"Stromautobahn" ist tödliches Risiko für Bekassine, Uhu, Weißstorch im Teichgebiet Dreba-Plothen

Naturschützer und Touristiker im Dreba-Plothener Teichgebiet lehnen die geplante Gleichstrom-Leitung entlang der A 9 ab

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Dreba/Schleiz. Der geplante Bau einer 500-kV-Gleichstromleitung entlang der A 9 stößt im Dreba-Plothener Teichgebiet auf Ablehnung bis Protest. Drebas Bürgermeisterin Petra Herzog erklärte auf Anfrage, ein Verschandeln der Landschaft durch bis über 70 Meter hohe Masten sei nicht hinnehmbar. Der unverbaute Blick über Wiesen, Wälder und Teiche sei ein wichtiges Unterpfand für den Tourismus und viele Wochen­end-Ausflügler.

"Niemand kann erwarten, dass ein Naturschutzverband wie unserer diese Planungen ohne Protest zur Kenntnis nimmt", sagte Jürgen Auerswald, Vorsitzender der hiesigen Nabu-Gruppe und weithin bekannter Vogelkundler. Schließlich vereine die Region um die Tausend Teiche gleich vier Schutzgebiete zwischen 1038 und 2280 Hektar, darunter ein Flora-Fauna-Habitat und ein SPA-Vogelschutzgebiet. Speziell für letzte gelte ein strenges EU-Verschlechterungsgebot, eine weitere Beeinträchtigung neben der ohnehin belastenden Autobahn sei damit eigentlich undenkbar. "Das Teichgebiet ist ein Trittstein-Biotop von europäischer Bedeutung für zahlreiche Vogelarten", erklärte Auerswald. Bereits jetzt bildeten Hochspannungsleitungen wie etwa bei Pörmitz und gen Remptendorf ernst zu nehmende Hindernisse für den Vogelflug.

"Mehr ist nicht mehr zu verkraften", unterstrich Auerswald mit Blick auf die Stromtrasse. Die Gefahr sei dabei nicht der Strom, sondern die Leitungen an sich, mit denen fliegende Vögel kollidieren. Studien zufolge würden bis zu 45 Prozent der unnatürlichen Todesfälle von Uhus aus derartigem "Anflug" resultieren, ähnlich hohe Zahlen seien für Kraniche, Turmfalken oder Weißstörche bekannt - allesamt an den Teichen zu Hause. Besonders gefährdet seien auch Schnepfenvögel, Bruchwasserläufer oder Bekassinen. In den letzten Jahren habe er gut 1000"Bekassinen beringt, die auf ihrer Ost-West-Wanderung zwischen Russland und Frankreich in der Region Station machen. Diese "Nachtzieher" würden durch eine quer zu ihrer Zugrichtung verlaufende Leitung in tödliche Gefahr geraten, unterstrich Auerswald. Aus seiner Sicht müsse die Trasse daher entweder das Teichgebiet weiträumig umgehen oder als Erdkabel tunneln.

Noch habe sich kein Pensions- oder Campingplatzbetreiber konkret zur Trasse beschwert, informierte auf Anfrage Christin Zander, Geschäftsführerin des Tourismusverbundes Rennsteig-Saaleland, aber das liege wohl am noch geringen Informationsstand der Betroffenen. "Aber natürlich sind weitere Trassen im Saale-Orla-Kreis, der ohnehin schon stark belastet ist, absolut nicht wünschenswert." Zwar sei das Teichgebiet noch keine Zielregion mit großen Übernachtungszahlen, aber gerade dank seiner Schutzareale in guter Entwicklung. Eine Hochspannungsleitung, die diese Perspektiven mindert, sei abzulehnen.

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