharten in der Anlage gebaut und die Straßen gegebenenfalls leicht angehoben“, erklärte Torsten Blohmer. Die Scharten sind zu beiden Seiten der Straße Betonwände mit Fugen, in die bei drohender Überschwemmung Planken aus Holz oder Aluminium als Verschluss eingesetzt werden. Diese Planken sollten möglichst nahe der Scharten gelagert werden, und das Verschließen sollte in kommunale Hand gegeben werden, der jeweiligen Feuerwehr beziehungsweise Wasserwehr. Denn diese seien im Unterschied zu den Landesbehörden im Katastrophenfall vor Ort am Geschehen, so die Planer. Vorgesehen sei allerdings, dass für alle Abschnitte des Flusses die Scharten und die zugehörigen Planken nach gleicher Norm gebaut werden, damit bei Bedarf die mobilen Teile auch ausgetauscht werden können.

Der Planer nahm den Anwohnern in der Dr.-Maruschky-Straße die Sorge, dass ihnen eine Wand in Art der Berliner Mauer vor die Nase oder besser: hinters Haus gesetzt werden könnte. „Die Hochwasser-Schutzmauer wird einen Meter bis maximal 1,20 Meter hoch sein“, beschrieb Blohmer das künftige Bauwerk. Aller Voraussicht nach wird es aus schlichtem Beton vor Ort gegossen. Der Planer stellte zwar verschiedene Möglichkeiten vor, wie solche Wände aussehen könnten nach dem heutigen Stand der Technologie. Natursteinwände oder Natursteinverblendungen werden es aber aus Gründen der Wirtschaftlichkeit kaum sein. Auch eingefärbter Beton sei beim Gießen vor Ort schwierig herzustellen, so Blohmer. Auf Fertigteile aus einem Betonwerk, wo das Einfärben gut möglich sei, wolle man aber wiederum verzichten. Damit entstünden zu viele Fugen zwischen den einzelnen Platten. „Und jede Fuge ist eine Schwachstelle, die den Schutz beeinträchtigen kann“, sagte er.

Eine weitere Hürde für den Hochwasserschutz sind nicht zuletzt Grundstücksfragen. Die Flächen, auf denen der Freistaat seine Schutzanlagen errichtet, sollen ins Eigentum des Landes übergehen. Verhandlungen mit Eigentümern, der Tausch von Flächen und Entschädigungen stehen noch an.

Nächste Schritte zum Hochwasserschutz

  • Im September will die Thüringer Landgesellschaft mit der Genehmigungsbehörde den nötigen Umfang der Unterlagen für ein Planfeststellungsverfahren abstimmen. Im ersten Halbjahr 2018 soll das Planfeststellungsverfahren beginnen. Dauer: ein Jahr ...
  • Im September will die Thüringer Landgesellschaft mit der Genehmigungsbehörde den nötigen Umfang der Unterlagen für ein Planfeststellungsverfahren abstimmen.
  • Im ersten Halbjahr 2018 soll das Planfeststellungsverfahren beginnen. Dauer: ein Jahr unter günstigen Voraussetzungen.
  • Über ein halbes Jahr wird danach die Zeit für die Ausschreibung der Baumaßnahmen benötigen.
  • Möglicher Baubeginn ist im Jahr 2020.
  • Die Bauzeit wird im Abschnitt von Bad Köstritz bis zur Landesgrenze zwei bis drei Jahre dauern.